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Pressemitteilung vom 05.03.2026    

DNA-Analyse: Wie winzige Spuren Jahrzehnte alte Fälle lösen

Die Aufklärung des Mordes an Amy Lopez nach mehr als 30 Jahren zeigt, wie entscheidend moderne DNA-Techniken sein können. Ein Experte erklärt, wie solche Erfolge möglich sind.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Koblenz. Wenn Ermittlungen bei Kapitalverbrechen ins Stocken geraten, kommt das Landeskriminalamt (LKA) Hessen ins Spiel. Spezialisiert auf die Analyse kleinster DNA-Spuren, war das Team um Harald Schneider bereits maßgeblich an der Aufklärung des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke beteiligt. Nun führte dieselbe Expertise über 30 Jahre nach dem Mord an Amy Lopez in Koblenz zur Festnahme eines Tatverdächtigen.

Die Methode der selektiven Hautschuppenanalyse ist dabei von zentraler Bedeutung. Winzige Hautpartikel, die an Tatwerkzeugen oder der Kleidung und Körpern von Opfern haften, werden isoliert und mit anderen DNA-Proben verglichen. Dies erfordert immense Detailarbeit, wie Schneider erläutert.

Ermittler sichern Spuren an Tatorten unter anderem mit speziellen Klebefolien, um kleinste Textilspuren oder Hautreste zu bewahren. Lange Zeit konnten diese nicht ausgewertet werden, bis die Technik in den 1990er und 2000er Jahren große Fortschritte machte. Diese gesicherten Spuren werden in Asservatenkammern aufbewahrt und kommen zum Einsatz, wenn klassische biologische Spuren fehlen.

Bei der Untersuchung wird geprüft, wie eine Gewalttat mutmaßlich begangen wurde, um gezielt nach winzigen Spurenresten auf den Klebefolien zu suchen. "Es ist eine Fleißarbeit", sagt Schneider. Dabei wird jegliche Fremd-DNA gefunden, auch solche, die nichts mit dem Fall zu tun hat. Die Präparation der Hautschuppen muss stets händisch unter dem Mikroskop erfolgen.

Im Fall Lübcke führte dieser Aufwand zum Erfolg. Zunächst ging man nicht von einem Tötungsdelikt aus, sodass die blutige Kleidung bereits im Klinik-Abfall gelandet war. Dort wurde sie herausgeholt und intensiv untersucht. Unter mehr als 2.000 Spuren fand sich die DNA von Stephan Ernst, was für Schneider ein Aha-Erlebnis seiner Karriere war.



Eine DNA-Spur allein überführt keinen Täter, betont Schneider. Sie ist ein Ermittlungshinweis, dem weitere Untersuchungen folgen müssen. Im Fall Amy Lopez war eine DNA-Spur vom Hosenbund der 24-Jährigen entscheidend für die Festnahme eines 81-jährigen Tatverdächtigen. Bei einer Pressekonferenz äußerte Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler seine Erleichterung über den Durchbruch.

Ein ungeklärtes Verbrechen bleibt für Ermittler wie eine offene Wunde. Laut Mannweiler hat sich der Beschuldigte noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Details zu den laufenden Ermittlungen wurden nicht genannt, sie würden jedoch priorisiert vorangetrieben.

In vielen Fällen gleicht das hessische LKA winzige DNA-Reste mit der seit 1998 existierenden DNA-Analyse-Datei ab. Diese Datenbank löscht Profile in der Regel nach zehn Jahren, wenn keine weiteren Delikte bekannt sind. "Für uns viel zu früh", meint Schneider. Ohne die selektive Hautschuppenanalyse wären viele Fälle ungelöst geblieben.

Schneider schätzt, dass etwa 30 Altfälle im hessischen LKA durch die Methode vorangebracht wurden. Jeder Fall sei hochindividuell und biete neue Möglichkeiten bei der Identifikation an Tatorten, selbst nach Jahrzehnten. (dpa/bearbeitet durch Red)


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