Kandidatin für die Landtagswahl 2026: Angela Adomeit (Freie Wähler)
Am Sonntag, 22. März, stehen die rheinland-pfälzischen Landtagswahlen 2026 an. Doch wer sind die Direktkandidierenden, denen wir unsere Stimme geben sollen, was sind ihre Vorstellungen und Ziele für unsere Region? Die Kuriere haben nachgefragt und allen die gleichen Fragen geschickt. Hier die Antworten von Angela Adomeit (Freie Wähler)
Wahlkreis Montabaur. Unverfälscht und echt sollen die Antworten der Kandidierenden zur Landtagswahl sein. Deshalb sind alle Antworten original zitiert, ohne Bewertung, ohne Kommentar, ohne Kürzung oder Anmerkung. Außerdem sind jegliche stilistische Hervorhebungen innerhalb der Antworten des Kandidierenden ebenfalls von diesen gesetzt. Die Aussagen der Politiker spiegeln nicht die Meinung der Kuriere wider, sondern ausschließlich die des Kandidierenden. Hier sind die Antworten von Angela Adomeit (Freie Wähler).
Wofür haben Sie sich bisher politisch engagiert – und wieso?
Mein politisches Engagement begann etwa 2010 mit einer Mitgliedschaft in einer basisdemokratischen Partei, aus der ich wertvolle Erfahrungen mitgenommen habe, auch wenn diese Gruppierung sich später aufgelöst hat. Von 2019 bis 2024 war ich Mitglied des Gemeinderats in Breitenau (Westerwaldkreis).
Ich halte Kommunalpolitik für einen unverzichtbaren Baustein unserer Demokratie. Hier werden pragmatische Lösungen für den Alltag der Menschen umgesetzt, und man lernt, auf Augenhöhe mit Bürgern ins Gespräch zu kommen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Mit dieser Haltung bin ich 2021 in die Partei FREIE WÄHLER eingetreten. Ich möchte Basisdemokratie leben – unabhängig von ideologischen Schubladen, stattdessen ausgerichtet an den tatsächlichen Belangen der Menschen vor Ort.
In der Partei habe ich mich aktiv an Aufbauarbeit und an der Entwicklung der Strukturen beteiligt. Seit 2024 habe ich einen Sitz im Kreistag des Westerwaldkreises. Die Mitarbeit dort ist spannend und zeigt mir, wie viel vor Ort bewegt wird – sei es im Ausbau von Infrastruktur, in sozialen Themen oder bei kreisweiten Projekten.
Für die Landtagswahl wurde ich auf Platz acht der Landesliste gewählt und bin Direktkandidatin im Wahlkreis Montabaur. Das erfüllt mich mit Freude und motiviert mich, mich künftig noch stärker für die Menschen in Rheinland-Pfalz einzusetzen.
Was muss sich in Rheinland-Pfalz dringend verändern?
An erster Stelle steht für mich politischer Wille: Wir brauchen verantwortungsvolle und demokratisch orientierte Entscheidungen. Rheinland-Pfalz darf sich nicht in ideologischen Schemen verlieren. Stattdessen müssen wir pragmatisch, faktenorientiert und lösungsorientiert Politik machen.
Steuergelder dienen nicht der Selbstbedienung, sondern dem Allgemeinwohl. Die Menschen erwarten, dass mit diesen Mitteln sorgsam und transparent umgegangen wird.
Solange die etablierten Parteien immer wieder die gleichen Probleme nicht lösen, wird sich an der Situation nichts ändern. Wir brauchen echte Veränderungen statt bloßer Wiederholungen derselben Fehler.
Was sollte sich ändern, damit die Gesundheitsversorgung im Wahlkreis stabil und zuverlässig bleibt?
Die Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen steht vor ernsten Herausforderungen. Viele Hausarztpraxen arbeiten bereits am Limit, und Nachwuchs fehlt. Es muss gelingen, die Niederlassung von Ärzten attraktiver zu machen - insbesondere auf dem Land. Dazu gehören wirksame Anreize und Entlastungen im Praxisalltag.
Ein weiterer Punkt ist der direkte Zugang zu Fachärzten und Heilmittelerbringern. Wenn Patienten nicht erst den Umweg über den Hausarzt gehen müssen, können Wartezeiten und Kosten reduziert werden. Das entlastet sowohl Patienten als auch das Gesundheitssystem insgesamt.
Der Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser ist zentral, insbesondere für die Notfallversorgung. Nicht jede Klinik muss jedes Fachgebiet anbieten, aber eine schnelle und verlässliche medizinische Grundversorgung muss überall gewährleistet sein. Lange Fahrzeiten gefährden Leben - das müssen wir verhindern.
Der Bereich der Kinder- und Jugendmedizin ist besonders dramatisch. Überlaufene Praxen, lange Wege und enorme Wartezeiten. Insbesondere die Wartezeiten bei der psychologischen Betreuung sind für Familien kaum noch zumutbar. Hier brauchen wir sofortige, praktikable Lösungen und keine weitere Verzögerung.
