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Pressemitteilung vom 20.04.2026    

Vortrag von Klara Harres zum Thema Lichtverschmutzung fand in Rennerod großen Anklang

Naturschutzreferentin Klara Harres erklärte in ihrem Vortrag zum Thema "Lichtverschmutzung" in der Westerwaldhalle in Rennerod die Auswirkungen nächtlicher Beleuchtung auf Natur und Mensch.

Naturschutzreferentin Klara Harres hielt einen interessanten Vortrag zum Thema Lichtverschmutzung (Foto: Thomas Boller)

Rennerod. Am 10. April 2026 hielt Biologin Klara Harres in der Westerwaldhalle von Rennerod einen Vortrag über Lichtverschmutzung. Der Titel "Tödliche Lichter in der Nacht" wirkt zunächst provokant, leuchtet aber ein, wenn man die Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen näher betrachtet. So gesehen haben Naturschutzplanungen bisher meist nur die Hälfte des Geschehens berücksichtigt - das Leben am Tag.

Künstliches Licht verlängert den Tag, blendet, streut in die Umgebung, steht als Lichtglocke über Mega-Citys und macht auch vor ländlichen Räumen nicht halt. Und obwohl schon in den 70-er Jahren das Problem erkannt wurde, hat die Lichtverschmutzung zwischen 1992 und 2017 weiter um fast 50 Prozent zugenommen. 42 Prozent der Bundesbürger sehen die Milchstraße nicht mehr am Nachthimmel ihres Wohnorts. Nächtliche Beleuchtung wirkt auf fast alle Tiere, nachtaktiv sind 30 Prozent der Wirbeltiere und 60 Prozent der Wirbellosen. Der natürliche Tag-/Nachtzyklus und die Orientierung bei Nacht werden gestört; Ökosystemleistungen vermindert.

Zugvögel nutzen einen lichtabhängigen Kompass, der durch starkes Kunstlicht empfindlich gestört wird. Herausragendes Negativbeispiel ist der Post-Tower in Bonn. Die riesige Glasfassade in nächtlicher Beleuchtung soll Modernität und Weltoffenheit symbolisieren, kostet aber jeden Herbst 1.000 Zugvögel das Leben.

Besonders betroffen sind nachtaktive Insekten. Unnatürlich starke und viel zu nahe Lichtquellen lenken von gerader Flugbahn ab und führen zum fatalen Kreisen um das Kunstlicht, aus dem viele Fluginsekten nicht mehr herausfinden. 185 von ihnen sterben in jeder Nacht an einer von insgesamt neun Millionen Straßenlaternen in Deutschland. Unter künstlichem Licht schrumpft die Blüten-Bestäubung auf nur ein Drittel. Tagaktive Bestäuber können das nicht ausgleichen. 80 Prozent weniger Insekten-Biomasse seit 1990. Mit Sicherheit trägt Kunstlicht wesentlich mit dazu bei. Igel und Fledermäuse als nachtaktive Säugetiere verlieren ihre Nahrungsgrundlage. Auch Gewässerökosysteme, Fische und Amphibien werden durch nächtliche Beleuchtung gestört. Pflanzen treiben zur falschen Zeit aus, erleiden Frostschäden.

Zu viel Kunstlicht schadet auch den Menschen. Das Hormon Melatonin, welches den Tag-/Nachtrhythmus steuert und bei Dunkelheit Müdigkeit signalisiert, wird nicht mehr ausreichend produziert. Erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Adipositas, Depressionen, Diabetes oder Krebs, erhöhtes Auftreten von Herzkrankheiten und möglicherweise auch Alzheimer sind die Folgen.




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Man kann die Raumbeleuchtung verringern, Computer und Handys, die taghelles Licht mit hohem Blauanteil ausstrahlen, ausschalten. Menschen haben die Möglichkeit durch Rollläden und dichte Vorhänge ihre Schlafzimmer zu verdunkeln und Einfluss auf die Lichtbelastung zu nehmen. Viele Lebewesen draußen hingegen sind schutzlos der nächtlichen Beleuchtung ausgeliefert.

Zum Abschluss erklärte Klara Harres, wie mit naturfreundlicher Beleuchtung die Situation wesentlich verbessert werden kann durch Lampen die zielgerichtet nach unten leuchten, Abstrahlung nach oben und seitlich vermeiden sowie mit einem warmen Farbton, der mehr dem natürlichem Abendlicht entspricht und wesentlich weniger Insekten anlockt. Beleuchtungsstärke und Beleuchtungszeiten sollen dabei soweit wie möglich verringert werden.

Als Positivbeispiele, wo diese Maßnahmen umgesetzt werden, nennt sie die Sternenstadt Fulda (seit 2019), die Sternenparks Rhön und Pfälzerwald. Rumbach, Maikammer, Annweiler wurden 2021 und 2023 als Gemeinden unter Sternen zertifiziert.

Zum Vortrag eingeladen waren auch Vertreter der Elektrobranche und der Verbandsgemeindeverwaltung. Oliver Kraft zuständig für Straßenbeleuchtung und Gebäudeverwaltung in der VG Rennerod. war als Ansprechpartner gekommen und erklärte die Umstellung auf energiesparende LED-Lampen kommt gut voran. Leider aber ist die nächtliche Beleuchtung an einigen Orten dadurch heller geworden, stellten Zuhörer fest. Positiv ist die Tatsache, dass ein Großteil der Straßenlampen von Mitternacht bis zum nächsten Morgen weiterhin ausgeschaltet bleiben.

Lampen werden ausgetauscht, Beleuchtung ändert sich mit den Jahren. Der NABU will sich zusammen mit Verbands- und Ortsgemeinden sowie dem Umweltbeauftragten dafür einsetzen, dass die Beleuchtung naturfreundlicher und der Nachthimmel wieder sichtbarer wird. (PM/Red)



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