Neue DNA-Methoden entdecken alten Tatverdächtigen im Cold Case "Amy Lopez": Festnahme nach 31 Jahren
Von Jörg Schmitt-Kilian
Anlässlich der Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall der ermordeten Amy Lopez fand in Koblenz eine Pressekonferenz am Mittwoch (25. Februar 2026) statt. Vertreter der Staatsanwaltschaft und Polizei gaben Einblicke in die Ermittlungen und wie es zu dem Durchbruch nach über 30 Jahren kam.
Koblenz. Am Montag (23. Februar 2026) verhaftete die Kripo Koblenz aufgrund des dringenden Tatverdachts einen Mann, der beschuldigt wird, am 26. September 1994 die amerikanische Touristin Amy Lopez sexuell missbraucht und ermordet zu haben (die Kuriere berichteten). Der 31 Jahre alte Cold Case erregte bundesweit Aufsehen und war bei den Ermittlungsbehörden und der Koblenzer Bevölkerung nie in Vergessenheit geraten. In einer Pressekonferenz am Donnerstag (25. Februar 2026) im Polizeipräsidium Koblenz erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt, Mario Mannweiler, man habe den Tatverdächtigen (Jahrgang 1945) am Montag in einer Altenpflegeeinrichtung festgenommen und er sei nach Vorführung beim Amtsgericht Koblenz in einer Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft genommen worden.
Dieser vom Täter begangene Sexualmord geschah bereits vor 31 Jahren und der Fall hat sich - ebenso wie der Doppelmord an dem Ehepaar Schemmer und die Enthauptung des Obdachlosen Gert Straten - bis zum heutigen Tag tief in das Gedächtnis der Menschen in der Region eingebrannt. Nach 31 Jahren konnte dank der akribischen Ermittlungen der Kripo Koblenz, hier besonders zu erwähnen die Kriminalhauptkommissarin Simone Röder, ein Tatverdächtiger festgenommen werden.
Pressesprecher Jürgen Fachinger begrüßte im Polizeipräsidium Koblenz zahlreiche Medienvertreter und Oberstaatsanwalt Mannweiler und gab einen ersten Überblick zum aktuellen Stand der Ermittlungen. Der Jurist berichtete aber auch über seine erste Begegnung mit dem Tatverdächtigen als junger Sitzungs-Staatsanwalt. Dieser Cold Case habe Polizei und Staatsanwaltschaft nie losgelassen. Solche Fälle seien wie eine offene Wunde, die nicht verheile. "Und allen, die Schwerverbrechen begangen haben und sich nach Jahren noch sicher fühlen, sowie den Opfern, die die Tataufklärung in ihren Fällen schon aufgegeben haben, sollte dieser Fall deutlich machen, dass die Strafverfolgungsbehörden nicht ruhen, auch wenn es manchmal den Anschein erwecken mag." Mannweiler betonte zudem mehrfach, dass trotz des dringenden Tatverdachts auch für diesen Mann bis zur endgültigen Klärung die Unschuldsvermutung gelte und gab weitere Informationen zur Person des Beschuldigten bekannt, ohne dessen Namen und den Festnahmeort zu nennen.
Verdächtiger bereits 1994 im Visier
Laut Mannweiler ist der Beschuldigte seit 1968 mehrfach einschlägig in Erscheinung getreten und stand aufgrund seines Vorstrafenregisters bereits 1994 im Kreis der Verdächtigen im Fokus der Ermittlungen. Jedoch konnten weder die Überprüfung seines Alibis noch die entnommene DNA-Probe einen hinreichenden Verdacht begründen. Aufgrund der 1994 kriminaltechnisch begrenzten Untersuchungsmethoden war es seinerzeit nicht möglich eine eindeutige Vergleichsspur zu erhalten. Im Jahre 1999 wurde der heute 81-Jährige für eine versuchte Sexualstraftat an einer 16-Jährigen zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Übereinstimmung durch Speichelprobe
Aufgrund der sich ständig verbesserten Untersuchungsmethoden konnte 2022 eine neue DNA-Spur an der Jeans von Amy Lopez gesichert werden, die jedoch keinen Treffer in der DNA-Datenbank ergab. Auf die Frage eines Medienvertreters, wieso diese fremde DNA-Spur nicht bereits 2022 dem Tatverdächtigen zugeordnet werden konnte, erklärte Mannweiler, die Probe sei aufgrund der datenschutzrechtlichen Bestimmungen gelöscht worden. Der entscheidende Treffer konnte daher erst erzielt werden, nachdem der Beschuldigte im Rahmen einer "Massenuntersuchung" im letzten Jahr eine freiwillige Speichelprobe abgegeben hatte. Weitere Einzelheiten teilte Mannweiler mit Blick auf das laufende Ermittlungsverfahren und den Grundsatz, vor Abschluss eines Ermittlungsverfahrens kein Täterwissen preiszugeben, nicht mit.
