Werbung

Nachricht vom 02.04.2026    

Lesermeinung zu: Tradition bewahren - ein persönlicher Blick auf die Kirmesgesellschaft Hachenburg

LESERMEINUNG | Das nur Männer der Kirmesgesellschaft Hachenburg beitreten dürfen, sollte mit einem Antrag auf Satzungsänderung behoben werden. Dieser Antrag kam jedoch nicht durch. Dass nicht jeder der Meinung ist, Tradition zu Verändern zeigt der Leserbrief von Maria Mies aus Hachenburg.

Maria Mies mit ihrer Familie auf dem Weg zur Kirmes (Foto: Maria Mies)

Der WW-Kurier hat über die Aufregung nach Abstimmung: Auch 2026 dürfen keine Frauen in die Kirmesgesellschaft Hachenburg eintreten berichtet.

Hachenburg/Leserbrief. Als gebürtige Hachenburgerin bin ich mit der Kirmes groß geworden. Heute bin ich 37 Jahre alt und blicke auf viele Jahre zurück, in denen diese besondere Tradition ein fester Bestandteil meines Lebens war, beziehungsweise ist.

Schon als Kind habe ich meinen Vater begleitet - ganz klassisch in der Hachenburger Tracht. Später war es mein Mann, der als Mitglied der Kirmesgesellschaft aktiv ist und den ich bis heute begleite. Und eines kann ich aus voller Überzeugung sagen: Ich habe mich dabei nie ausgeschlossen gefühlt. Im Gegenteil - ich war und bin immer Teil dieser Gemeinschaft gewesen. Die Hachenburger Kirmes lebt von ihrer gewachsenen Struktur. Männer sind Mitglieder der Gesellschaft, Frauen begleiten - so ist es seit Generationen. Und genau das macht für viele den besonderen Charakter dieser Tradition aus. Nicht alles muss verändert werden, nur weil es heute möglich ist.

Tradition bedeutet nicht Stillstand, sondern Identität. Sie verbindet Menschen, schafft Zugehörigkeit und gibt einer Gemeinschaft ihr Gesicht. Die Kirmes in Hachenburg ist weit über die Region hinaus bekannt - gerade weil sie ihre Wurzeln bewahrt. Ich persönlich empfinde es nicht als Nachteil, kein offizielles Mitglied zu sein. Im Gegenteil: Ich bin stolz darauf, Teil dieser Tradition zu sein - auf meine Weise. Gemeinschaft entsteht nicht nur durch Mitgliedschaft, sondern durch das, was man gemeinsam erlebt. Gleichzeitig stelle ich mir die Frage: Wenn sich Strukturen verändern, sind dann auch alle bereit, die damit verbundenen Aufgaben gleichermaßen zu übernehmen? Dazu gehören nicht nur das Feiern, sondern auch körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten wie der Aufbau des Kirmeszeltes oder organisatorische Verantwortung.



In einer Zeit, in der es viele ernsthafte Herausforderungen auf der Welt gibt, erscheint es mir fraglich, ob es wirklich notwendig ist, eine funktionierende und geschätzte Tradition grundlegend zu verändern.

Vielleicht geht es nicht immer darum, alles gleichzumachen - sondern darum, Unterschiede zu akzeptieren und trotzdem gemeinsam stolz auf das zu sein, was uns verbindet. "So wie's früher war, so soll es bleiben" - diese Haltung ist für mich kein Rückschritt, sondern Ausdruck von Wertschätzung gegenüber dem, was Generationen vor uns aufgebaut haben.

Oder, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen: Solange montags noch an alles gedacht wird und die Lieder weiterklingen, ist ein Stück Hachenburg genau so, wie es sein soll.

Maria Mies, Hachenburg


Mehr dazu:   Lesermeinung  
Lokales: Hachenburg & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

WW-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Kultur


Kunst trifft Geschichte: "Natur & Technik" im b-05 Montabaur

Im Montabaurer Stadtwald eröffnet das b-05 eine faszinierende Ausstellung, die Kunst und Geschichte der ...

Kölsche Lebensart pur: Brings mit "Lääv di Lääve-Tour 2026" im Kulturwerk Wissen

Die vielleicht "kölscheste Rockband" war am Freitag (15. Mai) erneut zu Gast im Kulturwerk. Den Musikern ...

Montabaur: Stefan Moster enthüllt die faszinierende Welt des Chorgesangs

Stefan Moster, ein erfahrener Schriftsteller und Übersetzer, lädt zu einer besonderen Konzertreihe ein. ...

Buchtipp: "Sommerfeld Solo - Der Auftrag" von Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf

Im ersten Band der Sommerfeld-Trilogie trauern Hauptkommissar Rupert von der Mordkommission der Kripo ...

Kurt Prödel präsentiert "Salto" bei den Westerwälder Literaturtagen

Am 21. Mai 2026 wird der Autor und Künstler Kurt Prödel im Rahmen der Westerwälder Literaturtage in Hachenburg ...

Ein Abend voller Geheimnisse: Volker Kutscher und Kat Menschik in Westerburg

Am Mittwoch, 13. Mai, erwartet die Besucher der Stadthalle Westerburg ein literarischer Abend. Der Bestsellerautor ...

Weitere Artikel


Einbruchschutz: Polizei gibt Tipps im Elvismuseum Kircheib

Im Elvismuseum in Kircheib können Interessierte alles über effektive Einbruchsprävention erfahren. Ein ...

Holzbrücke auf dem Stegskopf wird erneuert - Bachquerung vorübergehend gesperrt

Auf der DBU-Naturerbefläche Stegskopf steht ein Austausch an: Eine alte Holzbrücke, die einst von der ...

Steinmetz Thomas Gerling gestaltet Stele für die Abtei Rommersdorf

Die Abtei Rommersdorf in Heimbach-Weis hat eine neue kunstvoll gestaltete Stele aus rotem Sandstein. ...

Ostereier-Wettbewerbe in Rheinland-Pfalz: Traditionen voller Spaß

In Rheinland-Pfalz werden zu Ostern zahlreiche traditionelle Bräuche mit Eiern gepflegt, die sowohl Geschicklichkeit ...

Wechselhaftes Osterwetter in Rheinland-Pfalz erwartet

Die Ostertage in Rheinland-Pfalz versprechen ein wechselhaftes Wetter mit milden Temperaturen. Der Deutsche ...

Schwerer Unfall zwischen Pkw und Motorrad in Hachenburg

In Hachenburg kam es am Mittwochabend (1. April) zu einem Verkehrsunfall. Ein Pkw kollidierte mit einem ...

Werbung