Was sind aus Ihrer Sicht die dringendsten Infrastrukturprobleme in Ihrem Wahlkreis (Straßen, Brücken, ÖPNV, digitale Netze) – und welche drei Projekte würden Sie in der nächsten Legislaturperiode priorisieren?
Im Westerwaldkreis ist vor allem der Zustand vieler Straßen ein Problem. Schlaglöcher und Flickarbeiten sind keine dauerhafte Lösung. Hier muss es abgestimmte Planungen zwischen Gemeinden, Kreis und Land geben, damit Projekte effektiv und termingerecht umgesetzt werden.
Ein zweites Kernproblem ist der digitale Netzausbau. Rheinland-Pfalz hat hier jahrelang den Anschluss verloren. Schnelles Internet ist keine Zukunftsvision, sondern Grundlage für Wirtschaft, Bildung und Alltag.
Drittens muss die Digitalisierung öffentlicher Verwaltung weiter vorangebracht werden. Wenn Anträge, Anmeldungen und Genehmigungen digital und effizient bearbeitet werden, steigt die Effizienz und Bürger und Unternehmen werden entlastet.
Wo sehen Sie die Grenzen der Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung, und unter welchen Bedingungen befürworten Sie die Entnahme einzelner Tiere? Wie sollte das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Tierwohl, Wolfsvorkommen und der Sicherung der Weidetierhaltung in Rheinland-Pfalz künftig politisch ausbalanciert werden?
Die wachsende Wolfspopulation stellt insbesondere Weidetierhalter vor große Herausforderungen, sowohl existentiell als auch emotional. Hier braucht es ein professionelles Monitoring, klare Regeln und die Möglichkeit, einzelne Tiere zu entnehmen, wenn sich zeigt, dass Wölfe wiederholt Tiere reißen.
Für mich steht der Schutz der Weidetierhalter im Vordergrund. Unsere Jäger verfügen über das nötige Fachwissen, um in ihren Revieren eine ausgewogene Balance zwischen Wildtierpopulationen und landwirtschaftlichen Interessen sicherzustellen. Entscheidungen dürfen nicht ideologisch, sondern müssen praxisorientiert und
sachkundig getroffen werden.
Welche drei wirtschaftspolitischen Schwerpunkte wollen Sie in Rheinland-Pfalz setzen, um Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, insbesondere im industriellen Mittelstand und bei Start-ups?
Gründerfreundliches Rheinland-Pfalz:
Wir wollen Gründungen erleichtern, indem wir ein zentrales, digitales Startkontoschaffen, über das alle Schritte von der Anmeldung bis zur Steuer abgewickelt werden können. Ergänzend sollen Mikrokredite, Stipendien und praxisnahes Coaching innovative Ideen stärken. Die Informationen über Unterstützungsangebote müssen zentral und verständlich zugänglich sein.
Stärkung des Mittelstands - besonders im ländlichen Raum:
Der Mittelstand ist unser Wirtschaftsrückgrat. Wir setzen auf praxisnahe Ausbildung, starke regionale Wertschöpfung und einen konsequenten Bürokratieabbau. Öffentliche Aufträge sollen so vergeben werden, dass auch lokale Betriebe realistische Chancen haben.
Bürokratie reduzieren, Verwaltung digitalisieren:
Verwaltung darf kein Hemmnis, sondern muss ein Förderfaktor sein. Dazu gehören digitale Prozesse und ein zentraler Zugang zu staatlichen Hilfen. Überholte Vorschriften werden abgeschafft, neue werden kritisch geprüft.
Ziel: Rheinland-Pfalz soll ein Bundesland sein, in dem Innovation, Fachkräfte und Mittelstand aufblühen - mit mehr Chancen, weniger Hürden und einer klaren Zukunftsperspektive.
Was ist Ihr Konzept, damit der Strukturwandel (Klimaschutz, Digitalisierung, Fachkräftemangel) nicht zulasten der ländlichen Räume geht?
Wir brauchen einen ideologiefreien Blick auf die Herausforderungen des Strukturwandels. Lösungen dürfen nicht von abstrakten Theorien geleitet werden, sondern müssen an den tatsächlichen Bedingungen vor Ort ansetzen. Dafür ist ein offener Dialog mit Menschen und Fachleuten in der Region entscheidend.
"Klimaschutz" darf nicht zu Lasten ländlicher Lebensqualität oder der Natur gehen, sondern muss praktikable Wege aufzeigen. Wir sollten die Natur schützen, um das Klima zu stabilisieren. Uns in der Energiefrage technologieoffen positionieren, statt ideologische Vorhaben zu erzwingen. Was macht wo unter welcher Voraussetzung Sinn. Das fragen wir uns aktuell nicht oft genug.
Die Digitalisierung muss dort ankommen, wo Menschen leben und arbeiten. Und
Fachkräftemangel lässt sich nur durch gezielte Bildung, attraktive Arbeitsbedingungen
und echte Perspektiven lösen.
Wie wollen Sie die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz in den kommenden fünf Jahren gestalten – insbesondere mit Blick auf Unterrichtsqualität, Lehrkräftegewinnung, Inklusion, Digitalisierung der Schulen und Entlastung von Schülern und Lehrkräften?
