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Nachricht vom 06.06.2026    

Wiedweg Etappe 5: Bergbaugeschichte, Felslandschaft und der Mittelpunkt der Wied

Von Katharina Kugelmeier

Die fünfte Etappe des Wiedwegs führt auf etwa 14 Kilometern von Oberlahr durch das immer tiefer eingeschnittene Wiedtal nach Neustadt (Wied) - vorbei an einer einzigartigen Bergbauanlage, einer felsigen Miniaturschweiz, einer Burgruine mit Kloster und einem erloschenen Vulkankegel, der als einziger aktiver Vulkan des Westerwalds gilt.

Die fünfte Etappe vereint raue Natur, sanfte Weite und historische Schätze. (Foto: Westerwald Tourismus)

Oberlahr. Wer die fünfte Etappe beginnt, merkt schon nach wenigen hundert Metern, dass das Wiedtal hier einen anderen Charakter angenommen hat: Die Hänge werden steiler, die Wälder dichter. Vom Ortskern Oberlahr überquert man zunächst die Wied und folgt der Brucher Straße, bevor es über einen Naturweg parallel zum Fluss und durch das waldreiche Gebiet des Naturparks Rhein-Westerwald in Richtung Burglahr weitergeht. Auf der Bahntrasse der alten Holzbachstrecke, die im 19. Jahrhundert für den Erzabbau im Wiedtal angelegt wurde, blickt man schon bald auf die gegenüberliegende Talseite: Der 25 Meter hohe Rundturm der Burgruine Burg Lahr thront noch einmal eindrucksvoll über der Schleife der Wied. Ein Anblick, der Lust macht, länger zu bleiben.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Unmittelbar hinter dieser Passage öffnet sich links des Weges der Eingang zum Alvenslebenstollen, einem der eindrucksvollsten Zeugnisse des Westerwälder Bergbaus. Der Stollen wurde zwischen 1835 und 1864 als sogenannter Erbstollen für die benachbarte Grube Louise angelegt, die im 19. Jahrhundert für ihre besonders reinen Eisenerze bekannt war. Mit einer schnurgeraden Länge von exakt 1546 Metern wurde er auf die Burg Lahr hin ausgerichtet, dem einzigen verlässlichen Fixpunkt für die Vermessungen in jener Zeit. Benannt ist er nach dem preußischen Finanzminister Albrecht Graf von Alvensleben (1794-1858), der damals auch für den Bereich Bergbau verantwortlich war. Der Stollen wurde 1987 auf einer Länge von 400 Metern als Besucherstollen hergerichtet und ist beleuchtet und auf befestigtem Untergrund öffentlich zugänglich und vermittelt einen ungewohnt kühlen, stillen Kontrast zur Wärme an sonnigen Wandertagen draußen.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Hinter Peterslahr wird der Weg noch einmal überraschend wild: Durch einen kurzen, beleuchteten Bahntunnel taucht man direkt in die Mettelshahner Schweiz ein. Dieser Abschnitt trägt seinen Namen zu Recht, die Wied hat sich hier tief in das Schiefergestein eingegraben, die Ufer sind felsig und schroff, Pfade schlängeln sich durch Buschwerk und über Steinblöcke. Der Aussichtspunkt Mettelshahner Ley, eine markante Felsformation hoch über dem Fluss, bietet einen der dramatischsten Blicke des gesamten Wiedweges. Ein kurzer Abstecher von hier lohnt sich unbedingt: die Burgruine Ehrenstein mit dem angeschlossenen Kloster, nur wenige Hundert Meter entfernt. Die Kreuzherrenkirche des Klosters, ein schlichter aber atmosphärischer Bau, verfügt über schöne Glasfenster im Schiff, ein stiller Moment mitten im aufregendsten Abschnitt der Etappe. Die Burg Altenwied, die sich am Ende dieses Abschnitts ankündigt, ist die Stammburg der Grafen zu Wied: Ihr wohnturmartiger Bergfried stammt aus dem 12. Jahrhundert und die Burg wurde bis 1690 von Mitgliedern der Grafenfamilie bewohnt, bevor sie in Verfall geriet und teilweise als Steinbruch für den Bau des Schlosses Monrepos diente.