Anschließend beschrieb Stefan Heimes, der stellvertretende Leiter des Polizeipräsidiums Koblenz, die Entwicklung des Mordfalls aus polizeilicher Sicht und bedankte sich bei allen eingesetzten Kräften. Nachdem Friederike Manheller-Sander, Leiterin der Kriminalinspektion 1, die allgemeine Arbeitsweise der 2025 neu eingerichteten Ermittlungsgruppe "Cold Cases" vorgestellt hatte, berichtete Röder über den Fall und schien erleichtert über den erfolgreichen Abschluss der langen Ermittlungen.
Rücksicht auf die Angehörigen von Amy Lopez
Anschließend beantworteten die Podiumsteilnehmer zahlreiche Fragen der Medienvertreter und als ein RTL-Reporter mehr über die Gefühlswelten - zum Beispiel beim Telefonat mit dem inzwischen 86-jährigen Vater von Amy Lopez - erfahren wollte, erwiderte Manheller-Sander souverän, sie werde mit Rücksicht auf die Familie keine weiteren Angaben über dieses Gespräch machen und Oberstaatsanwalt Mannweiler erinnerte daran, dass er bereits betont habe, wie sehr ihn dieser Fall bewegt. Als sich der Reporter erneut nachhakte "[...] und das Gefühl, was bei dem Gespräch so rüberkam?", reagierte die Leiterin der Kriminalinspektion 1 professionell, indem sie den Mann lediglich schweigend anlächelte und er keine weiteren Fragen mehr stellte.
Persönliche Worte des Autors
Gestatten Sie mir noch eine persönliche Anmerkung. Ich war in der ersten Phase dieses Mordfalls 1994 in die Ermittlungen mit eingebunden und mich hat dieses Verbrechen ebenfalls sehr lange bewegt. Und bei der Pressekonferenz ist es mir erneut bewusst geworden: Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte müssen - je näher sie in die Ermittlungen eingebunden sind - bei derart grausamen Taten zwar gefühlsmäßige Distanz bewahren, damit sie professionell arbeiten können, aber solche Erlebnisse "stecken auch die Hartgesottesten nicht weg", was das SWR-Interview mit Harald Süßenbach, dem damaligen Leiter der Mordkommission, eindeutig beweist.
Als ich das Interview gesehen habe, tauchten vor meinem geistigen Auge zwei Situationen auf. Ich war erst drei Jahre im Dienst und noch Polizeioberwachtmeister auf der inzwischen legendären "Münzwache", dem 1. Polizeirevier in der Koblenzer Altstadt. Bei "meinem" ersten Mordfall in Koblenz lernte ich 1976 Gerd Starke vom K/1 kennen, für mich damals einer der "coolsten" Mordermittler. Jahrzehnte später moderierte ich als "Syndikats-Mitglied" seine Lesung auf der Leipziger Buchmesse in den Räumen der Gerichtsmedizin, bei der er - emotional sehr bewegt - über einen Kindermord berichtete. Es bleibt immer was "in den Klamotten stecken", sagte schon meine Oma. Man täuscht sich nicht mehr als in Menschen. Ich jedenfalls finde Personen sympathisch, wenn Fassaden bröckeln, die (menschlich verständlichen) Schutzschilde Risse bekommen und sie im vertrauten Kreis einen Blick auf die wirklichen Gefühle zulassen. Wie empfinden Sie das? (Jörg Schmitt-Kilian)
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