Bildung ist die Zukunft unseres Landes. Wir müssen unser Schulsystem so weiterentwickeln, dass es individuelle Förderung, qualitativ hochwertigen Unterricht und moderne Ausstattung ermöglicht.
Lehrkräftegewinnung kann auch über Quereinsteiger gelingen, die pädagogisch qualifiziert und begleitet werden. Gute Bezahlung und klare Karrierewege sind wichtige Anreize.
Die Digitalisierung muss in allen Schulen ankommen - mit passender Ausstattung und Unterrichtskonzepten, die digitale Kompetenzen der Schüler stärken.
Inklusion ist für uns ein zentraler Wert: Menschen mit Beeinträchtigungen müssen echte Teilhabe an Bildung erfahren können. Gleichzeitig darf niemand benachteiligt werden, der einen anderen Bildungsweg wählt oder aus individuellen Gründen nicht vollständig inklusiv beschult werden kann.
Deshalb sind Sie in die Partei eingetreten, für die Sie als Kandidatin antreten:
Ich war unzufrieden mit der Politik vieler etablierter Parteien: zu ideologisch, zu wenig lösungsorientiert, zu wenig transparent. Ich möchte basisnahe Politik, die Probleme erkennt, offen benennt und entschieden angeht. Politik darf gerne uneigennützig sein. Transparenz, Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit sind für mich zentrale Werte, die ich bei den FREIEN WÄHLERn wiederfinde.
Worüber können Sie lachen?
Ich mag Situationskomik - besonders in Momenten, in denen man eigentlich ernst bleiben müsste (Eltern und Tierhalter werden das kennen). Und ich kann auch herzlich über mich selbst lachen.
Was löst bei Ihnen Frust aus oder macht Sie sogar wütend?
Mich macht es wütend, wenn Menschen oder Tiere Leid erfahren. Gewalt ist für mich nicht akzeptabel - egal in welcher Form. Ebenso frustrieren mich Unehrlichkeit und Verschleierung in der Politik. Ich finde es schlimm, wenn Steuergelder ineffizient oder intransparent eingesetzt werden. Wir Menschen sollten klar und ehrlich sein - auch wenn die Wahrheit manchmal unbequem ist.
Welche Schlagzeile würden Sie gerne mal lesen?
FREIE WÄHLER sind in großer Zahl im Landtag vertreten
Was betrachten Sie als Ihre größte Fehleinschätzung bezogen auf Ihre eigene politische Arbeit und/oder Partei?
Ich habe einmal geglaubt, dass sich Menschen schneller von meinem politischen Enthusiasmus mitreißen lassen. Ich habe gelernt: Veränderungen brauchen Zeit - und geduldige Überzeugungsarbeit. Es ist notwendig sich selbst zu reflektieren. Das tue ich, darum stelle ich mich auch gerne der Diskussion. Demokratie bedeutet für mich Austausch und Abwägung - nicht vorab feststehende Ergebnisse oder Absprachen vor Abstimmungen.
Deshalb sollten die Wähler mir ihre Stimme geben:
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Kurzer Steckbrief
Wohnort: Breitenau
Geburtsdatum: 12. April 1974
Familienstand: verheiratet seit 2000, vier Kinder
Beruflicher Lebenslauf/Ausbildung: 1993 bis 1996: Ausbildung/Staatsexamen Krankenschwester; 1996 bis 2002: Als Krankenschwester in verschiedenen Kliniken tätig; 2001 bis 2013: Elternzeit, Teilzeitbeschäftigung; 2013 bis 2016: Ausbildung/Staatsexamen Logopädin + zusätzliche Qualifikationen; 2017 bis heute: selbstständige Logopädin, freie Dozententätigkeit
Politischer Werdegang: 2010/11: Mitglied basisdemokratische Partei (aufgelöst); 2019 bis 2024: Gemeinderat Breitenau; seit 2024: Kreistag Westerwaldkreis; seit 2021: Mitglied FREIE WÄHLER (aktive Vorstandsarbeit auf Gemeinde- und Kreisebene)
Gesellschaftliches Engagement und Vereinsaktivitäten: Mitglied im Chor vor Ort (Vorstandsarbeit); seit 2018: Mitglied im Netzwerk fürs Älterwerden; seit 2023: Beratung Angehöriger demenzerkrankter Menschen
Hobbys: Schwimmen, Zeit mit meinen Hunden verbringen
Drei Lieblingsorte im Wahlkreis: Ich gehe gerne in den heimischen Wäldern wandern, denn ich liebe die Natur hier. Mein Büro in Breitenau mag ich sehr. Ich könnte jedoch nicht sagen, dass ich absolute Lieblingsorte habe. Manchmal entspringt es meiner Stimmung, wo ich gerade gerne bin.
Vorbilder: Menschen des Alltags - Menschen, die mit Mut, Durchhaltevermögen und Ehrlichkeit ihren Beitrag leisten.
Kontaktdaten zur Veröffentlichung: Angela.adomeit@fwrlp.de
Eine kurze Übersicht aller Direktkandidierenden für den Westerwaldkreis finden Sie hier. (Red)
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