Kandidatin für die Landtagswahl 2026: Jacqueline Klöppel (Die Linke)
Am Sonntag, 22. März, stehen die rheinland-pfälzischen Landtagswahlen 2026 an. Doch wer sind die Direktkandidierenden, denen wir unsere Stimme geben sollen, was sind ihre Vorstellungen und Ziele für unsere Region? Die Kuriere haben nachgefragt und allen die gleichen Fragen geschickt. Hier die Antworten von Jacqueline Klöppel (Die Linke)
Wahlkreis Bendorf/Weißenthurm. Unverfälscht und echt sollen die Antworten der Kandidierenden zur Landtagswahl sein. Deshalb sind alle Antworten original zitiert, ohne Bewertung, ohne Kommentar, ohne Kürzung oder Anmerkung. Die Aussagen der Politiker spiegeln nicht die Meinung der Kuriere wider, sondern ausschließlich die des Kandidierenden. Hier sind die Antworten von Jacqueline Klöppel (Die Linke).
Wofür haben Sie sich bisher politisch engagiert – und wieso?
Bisher habe ich mich vor allem außerhalb von Parteien engagiert, insbesondere im Ehrenamt bei Feuerwehr und THW. Dort erlebe ich unmittelbar, wie wichtig funktionierende öffentliche Strukturen und eine gute Gesundheitsversorgung sind. Als Mutter weiß ich zudem, wie sehr fehlende Betreuungsplätze und Personalmangel Familien unter Druck setzen. Diese Erfahrungen haben mich motiviert, mich politisch stärker einzubringen. Die Kandidatur ist meine erste, doch mein Engagement entsteht aus dem Alltag vieler Menschen.
Was muss sich in Rheinland-Pfalz dringend verändern?
Die Betreuungssituation, das Bildungssystem und die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum müssen dringend verbessert werden. Viele Kitas und Schulklassen sind überfüllt, Fachkräfte stark belastet. Das Land muss den Ausbau von Kitas und Ganztagsangeboten vorantreiben und die Arbeitsbedingungen für Lehrer*innen und Erzieher*innen verbessern. Zudem sollten kommunale Behandlungszentren und mobile ärztliche Angebote in den Dörfern finanziell unterstützt werden.
Was sollte sich ändern, damit die Gesundheitsversorgung im Wahlkreis stabil und zuverlässig bleibt?
Damit die Gesundheitsversorgung im Wahlkreis stabil und zuverlässig bleibt, muss das Land die Versorgung auf dem Land stärken. Dazu gehören kommunale Behandlungszentren und mobile ärztliche Angebote, um auch entlegene Orte zu versorgen. Gleichzeitig müssen die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung von Fachkräften verbessert werden, damit Ärzt*innen, Pflegekräfte und Therapeut*innen langfristig vor Ort bleiben. Auch psychotherapeutische und Krisenangebote müssen ausgebaut und gut erreichbar sein.
Was sind aus Ihrer Sicht die dringendsten Infrastrukturprobleme in Ihrem Wahlkreis (Straßen, Brücken, ÖPNV, digitale Netze) – und welche drei Projekte würden Sie in der nächsten Legislaturperiode priorisieren?
In Bendorf/Weißenthurm sind viele Straßen und Brücken sanierungsbedürftig, Bus- und Bahnverbindungen lückenhaft und Radwege unzureichend angebunden. Besonders wichtig sind die Sanierung der B42, der Ausbau des ÖPNV mit besseren Busverbindungen und die flächendeckende Verlegung von Glasfaser. Ich setze mich dafür ein, dass diese Projekte in der nächsten Legislaturperiode umgesetzt werden, um Verkehrssicherheit, Mobilität und digitale Teilhabe langfristig zu sichern.
Wo sehen Sie die Grenzen der Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung, und unter welchen Bedingungen befürworten Sie die Entnahme einzelner Tiere? Wie sollte das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Tierwohl, Wolfsvorkommen und der Sicherung der Weidetierhaltung in Rheinland-Pfalz künftig politisch ausbalanciert werden?
Die Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung ist möglich, wenn flächendeckend effektiver Herdenschutz wie Zäune, Herdenschutzhunde und Monitoring umgesetzt und vom Land finanziell sowie organisatorisch gefördert wird. Die Grenze ist erreicht, wenn trotz umfassender Schutzmaßnahmen wiederholt erhebliche Schäden auftreten. Entnahmen einzelner Tiere dürfen nur als letzte, sachlich begründete und rechtlich abgesicherte Ausnahme erfolgen. Bei Schäden muss schnelle Hilfe gewährleistet werden, um die Existenz der Weidetierhalter*innen zu sichern. Vorrang haben jedoch Prävention, Beratung und Konfliktlösung, um Naturschutz, Tierwohl, Wolfsvorkommen und Weidetierhaltung ausgewogen zu sichern.
Welche drei wirtschaftspolitischen Schwerpunkte wollen Sie in Rheinland-Pfalz setzen, um Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, insbesondere im industriellen Mittelstand und bei Start-ups?
Die Schwerpunkte der Wirtschaftspolitik in Rheinland-Pfalz sollten auf einer sozial-ökologischen Strategie liegen, die bestehende Arbeitsplätze sichert und neue schafft. Unternehmen werden durch Förderungen, Beratung und weniger Bürokratie unterstützt, Betriebsübernahmen durch Beschäftigte erleichtert. Gute Löhne, Tarifbindung, Mitbestimmung und Weiterbildung machen die Jobs zukunftsfähig, während Start‑ups durch Gründerzentren, Netzwerke und Kooperationen mit Forschungseinrichtungen gefördert werden.
