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Pressemitteilung vom 19.03.2026    

Fünf Kliniken im Westerwald stärken gemeinsam ihre Krisenresilienz

Wie können Krankenhäuser in Krisensituationen handlungsfähig bleiben? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Workshops, an dem Vertreter von fünf Kliniken aus der Region teilnahmen. Ziel war es, eine effektive Zusammenarbeit und Einsatzplanung zu entwickeln.

Workshop zur Krankenhaus Einsatzplanung in Limburg (Fotos: Frederike Hackenbroch)

Limburg/Dierdorf/Hachenburg/Selters. Wie bleibt ein Krankenhaus handlungsfähig, wenn die gewohnten Strukturen plötzlich nicht mehr tragen, beispielsweise bei einem Massenanfall von Verletzten, einem großflächigen Stromausfall oder einem Brand? Mit diesen Fragen haben sich Vertreter der Krankenhäuser in Limburg, Diez, Dierdorf, Selters und Hachenburg einen Tag lang intensiv beschäftigt. Auf Einladung von Dr. Sven Antweiler, Chefarzt der Limburger Notaufnahme, kamen die Teams zu einem standortübergreifenden Workshop zur Krankenhaus Einsatzplanung (KHEP) zusammen. Begleitet wurde der Tag von Scholtes Consulting, einem bundesweit tätigen Spezialisten für Krisen- und Einsatzorganisation im Gesundheitswesen.

Mehrere Akteure beteiligen sich am KHEP
Das Limburger Krankenhaus als Schwerpunktversorger mit der größten Notaufnahme der Region bot den Rahmen für die gemeinsame Arbeit. Doch schnell wurde deutlich: KHEP ist kein Thema, das sich auf die Zentrale Notaufnahme beschränkt. Eine funktionierende Einsatzplanung betrifft nahezu alle Bereiche eines Krankenhauses - von der Technik über die medizinischen und pflegerischen Teams, bis zur IT, Personalabteilung, Patientenmanagement und Kommunikation. Entsprechend breit war die Teilnehmerschaft: Neben Vertretern der Notaufnahmen waren insbesondere technische Dienste und Verwaltung anwesend.

Limburger Einsatzplan als Beispiel
Die Grundlagen einer modernen Krankenhaus Einsatzplanung stellte Dr. Katja Scholtes einleitend vor. Begriffe, Modelle und Abkürzungen, die im Alltag oft abstrakt wirken, wurden greifbar: Wie entsteht ein KHEP? Welche Rollen braucht ein Haus im Ernstfall? Wer verbirgt sich hinter dem MedEL oder dem opEL? Wie funktionieren Stabsstrukturen, Kommunikationswege und Entscheidungslogiken? Anschließend wurde der bestehende Limburger Einsatzplan als Beispiel herangezogen, um Stärken, Potenziale und Schnittstellen sichtbar zu machen.

Zusammenarbeit der fünf Kliniken
"Krisen machen nicht an Klinikgrenzen halt. Deshalb ist es entscheidend, dass wir unsere Einsatzstrukturen nicht isoliert denken, sondern im Verbund," betont Geschäftsführer Guido Wernert, der alle fünf Kliniken des Verbundes verantwortet, die Bedeutung des standortübergreifenden Ansatzes. "Die gemeinsame Arbeit schafft Synergien, nicht nur operativ, sondern beispielsweise auch bei der Beschaffung benötigten Materials. Wenn Abläufe kompatibel sind und Teams einander kennen, erhöht das die Versorgungssicherheit für die gesamte Region."



Im Mittelpunkt des Tages stand daher der Austausch zwischen den fünf Kliniken. Welche Strukturen gibt es bereits? Wo unterscheiden sich Abläufe? Welche Ressourcen können im Verbund gedacht werden? Und wie lässt sich sicherstellen, dass im Ernstfall alle Häuser dieselbe Sprache sprechen? Praktische Hinweise aus dem Alltag - von Alarmierungswegen über Materiallogistik bis hin zu Fragen der baulichen Infrastruktur - ergänzten die Diskussionen.

Vorsicht ist besser als Nachsicht
"Zum Glück mussten wir unseren Einsatzplan bislang nie in voller Tiefe aktivieren," berichtet Dr. Sven Antweiler, Chefarzt der Limburger Notaufnahme und der Initiator der Veranstaltung. "Aber genau das darf nicht dazu verleiten, sich in Sicherheit zu wiegen. Vorbereitung ist der konsequenteste Weg, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben." Die Bedeutung des Themas ist nicht zuletzt durch die aktuelle sicherheitspolitische Lage gewachsen. Die Bundesregierung arbeitet seit einiger Zeit an einer Stärkung des Zivil- und Bevölkerungsschutzes, Krankenhäuser gelten als kritische Infrastruktur. Gleichzeitig haben Cyberangriffe, Energieengpässe und die Erfahrungen der Pandemie gezeigt, wie schnell Versorgungssysteme an ihre Grenzen geraten können. Ein belastbarer KHEP ist daher weit mehr als eine formale Pflicht.

Theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen
Mit Blick auf die kommenden Monate kündigte Chefarzt Dr. Antweiler weitere Schritte an: "Ein Einsatzplan funktioniert nur, wenn jede und jeder die eigene Rolle kennt. Deshalb werden wir in den nächsten Schritten verschiedene Szenarien auch praktisch simulieren. Denn erst im gemeinsamen Üben zeigt sich, ob Strukturen tragen und ob Entscheidungen unter Druck funktionieren."

Sowohl bei den praktischen Übungen als auch bei der inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung des KHEPs wolle man fortan eng im Verbund zusammenarbeiten. Diese Vorgehensweise habe sich bereits in anderen Themenfeldern wie etwa Beschaffung, Personalentwicklung oder medizinischen Spezialangebote bewährt, berichtet Geschäftsführer Wernert. "Gerade in ländlichen Regionen wie dem Westerwald zeigt sich, wie wichtig eine starke Verbundstruktur ist. Kein Haus kann alle Herausforderungen allein bewältigen. Durch die enge Zusammenarbeit unserer fünf Kliniken schaffen wir eine Stabilität, die weit über den einzelnen Standort hinausreicht. Diese gemeinsame Einsatzplanung ist ein wesentlicher Baustein, um die Versorgung auch unter außergewöhnlichen Bedingungen sicherzustellen." (PM)


Mehr dazu:   Gesundheitsversorgung  
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