Traditionsreiches Möbelhaus: Pagnia-Gruppe aus Betzdorf vollständig insolvent
Die Pagnia-Gruppe aus Betzdorf hat Insolvenz angemeldet. Gleich vier Gesellschaften der Gruppen stehen nun unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Betroffen ist auch das Möbelhaus "pack zu" in Altenkirchen.
Betzdorf. Wie das "Verbraucherschutzforum" berichtet, sind die drei miteinander verbundenen Gesellschaften am Freitag, 17. April, innerhalb weniger Minuten durch das Amtsgericht unter vorläufige Insolvenzverwaltung gestellt worden. Dies sei "ein deutliches Zeichen für eine tiefgreifende wirtschaftliche Krise der gesamten Unternehmensstruktur".
Über das Vermögen der Möbelhaus Pagnia GmbH mit Sitz in Betzdorf wurde demnach um 9.47 Uhr die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Das Unternehmen steht für den operativen Möbelhandel der Gruppe. Nur wenige Minuten zuvor, um 9.40 Uhr, erfolgte die Insolvenz der Pagnia Immobilien GmbH & Co. KG, ebenfalls mit Sitz in Betzdorf. Diese Gesellschaft hält typischerweise die Betriebsimmobilien, wie das "Verbraucherschutzforum" berichtet. Den Abschluss bildete die Pagnia Verwaltungs-GmbH, über deren Vermögen um 9.50 Uhr die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet wurde. Sie fungiert als persönlich haftende Gesellschafterin (Komplementärin) der Immobiliengesellschaft und übernimmt zentrale Steuerungsfunktionen. In diesem Zusammenhang hat um 9.44 Uhr auch die "pack zu Möbel-SB GmbH" Insolvenz angemeldet, die ebenfalls zur Gruppe gehört.
In allen vier Verfahren wurde einheitlich ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Damit liegt die gesamte Restrukturierung der Gruppe in einer Hand. Für sämtliche Gesellschaften gilt: Verfügungen über Vermögenswerte sind nur noch mit Zustimmung des Insolvenzverwalters wirksam. Auch Zahlungseingänge müssen entsprechend gesteuert werden.
Ursachen im Marktumfeld wahrscheinlich
Auch wenn die konkreten Gründe im Einzelfall noch geprüft werden, passe die Entwicklung in das aktuelle Branchenbild, ordnet das "Verbraucherschutzforum" ein. Der stationäre Möbelhandel stehe seit Jahren unter erheblichem Druck durch zunehmenden Onlinehandel, rückläufige Konsumausgaben, hohe Kosten für Energie, Logistik und Personal und schwache Baukonjunktur. "Wenn zusätzlich Immobilienfinanzierungen und interne Mietstrukturen betroffen sind, kann sich eine Krise schnell auf die gesamte Gruppe ausweiten", heißt es weiter.
In der vorläufigen Insolvenzphase prüft der Insolvenzverwalter nun, ob der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden kann, ob Investoren für Teile oder die gesamte Gruppe gefunden werden, ob Immobilien verwertet werden müssen und wie die wirtschaftlichen Verflechtungen aufgelöst werden können. Erst danach entscheide das Gericht über die Eröffnung der eigentlichen Insolvenzverfahren, erfährt man weiter vom "Verbraucherschutzforum". Die nahezu zeitgleiche Anordnung dreier Verfahren zeige deutlich, dass es sich nicht um eine isolierte Unternehmenskrise handelt, "sondern um eine systemische Schieflage der gesamten Pagnia-Gruppe. Ob eine Sanierung möglich ist oder eine vollständige Abwicklung droht, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden."
Unternehmen mit Tradition in der Region
Seinen Anfang hat "Möbel Pagnia" im Jahr 1938 mit der Gründung eines Schreinereibetriebes durch Josef Pagnia in Niederfischbach genommen. 1953 zog das Unternehmen in die Wilhelmstraße nach Betzdorf, wo der neue "Möbel Pagnia" mit Verkaufsausstellung eröffnet wurde. Über die Jahre vergrößerte sich das Verkaufshaus; 1973 fand es seinen Standort mit mehr als 6.000 Quadratmetern in der Kölner Straße in Betzdorf, wo bis heute das Stammhaus des Unternehmens steht. Hinzu kamen zudem Filialen an anderen Standorten wie Hamm (Sieg) oder der "pack zu" in Altenkirchen und Limburg sowie der "Mobi Mit" in Betzdorf. (rm)
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