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Nachricht vom 25.04.2026    

Wiedweg Etappe 2: Seenplatte, Jahrtausendkirche und Skulpturen im Flusstal

Von Katharina Kugelmeier

Die zweite Etappe des Wiedwegs führt auf gut 15 Kilometern von der Wiedquelle bei Linden über die Westerwälder Seenplatte, vorbei an einer der ältesten Steinkirchen des Westerwaldes und durch das größte Naturschutzgebiet der Region bis nach Höchstenbach und ist damit eine der abwechslungsreichsten Etappen des gesamten Fernwanderweges.

Die zweite Etappe des Wiedwegs beginnt, wo die Wied beginnt. (Foto: Westerwald Tourismus)

Linden. Wo Etappe zwei beginnt, endet Etappe eins: an der Wiedquelle bei Linden, die unter dem mächtigen Wurzelwerk einer jahrhundertealten Buche aus dem Boden sprudelt und in Naturstein eingefasst ist. Noch bevor man die ersten Schritte auf dem Weg in Richtung Dreifelden macht, lädt eine Hinweistafel dazu ein, innezuhalten und die besondere Bedeutung dieses Ortes nachzuspüren. Hier ist der Punkt, an dem ein Fluss beginnt - die Wied, der längste Fluss des Westerwaldes, der von hier aus gut 105 Kilometer durch das Wiedtal bis zur Mündung in den Rhein bei Neuwied-Irlich fließt. Es ist ein stiller, nachdenklicher Auftakt, der gut zur Etappe passt, die vor einem liegt.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Noch bevor man den Rhythmus des Gehens richtig gefunden hat, öffnet sich der Weg nach wenigen hundert Metern und gibt den Blick auf das erste große Highlight frei: die Dreifaltigkeitskirche in Dreifelden, die älteste Steinkirche an der Westerwälder Seenplatte. Ihre Geschichte reicht bis in die frühromanische Zeit um das Jahr 1000 zurück. Um 1200 wurde sie zum dreischiffigen Langhaus erweitert und erhielt dabei auch den markanten quadratischen, viergeschossigen Chorturm, der noch heute das Ortsbild von Dreifelden prägt. Der Turm besitzt fünf Schießscharten, ein Zeugnis dafür, dass man im Mittelalter eine Wehrkirche brauchte, keine bloße Andachtsstätte. Bis zur Reformationszeit war das Gotteshaus eine Wallfahrtskirche, im Volksglauben gilt es noch heute als besonders stimmungsvoller Ort. Aus dem Namen der Kirche leitet sich im Übrigen auch der Ortsname Dreifelden ab.

Unmittelbar hinter Dreifelden liegt das Herzstück der Etappe: der Dreifelder Weiher, mit 123 Hektar Wasserfläche der größte der sieben Weiher der Westerwälder Seenplatte. Der Weg führt mehr als zwei Kilometer lang parallel am Ufer entlang mit Blick auf das glitzernde Wasser, ins Schilf und auf die beweideten Wiesen am Ostufer. Wer hier langsam geht und die Augen offenhält, wird reich belohnt: Der Dreifelder Weiher ist ein Vogelparadies von überregionaler Bedeutung und Lebensraum für über 250 Vogelarten. Haubentaucher, Zwergtaucher, Rothals- und Schwarzhalstaucher sind hier Brutvögel; Reiherente, Tafelente und Stockente gesellen sich dazu. In den Schilfrohrzonen haben Rohrammer, Teichrohrsänger und Wasserralle ihren Lebensraum. Seit 2019 befinden sich die sieben Gewässer der Seenplatte in der Stiftungsobhut des NABU; insgesamt 228 Hektar Gewässer und Ufersaum können so dauerhaft für die Natur gesichert werden. Wer sich zu einer Pause verführen lässt, darf ruhig ein Weilchen auf einer der Ruhebänke am Ufer verweilen, die Seele baumeln lassen und einfach zuschauen, wie das Wasser lebt.

(Fotos: Westerwald Tourismus)

Am Campingplatz Haus am See bietet sich eine erste Einkehrmöglichkeit, bevor der Weg weiter über den Hofmannsweiher führt, der seit 1979 ebenfalls als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Auch dieser kleinere Weiher, von Erlen- und Weidengebüschen umsäumt, verdient einen kurzen Blick, schon allein, weil sich hier oft besonders stille, ungestörte Momente ergeben, die am größeren Seeweiher selten sind. Dann geht es in Richtung Steinebach an der Wied, wo das nächste Highlight wartet: der Skulpturenpark Steinebach/Wied, frei zugänglich, rund um die Uhr. Fünf in die Landschaft eingebettete Kunstwerke, darunter eine Frauenfigur aus Eichenholz, eine Basaltsäule, ein Wiesenwehr aus Stahl und Holz sowie ein Quellensymbol für den "Heiligenborn", greifen kulturhistorische Bedeutungen des oberen Wiedtals auf. Eine Infotafel erklärt, wie die Flurnamen dieser Landschaft, Frauwiese, Kreuzerlen, Minneswiese, in jahrhundertealten Quellen auftauchen und von einer frühen kulturellen Besiedlung des Wiedoberlaufs zeugen. Der Park ist kein spektakulärer Kunstort, sondern ein nachdenklicher Ort, der dazu einlädt, die Verbindung von Mensch, Fluss und Landschaft einmal anders zu denken.