(Foto: Westerwald Tourismus)

Weiter durch Manroth und Eilenberg eröffnet sich am Hang des Bertenauer Kopfes noch einmal ein weiter Blick ins Tal und darüber hinaus. Mit 351,5 Metern über dem Meeresspiegel ist der Bertenauer Kopf die höchste Erhebung in der Gemarkung Neustadt und ein vulkanischer Basaltkegel besonderer Bedeutung: Heidelberger Forscher datierten seine Entstehung Mitte der 1970er Jahre auf rund sechs Millionen Jahre - und erbrachten damit erstmals den Nachweis der jüngeren Phase des Westerwald-Vulkanismus überhaupt. Das 34 Hektar große Naturschutzgebiet rund um den Bertenauer Kopf und den benachbarten Telegrafenhügel schützt eine außergewöhnlich artenreiche Tier- und Pflanzenwelt auf vulkanischem Untergrund. Wer vom Bertenauer Kopf aus den Blick nach Westen richtet, sieht - bei klarem Wetter - das Siebengebirge am Rhein.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Das Etappenziel Neustadt (Wied) liegt exakt in der Mitte des gesamten Wiedwegs: Das vorgelagerte Dorf Eilenberg markiert den Punkt, von dem es genau 53 Kilometer zur Wiedquelle in Linden und ebenso weit zur Mündung in Neuwied sind. Neustadt selbst ist keine Stadt im rechtlichen Sinne, obwohl der Name das vermuten lässt. Der Ortsname "Nuwinstat" taucht erstmals 1185 urkundlich auf. In den 1930er und frühen 1950er Jahren war Neustadt ein anerkannter Luftkurort mit Strandbad, ein beliebter Ferienort für Familien aus der Region. Heute erinnert das Heimatmuseum "Bi et fröher wor" (wie es früher war) im einzigen erhaltenen Fachwerkhaus des Orts an diese Zeit und zeigt, wie die Menschen hier einst gelebt und gearbeitet haben. Direkt an der Hauptstraße, nahe der Bushaltestelle am Etappenziel, steht die neugotische Pfarrkirche St. Margarita aus den Jahren 1869 bis 1873. In ihrem Innern hat sich ein Taufstein aus dem 14. Jahrhundert erhalten.

Die fünfte Etappe zählt mit ihren 14,2 Kilometern und rund 320 Höhenmetern Aufstieg zu den konditionell anspruchsvolleren Abschnitten des Wiedwegs. Mit rund viereinhalb Stunden reiner Gehzeit und dem Abstecher zu Stollen, Ley und Kloster plant man besser sechs bis sieben Stunden ein. Die Rückfahrt nach Oberlahr ist mit der Buslinie 125 möglich. Übernachtungsmöglichkeiten im Ort gibt es derzeit keine, aber in der Umgebung finden sich verschiedene Optionen. Was wie immer gilt: festes Schuhwerk und ausreichende Verpflegung sind ein Muss!

Tour-Informationen

Art: Fernwanderweg, Punkt-zu-Punkt (Etappe 5 von 8)
Schwierigkeit: mittel
Streckenlänge: 14,2 km
Dauer: rund 4,5 Stunden (ohne Abstecher)
Höhenmeter (Aufstieg): rund 320 m
Höhenmeter (Abstieg): rund 350 m
Markierung: blaues "W" auf weißem Grund
Wegebeschaffenheit: Naturpfade, Waldwege, alte Bahntrasse, Bahntunnel; nicht kinderwagen- oder rollstuhlgeeignet
Highlights: Burgruine Burg Lahr (Blick über die Wied), Alvenslebenstollen (1835-1864, 1546 m lang, heute Besucherstollen), Mettelshahner Schweiz mit Mettelshahner Ley (Felsaussichtspunkt), Kloster Ehrenstein mit Kreuzherrenkirche, Burgruine Altenwied (Stammburg der Grafen zu Wied, 12. Jh.), Naturschutzgebiet Bertenauer Kopf (34 ha, Vulkankegel, 351 m)
ÖPNV Rückfahrt: Buslinie 125 ab Neustadt (Wied), Ev. Kirche nach Oberlahr (tägl., rund 21-25 Min.)
Startpunkt: Oberlahr, 57635 Oberlahr (Kirchplatz / Grundschule)
Zielpunkt: Neustadt (Wied), 53577 Neustadt (Wied) (Ev. Kirche / Kirchplatz)

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

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