Was ist Ihr Konzept, damit der Strukturwandel (Klimaschutz, Digitalisierung, Fachkräftemangel) nicht zulasten der ländlichen Räume geht?
Der Strukturwandel darf den ländlichen Raum nicht benachteiligen, zum Beispiel durch fehlende Arbeitsplätze, Schulen, Internet oder ÖPNV. Auch auf dem Land brauchen wir schnelles Internet, neue Jobs in Industrie, Handwerk und erneuerbaren Energien, Weiterbildungsmöglichkeiten, Unterstützung für Start-ups sowie den Erhalt von Infrastruktur und sozialen Einrichtungen, damit die Menschen vor Ort von Klimaschutz, Digitalisierung und Fachkräftesicherung profitieren.
Wie wollen Sie die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz in den kommenden fünf Jahren gestalten – insbesondere mit Blick auf Unterrichtsqualität, Lehrkräftegewinnung, Inklusion, Digitalisierung der Schulen und Entlastung von Schülern und Lehrkräften?
Bildung sollte allen Kindern die gleichen Chancen geben, und Leistungsdruck muss spürbar reduziert werden. Dafür braucht es kleinere Klassen, mehr Lehrkräfte und bessere Arbeitsbedingungen, damit Unterricht Raum für individuelle Förderung bietet. Digitalisierung braucht gute Ausstattung und Support, darf Pädagogik aber nicht ersetzen. Inklusion muss personell und finanziell verlässlich abgesichert sein, mit ausreichend Mitteln für barrierefreie Gebäude, Lernmaterialien und Assistenz. Familien sollen durch kostenloses, gesundes Schulessen, Hygieneprodukte und kostenfreie Schülerbeförderung entlastet werden.
Deshalb sind Sie in die Partei eingetreten, für die Sie als Kandidatin antreten:
Ich bin in Die Linke eingetreten, weil sie sich konsequent für soziale Gerechtigkeit einsetzt. Als berufstätige Mama mit einem Kindergartenkind fühle ich mich von der Partei gehört und meine Anliegen werden ernst genommen. Frühkindliche Bildung, Gesundheitsvorsorge und Mobilität liegen mir besonders am Herzen, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig verlässliche Betreuung, gut erreichbare medizinische Versorgung und sichere Wege für Familien sind. Ich möchte, dass Familien im Alltag unterstützt werden und Kinder die besten Chancen bekommen.
Worüber können Sie lachen?
Ich lache am liebsten über kleine Situationen im Alltag, zum Beispiel, wenn mein Kind Dinge sagt, mit denen ich nie gerechnet hätte, oder über lustige Momente, die einfach aus der Situation heraus entstehen. Dabei lache ich auch sehr gerne über mich selbst. Dann fühlt sich das Leben für einen kurzen Moment richtig leicht an.
Was löst bei Ihnen Frust aus oder macht Sie sogar wütend?
Ungerechtigkeit und Chancenungleichheit lösen bei mir Frust aus, da ich es schwer erträglich finde, wenn Menschen nicht die gleichen Möglichkeiten im Leben haben.
Welche Schlagzeile würden Sie gerne mal lesen?
Ich würde gerne die Schlagzeile "Armut besiegt" lesen, weil ich mir eine Welt wünsche, in der alle Menschen die gleichen Chancen haben, ihre Grundbedürfnisse gedeckt sind und niemand benachteiligt wird.
Was betrachten Sie als Ihre größte Fehleinschätzung bezogen auf Ihre eigene politische Arbeit und/oder Partei?
Meine größte Fehleinschätzung war, dass ich dachte, man könnte einfacher und schneller etwas bewegen. Dabei habe ich unterschätzt, wie viel Geduld und Durchhaltevermögen es wirklich braucht.
Deshalb sollten die Wähler mir ihre Stimme geben:
Die Wähler*innen sollten mir ihre Stimme geben, weil ich mit den Menschen im Austausch stehe, ihre Sorgen ernst nehme und konkrete Lösungen Schritt für Schritt umsetzen möchte. Kinder und Familien sind unsere Zukunft, und ich möchte, dass Menschen im ländlichen Raum ernst genommen werden und echte Perspektiven bekommen.
________________________
Kurzer Steckbrief
Wohnort: Thür
Geburtsdatum: 15. Juni 1998
Familienstand: getrennt lebend
Beruflicher Lebenslauf/Ausbildung: Kauffrau für Büromanagement; Geprüfte Technische Fachwirtin (IHK)
Politischer Werdegang: seit November 2024 Mitglied von Die Linke
Gesellschaftliches Engagement und Vereinsaktivitäten: Technisches Hilfswerk, Freiwillige Feuerwehr
Hobbys: Lesen, Basteln, Musik hören, Motorradfahren
Drei Lieblingsorte im Wahlkreis: Ich habe keinen einzelnen Lieblingsort, für mich zählt, dass es überall in meinem Wahlkreis Orte gibt, an denen Menschen zusammenkommen, sich erholen oder ihre Freizeit genießen können.
Vorbilder: Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und sich für den Zusammenhalt in der Gemeinschaft einsetzen
Kontaktdaten zur Veröffentlichung: E-Mail: jacqueline.kloeppel@die-linke-myk.de; Instagram: @dielinke.jacqueline
Eine kurze Übersicht aller Direktkandidierenden für den Westerwaldkreis finden Sie hier. (Red)
Mehr dazu:
Die Linke
Landtagswahl 2026
Politik & Wahlen
Feedback: Hinweise an die Redaktion