(Foto: Westerwald Tourismus)

Hinter Steinebach wechselt der Charakter der Etappe noch einmal: Der Weg taucht nun für die letzten gut sechs Kilometer in das Naturschutzgebiet Oberes Wiedtal ein, dem größten Naturschutzgebiet im Westerwald. Das 204 Hektar große Gebiet wurde 2008 unter Schutz gestellt und bewahrt den naturnahen Oberlauf der Wied mit seinen Auenlandschaften, Feuchtwiesen, Bruch- und Quellwäldern sowie Kleingewässern. Rotmilan, Graureiher, Schwarz- und Grauspecht sind hier heimisch, und wer leise geht, hat echte Chancen auf eine Begegnung mit der Tierwelt des Wiedufers. Die Wied selbst ist auf diesem Abschnitt noch jung und schmal, ein munter dahinplätschernder Mittelgebirgsbach, dessen Ufer von Erlen gesäumt sind und der kaum ahnen lässt, zu welchem Strom er sich weiter unten entwickeln wird. Stück für Stück begleitet man ihn, bis schließlich die Dächer von Höchstenbach auftauchen, dem ruhigen Etappenziel der zweiten Runde.

Höchstenbach ist ein bescheidenes Westerwalddorf, aber eines mit Geschichte: Im Höchstenbacher Wald steht ein Denkmal, das Kaiser Napoleon III. im Jahr 1863 stiften ließ - zum Gedenken an den hier gefallenen französischen General François Séverin Marceau (1769-1796), der bei der Belagerung von Altenkirchen sein Leben verlor. Wer noch Kraft hat, findet direkt im Ort mit Born's Imbiss eine Einkehrmöglichkeit. Die Rückfahrt nach Linden oder Hachenburg ist wochentags per Buslinie 420 möglich.

Die zweite Etappe des Wiedweges ist insgesamt als eher leicht einzustufen: Mit nur 50 Höhenmetern Aufstieg und einer gut ausgeschilderten, naturnahen Strecke durch flaches bis leicht hügeliges Gelände ist sie auch für weniger geübte Wandernde gut zu bewältigen. Anspruchsvoll sind dahingegen die knappen 16 Kilometer der Etappe. Wer die vielen Gelegenheiten zum Innehalten an der Quelle, an der alten Kirche, am Weiherufer, im Skulpturenpark, an der Wied wirklich nutzt, wird für die vier bis viereinhalb Stunden reiner Gehzeit deutlich mehr Zeit einplanen wollen. Und das ist ausdrücklich empfohlen. Ebenfalls empfohlen ist wie immer festes Schuhwerk und ausreichend Verpflegung.

Tour-Informationen

Art: Fernwanderweg, Punkt-zu-Punkt (Etappe 2 von 8)
Schwierigkeit: leicht-mittel
Streckenlänge: rund 15,5 km
Dauer: rund 4-4,5 Stunden
Höhenmeter (Aufstieg): etwa 60 m
Höhenmeter (Abstieg): etwa 230 m
Markierung: blaues "W" auf weißem Grund
Wegebeschaffenheit: Naturpfade, Schotterweg, kurze Asphaltabschnitte; nicht kinderwagen- oder rollstuhlgeeignet
Einkehrmöglichkeit: Campingplatz Haus am See (Dreifelder Weiher), Born's Imbiss (Höchstenbach)
Highlights: Wiedquelle, Dreifaltigkeitskirche Dreifelden (älteste Steinkirche der Seenplatte, rund 1000 n. Chr.), Dreifelder Weiher (123 ha, 250+ Vogelarten), Skulpturenpark Steinebach/Wied, Naturschutzgebiet Oberes Wiedtal (204 ha)
ÖPNV Rückfahrt: Buslinie 420 ab Höchstenbach Richtung Hachenburg (Mo-Fr, rund 14 Min.)
Startpunkt: Wiedquelle Linden, 57629 Dreifelden (OT Linden)
Zielpunkt: Born's Imbiss / Koblenzer Straße 3, 57629 Höchstenbach

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

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