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Nachricht vom 17.03.2026    

Wer ist schuld am Tod von Eva Smith?: "Der Inspektor kommt" in Hachenburg

Von Mariam Nasiripour

Eine ganze Familie verstrickt in einen Selbstmord. Ein Polizeiinspektor, der wohl keiner ist und ein Selbstmord, der noch geschehen wird. Die Theatermacher Hachenburg hatten am vergangenen Wochenende zu einem spannenden und interessanten Theaterabend in die Stadthalle von Hachenburg eingeladen. Aufgeführt wurde das Stück "Der Inspektor kommt" von John B. Priestley. Das Stück ist einer der bekanntesten Werke des englischen Autors. Die Regie führte Bärbel Kempf.

Noch feiert die Familie unbeschwert die Verlobung der Tochter. Nichts ahnend, was ihr noch bevorsteht. (Fotos: Mariam Nasiripour)

Hachenburg. Es ist das Jahr 1912 in der fiktiven englischen Stadt Brumley. Die industrielle Familie Birling sitzt zusammen an einem Tisch und feiert die standesgemäße Verlobung von Tochter Sheila mit Gerald Croft, ebenfalls aus einer wohlhabenden und angesehenen Familie. Vater Arthur hält eine Rede darüber, wie glücklich er über die Verlobung der beiden jungen Menschen ist und welche Bedeutung diese standesgemäße Verbindung für seine Firma hat.

Dem baldigen Schwiegersohn vertraut er an, dass er bald auf die Adelsliste aufgenommen werden könnte. In dieser fröhlichen und unbeschwerten Stimmung klingelt es an der Haustür und ein Polizeiinspektor tritt herein. Dieser Inspektor Goole berichtet Arthur Birling, dass sich am frühen Abend eine junge Frau namens Eva Smith das Leben genommen habe. Da nimmt das Unglück für die Familie seinen Lauf. Denn Eva Smith war vor zwei Jahren in der Firma von Arthur Birlring angestellt und wurde von ihm wegen aufrührerischen Verhaltens entlassen.

Alle haben die Finger im Spiel
Für Arthur Birling steht die Entlassung jedoch in keinem Zusammenhang zum Selbstmord der Frau. Er sieht sich dabei nicht in der Schuld. "Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände", argumentiert er. Er sei im Recht gewesen. Schließlich musste er an seine Firma denken. Im Laufe des Abends befragt der Polizeiinspektor ein Familienmitglied nach dem anderen. Nach und nach kommt ans Licht, dass alle Familienmitglieder Einfluss auf das Leben der jungen Frau genommen hatten und somit eine gewisse Mitschuld an ihrem Selbstmord tragen. Sie alle hatten zum Elend der Frau beigetragen, die am Ende schwanger und mittellos keinen anderen Ausweg sah und sich umbrachte. Bei der Befragung geht der Inspektor hart gegen die Familie vor und zeigt sich unerbittlich.

Selbstreflexion und Starrsinn
Nur Sohn und Tochter zeigen Reue und Bedauern. Letztere löst sogar ihre Verlobung. Besonders hart und unnachgiebig zeigt sich Sybil Birling, die Mutter. Sie sieht sich im Recht und weist jedes Fehlverhalten von sich. Auch ihr Mann ist sich keiner Schuld bewusst. Ihm ist der Ruf der Familie wichtiger. Immer wieder erzählt er dem Polizisten von seiner Stellung in der Gesellschaft. Er sei schließlich Richter und der ehemalige Oberbürgermeister. Das Familienoberhaupt fürchtet einen Skandal und sieht seine Ernennung in die Liste der Adligen gefährdet.



Unterstützung bekommen beide von Gerald Croft. Er sät Zweifel über die junge Frau, die angeblich zu Tode gekommen sein und an dessen Tod die Familie eine Mitschuld tragen soll. Schließlich bringen er und sein Schwiegervater in Erfahrung, dass der angebliche Polizeiinspektor gar keiner ist. Ein Anruf im Krankenhaus offenbart, dass es auch keinen Selbstmord gegeben hat, ganz zur Freude der Eltern, die die neuen Erkenntnisse feiern.

Für dieses Verhalten haben die beiden Kinder kein Verständnis. Sie sind verärgert, dass die Eltern scheinbar nichts aus der Geschichte gelernt haben. Es spiele keine Rolle, ob der Inspektor ein Schwindler war und keine Frau zu Tode gekommen ist. Es gehe um das Fehlverhalten der Familienmitglieder. Die Tochter appelliert an die Eltern, von ihrem hohen Ross herunterzusteigen. "Wir haben Glück, dass es nicht tragisch geendet ist", sagt sie.
Das Stück endet mit einem Anruf der Polizei, die die Familie wegen des Selbstmords einer jungen Frau sprechen möchte. Ein Inspektor sei bereits auf dem Weg.

Damals wie heute aktuell
Das Stück mit seiner sozialen Verantwortung und verdrängten Moral habe heute wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts nichts von seiner Aktualität und Beunruhigung verloren, erklärt der Verein. "Genau darum wurde es von uns ausgewählt: wegen der so zeitlosen wie sozialkritischen Botschaft", argumentieren die Theatermacher Hachenburg.


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