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Nachricht vom 23.03.2026    

Glücksspielstaatsvertrag auf dem Prüfstand: Was bedeutet die Evaluierung 2026 für Rheinland-Pfalz?

ANZEIGE 18+ | Hinweis: Dieser Artikel ist für ein erwachsenes Publikum bestimmt und behandelt Themen (beinhaltet ggf. Links), die sich an Personen ab 18 Jahren richten. Ronald Benter hat sich Mitte März nicht viel Zeit gelassen mit Diplomatie. Beim 23. Symposium Glücksspiel an der Universität Hohenheim stellte der Vorstand der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder klar, was er von der laufenden Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags erwartet. Wer an den gesetzgeberischen Entscheidungen von 2020 rütteln wolle, brauche Evidenz. Nicht Meinungen, nicht Lobbypapiere. Daten.

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Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht, wenn man sich anschaut, wie weit die Zahlen in dieser Branche auseinandergehen.

Bis zum 31. Dezember 2026 muss der Endbericht der Evaluierung vorliegen. Er wird die Grundlage dafür liefern, ob Einsatzlimits, Werbevorschriften oder das gesamte Lizenzmodell angepasst werden. Im Extremfall steht ein komplett neuer Staatsvertrag im Raum, der frühestens 2029 greifen könnte. Für Rheinland-Pfalz hat das besonderes Gewicht. Das Land hat mehrfach signalisiert, notfalls eigene Wege zu gehen, sollte die bundesweite Regelung scheitern. Hessen baut bereits ein landeseigenes Online-Casino auf. In Mainz beobachtet man das aufmerksam.

Wo die Regulierung tatsächlich greift
Das Sperrsystem OASIS, geführt beim Regierungspräsidium Darmstadt, verzeichnete Anfang 2026 laut offizieller Bilanz des Regierungspräsidiums 367.000 aktive Spielersperren. 2020 waren es noch 47.000. Im vergangenen Jahr liefen 5,2 Milliarden Abfragen über das System, im Monat also gut 432 Millionen. 99 Prozent der Sperren wurden von den Spielern selbst beantragt.

Der Glücksspiel-Survey 2025, den das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung zusammen mit der Universität Bremen auf Basis von 12.340 Interviews erhoben hat, zeichnet ein stabiles Bild. Problematisches Spielverhalten hat sich gegenüber den Vorjahren kaum verändert. Die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen steigt. Das sind Ergebnisse, mit denen die GGL arbeiten kann.

Aber es gibt eine Gegenseite, und die ist weniger bequem.

Der Schwarzmarkt bleibt das ungelöste Problem
Wie viele Spieler tatsächlich bei lizenzierten Anbietern spielen, ist die zentrale Streitfrage der gesamten Evaluierung. Die GGL veröffentlichte im Januar 2026 eine Studie unter Leitung von Fred Steinmetz vom Blockchain Research Lab, die eine Kanalisierungsquote von 77 Prozent bei Internetglücksspielen ermittelte. Ältere Erhebungen, darunter eine der Universität Leipzig, kamen auf Werte um die 50 Prozent.

Die Differenz ist nicht trivial. Je nach Datenbasis fällt die politische Bewertung völlig anders aus. Benter räumte das auf dem Symposium ein. Er sieht die eigene Studie bestätigt, weiß aber, dass die Kritiker nicht verstummen werden.

Der Dachverband Die Deutsche Automatenwirtschaft schätzt das Schwarzmarktvolumen auf drei bis sechs Milliarden Euro und spricht davon, dass mindestens jedes dritte Spielgerät illegal betrieben werde. Die GGL selbst geht von bis zu 900 nicht-lizenzierten Portalen in Deutschland aus. 930 Domains hat die Behörde bislang gesperrt oder unzugänglich gemacht, mit einem Zuwachs von durchschnittlich 60 pro Monat. Der Schwarzmarkt schrumpft trotzdem nicht in dem Tempo, das sich der Gesetzgeber 2021 vorgestellt hatte.

