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Pressemitteilung vom 17.03.2026    

Krankenhausreform im Fokus: Auswirkungen auf den ländlichen Raum

Die geplante Krankenhausreform in Deutschland könnte weitreichende Folgen für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum haben. Betroffen sind Regionen, in denen Krankenhäuser nicht nur stationäre, sondern auch ambulante Leistungen anbieten.

Das Evang. Klinikum Westerwald verfügt über sechs MVZ-Praxiszentren mit 19
fachärztlichen Sprechstunden (Foto: Stefan Gross)

Dierdorf/Hachenburg/Selters. Mit der im Bundestag beschlossenen Krankenhausreform steht die Gesundheitsversorgung in Deutschland vor einem tiefgreifenden Wandel. Ziel der Reform ist es, medizinische Leistungen stärker zu bündeln, Qualitätsvorgaben zu erhöhen und die Krankenhausfinanzierung neu zu ordnen. Experten erwarten jedoch eine Reduzierung der Krankenhausstandorte, was insbesondere in ländlichen Gebieten erhebliche Auswirkungen haben könnte.

Krankenhäuser sind längst nicht mehr nur Orte stationärer Versorgung. Sie betreiben zunehmend Medizinische Versorgungszentren (MVZ), die einen erheblichen Teil der ambulanten Infrastruktur ausmachen. Im Jahr 2025 bestanden in Deutschland rund 5.300 MVZ, von denen etwa 2.600 von Krankenhäusern getragen wurden. Diese Zentren bieten im Durchschnitt sechs Sprechstunden an, was bei krankenhausgetragenen MVZ insgesamt 15.600 Sprechstunden ergibt.

Stationäre und ambulante Versorgung im Westerwald
Im Westerwald zeigt das Evangelische Klinikum Westerwald (EKW) die enge Verbindung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. An den Standorten Dierdorf, Selters und Hachenburg werden jährlich über 18.000 stationäre und 68.000 ambulante Patienten versorgt. Das EKW betreibt sechs MVZ-Praxiszentren mit 19 fachärztlichen Sprechstunden. Guido Wernert, Sprecher der EKW-Geschäftsführung, betont: "Die Diskussion über Krankenhausstandorte greift zu kurz, wenn man die ambulanten Strukturen nicht mitdenkt."

Facharztversorgung in erreichbarer Nähe
Für viele Patienten im nördlichen Westerwald sind die MVZ-Sprechstunden ein zentraler Bestandteil ihrer medizinischen Versorgung. Eine Patientin erklärt: "Ich bin froh, dass ich meine Termine hier vor Ort wahrnehmen kann. Für viele Untersuchungen müsste ich sonst deutlich weiterfahren." Dr. Daniel Benner, Chefarzt der EKW-Wirbelsäulenchirurgie, hebt hervor: "Durch die Anbindung an das Krankenhaus können wir Diagnostik und Behandlung sehr gut verzahnen." Die enge Zusammenarbeit spart oft Zeit und sorgt für hohe medizinische Qualität.

Moderne Arbeitsmodelle für junge Mediziner:innen
Neben der Patientenversorgung spielen Medizinische Versorgungszentren (MVZ) auch eine Rolle für die Zukunft des ärztlichen Berufs. Junge Mediziner suchen zunehmend nach modernen Arbeitsmodellen mit festen Strukturen und Teamarbeit, statt sich in einer klassischen Einzelpraxis niederzulassen. Hannelore Mezger, Fachärztin für Urologie in der urologischen MVZ-Praxis in Selters, beschreibt: "Die Arbeit im MVZ bietet mir viele Vorteile. Wir arbeiten im Team, können uns fachlich austauschen und haben planbarere Arbeitszeiten als in einer klassischen Niederlassung. Das macht den Beruf gerade für junge Ärztinnen und Ärzte attraktiver."




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In der Verbandsgemeinde Selters wird die Ansiedlung von Ärzten aktiv gefördert, um die medizinische Versorgung zu sichern. Kommunale Förderprogramme setzen Anreize für Mediziner, sich in der Region niederzulassen oder eine Tätigkeit aufzunehmen. Die Kombination aus kommunaler Unterstützung und modernen Arbeitsmodellen kann dazu beitragen, die medizinische Versorgung langfristig zu sichern - ein entscheidender Faktor für ländliche Regionen.

Ambulante Medizin braucht stabile Strukturen
Ein Beispiel für die Notwendigkeit stabiler Strukturen in der ambulanten Medizin ist die Integration des Krankenhaus-Standortes Hachenburg in das heutige Evangelische Klinikum Westerwald. Dadurch konnten nicht nur stationäre Betten gesichert, sondern auch ambulante Angebote stabilisiert werden. Guido Wernert erklärt: "In 2021 ist aus guten Gesprächen mit dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ransbach-Baumbach, Michael Merz, zur ambulanten Gesundheitsversorgung die Idee zur Gründung und Eröffnung des Praxiszentrums am Seniorenheim beim Erlenhofsee entstanden. Hier werden heute drei Sprechstundenangebote vorgehalten." Vanessa Weldert, Koordinatorin der MVZ des Evang. Klinikums Westerwald, betont: "Krankenhäuser bilden die organisatorische und wirtschaftliche Grundlage für viele Medizinische Versorgungszentren."

Die gesundheitspolitische Debatte sollte daher nicht nur auf Bettenzahlen fokussieren. Wenn Krankenhausstandorte wegfallen, gehen auch Facharztangebote und ganze medizinische Netzwerke verloren. Reformen im Gesundheitswesen müssen die Realität der Versorgung im ländlichen Raum stärker berücksichtigen. "Denn am Ende geht es nicht nur um Krankenhäuser, vielmehr um die medizinische Versorgung ganzer Regionen", fasst EKW-Geschäftsführer Guido Wernert zusammen. (PM/Red)


Mehr dazu:   Gesundheitsversorgung  
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