Pressemitteilung vom 18.03.2026 
Gewalt und Stress in Notaufnahmen: Psychologische Hilfe für Pflegekräfte in Rheinland-Pfalz
In den Notaufnahmen von Rheinland-Pfalz nimmt die Gewalt gegen Pflegekräfte zu. Lange Wartezeiten und steigende Aggressionen belasten das Personal zunehmend. Ein neues Projekt soll nun psychologische Unterstützung bieten.
Rheinland-Pfalz. Pflegefachfrau Merret Olthoff hat in der Notaufnahme des Klinikums Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier bereits oft negative Erfahrungen gemacht. "Heute bin ich schon fünf, sechsmal beleidigt worden", berichtet die 23-Jährige. Der Grund? "Weil es ihnen nicht schnell genug geht oder weil sie eine andere Vorstellung von der Behandlung haben." Auch körperliche Übergriffe habe sie erlebt, besonders wenn Patienten unter Drogeneinfluss stehen oder sich in psychischen Ausnahmesituationen befinden. "Ich glaube aber, dass viele Kollegen das mit nach Hause nehmen, vielleicht auch unterbewusst."
Frust und Aggression wegen langer Wartezeiten
Ein neues Projekt in der Zentralen Notaufnahme bietet nun Unterstützung durch Psychologen - sowohl für Mitarbeitende als auch für Patienten und Angehörige. Oft reicht ein kurzes Gespräch, um die Lage zu beruhigen, erklärt Katharina Meyer, Leiterin Pflege in der Notaufnahme. Geschäftsführer Christian Sprenger betont: "Die Situation in den Krankenhäusern ist in Rheinland-Pfalz zunehmend herausfordernd." Weniger Anlaufstellen führen zu mehr Andrang und langen Wartezeiten. "80 Prozent sind dort nicht zwingend richtig", sagt Sprenger. "Und das führt zu Konfliktpotenzial."
Bedrohung führt zu Angst vor der Arbeit
Im Klinikum gibt es einen Sicherheitsdienst, doch dieser kann verbale Angriffe nicht immer abfedern. Jüngst wurde ein Fall gemeldet, bei dem ein Angehöriger drohte, Pflegekräfte anzugreifen. Psychotherapeutin Esther Hilterscheid hebt hervor, dass solche Drohungen schwere Folgen wie Schlafstörungen oder Ängste bei den Mitarbeitenden auslösen können. Laut einer Umfrage im Krankenhaus haben 39 Prozent der Mitarbeitenden bereits verbale oder körperliche Gewalt erfahren.
Projekt ist bundesweit besonders
Das seit Oktober bestehende Projekt wird gut angenommen, so Meyer. "In den letzten Jahren haben wir immer mehr Situationen, in denen Stressreaktionen, Angst, Aggression und Überforderung eine sehr große Rolle spielen." Das Modellprojekt sei bundesweit einzigartig, sagt Psychologin Hilterscheid. Drei Kolleginnen teilen sich die Stelle und sind entweder vor Ort oder werden hinzugerufen. Sprenger ergänzt: "Wir brauchen Menschen in der Notaufnahme, die bereit sind, sich so einer Herausforderung zu stellen."
Schicksalsschläge können auch belasten
Neben Beleidigungen und Bedrohungen müssen Mitarbeitende regelmäßig mit schweren Ereignissen umgehen. Verkehrsunfälle, plötzliche Todesfälle und schwerste Verletzungen gehören zum Alltag. "Auch da sind wir auf die Hilfe von unseren Psychologen angewiesen", sagt Meyer. Pflegefachfrau Olthoff erinnert sich an ihren bisher schlimmsten Fall: "Das war, als hier in der Notaufnahme ein junges Mädchen gestorben ist. Und wie die Eltern dann schreiend in die Ambulanz gelaufen sind." (dpa/bearbeitet durch Red)
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