Woran das liegt, ist kein Rätsel. Im regulierten deutschen Markt sind klassische Tischspiele wie Roulette oder Blackjack nicht erlaubt. Die Autoplay-Funktion wurde abgeschafft. Zwischen zwei Spielrunden müssen fünf Sekunden Pause liegen. Das sind Schutzmechanismen mit nachvollziehbarer Begründung. Aber sie treiben Spieler auf Plattformen ohne deutsche Lizenz, wo solche Beschränkungen nicht gelten. In Österreich etwa funktioniert der Markt nach einer anderen Logik, und wer dort ein Casino mit Sofortauszahlung auf casino.at nutzt, trifft auf ein Angebot ohne Fünf-Sekunden-Regel, ohne Tischspielbeschränkung und mit deutlich schnelleren Transaktionszeiten. Das könnte ein Vorbild für die künftige deutsche Rechtssprechung sein.

Neue Regeln für Internetanbieter ab Mai
Der Zweite Glücksspieländerungsstaatsvertrag soll nach Ratifizierung durch alle 16 Landesparlamente im Mai 2026 in Kraft treten. Kernpunkt: Access-Provider wie Telekom, Vodafone und 1&1 müssen DNS-Sperren gegen illegale Glücksspielseiten umsetzen. Bisher fehlte dafür die Rechtsgrundlage. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im März 2025 festgestellt, dass die GGL gegenüber Access-Providern keine Handhabe besaß.

Für den Westerwald heißt das ganz praktisch, dass auch kleinere regionale Provider ihre DNS-Server an die Sperrlisten der GGL anpassen müssen. Zusätzlicher Abstimmungsbedarf zwischen Kommunen, Providern und Landesbehörden ist absehbar. Lokale Beratungsstellen rechnen mit mehr Anfragen von Spielern, die über eine Netzsperre erstmals mit ihrem Verhalten konfrontiert werden.

Dass DNS-Sperren kein Allheilmittel sind, zeigt ein Blick in die Schweiz. Dort gelten sie seit 2019. Die Behörden meldeten 2024 einen neuen Höchststand bei gesperrten Casinos. Der Schwarzmarkt verschwand trotzdem nicht. VPN-Dienste kosten wenige Euro im Monat und hebeln jede DNS-Sperre aus.

Warum Spieler den regulierten Markt trotzdem verlassen

Drei Studien hat die GGL für den Endbericht in Auftrag gegeben:

Evaluierung der technischen Spielerschutzmaßnahmen, geleitet von Tobias Hayer an der Universität Bremen

Glücksspielwerbung in Fernsehen und Internet, durchgeführt von der eye square GmbH in Berlin

Methoden zur Vermessung des Schwarzmarktes

Ob die Ergebnisse vor Jahresende tatsächlich vollständig vorliegen, ist offen. Der Zeitplan ist ambitioniert, die politischen Mehrheitsverhältnisse in einzelnen Landtagen fragil. In Sachsen und Thüringen gilt die Ratifizierung des Änderungsstaatsvertrags als unsicher.

Das muss bis Jahresende in Mainz und Berlin passieren
Der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Dieter Kugelmann, ist für eine GLÜG-Forschungswerkstatt im Jahr 2026 angekündigt. Das zeigt, dass die Debatte längst über den reinen Spielerschutz hinausgeht. Datensouveränität, Verhältnismäßigkeit von Netzsperren, die Rolle der Provider als Vollzugsgehilfen staatlicher Aufsicht, all das verhandeln die Bundesländer gerade unter hohem Zeitdruck.

Die Grundspannung löst sich auch nach fünf Jahren Glücksspielstaatsvertrag nicht auf. Je strenger die Regulierung den legalen Markt kontrolliert, desto attraktiver wird das illegale Angebot. Das ist kein Versagen der Aufsicht. Es ist ein Strukturproblem, das sich regulatorisch nur bis zu einem bestimmten Punkt lösen lässt. Was danach kommt, muss die Evaluierung beantworten. Oder zumindest benennen. (prm)

Hinweis zu den Risiken von Glücksspielen:
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst und nutzen Sie bei Bedarf Hilfsangebote wie die Suchtberatung (Link: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - Glücksspielsucht).




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