Kandidat für die Landtagswahl 2026: Johannes Eidt (Volt)
Am Sonntag, 22. März, stehen die rheinland-pfälzischen Landtagswahlen 2026 an. Doch wer sind die Direktkandidierenden, denen wir unsere Stimme geben sollen, was sind ihre Vorstellungen und Ziele für unsere Region? Die Kuriere haben nachgefragt und allen die gleichen Fragen geschickt. Hier die Antworten von Johannes Eidt (Volt)
Wahlkreis Montabaur. Unverfälscht und echt sollen die Antworten der Kandidierenden zur Landtagswahl sein. Deshalb sind alle Antworten original zitiert, ohne Bewertung, ohne Kommentar, ohne Kürzung oder Anmerkung. Die Aussagen der Politiker spiegeln nicht die Meinung der Kuriere wider, sondern ausschließlich die des Kandidierenden. Hier sind die Antworten von Johannes Eidt (Volt).
Wofür haben Sie sich bisher politisch engagiert – und wieso?
Politisch interessiert war ich schon immer, aber nicht politisch. Ich habe gearbeitet, Familie gelebt und Politik eher aus der Distanz verfolgt. Das hat sich mit der Corona-Pandemie geändert: Plötzlich wurden Falschinformationen laut, der Ton rauer und der Zusammenhalt brüchig. Ich habe gemerkt, wie sehr das Menschen verunsichert, und angefangen, mich aktiv mit Fakten, Aufklärung und der Arbeit von unabhängigen Organisationen und Vereinen zu beschäftigen.
Die aktuelle politische Lage hat dann den Ausschlag gegeben. Irgendwann war klar: Zuschauen reicht nicht mehr. Ich wollte nicht länger vom Sofa aus kritisieren, sondern Verantwortung übernehmen und selbst etwas beitragen.
Was muss sich in Rheinland-Pfalz dringend verändern?
Rheinland-Pfalz muss Politik wieder näher an den Alltag der Menschen bringen. Gerade im ländlichen Raum haben viele das Gefühl, abgehängt zu sein: Busse fahren zu selten, Arzttermine sind schwer zu bekommen und digitale Angebote funktionieren oft nur auf dem Papier. Es braucht mehr Wollen und Tun, schnellere Entscheidungen und den klaren Willen, Probleme zu lösen, statt sie nur noch zu verwalten.
Was sollte sich ändern, damit die Gesundheitsversorgung im Wahlkreis stabil und zuverlässig bleibt?
Im ländlichen Raum sind Arzttermine knapp und Wege länger. Gesundheitsversorgung darf aber keine Frage der Postleitzahl sein. Wir brauchen umfassende Verbesserungen für medizinisches Personal, eine stärkere Vernetzung von Praxen, Pflege und sozialen Diensten sowie ergänzende Angebote, wie mobile Praxen und Telemedizin. Spezialisierte medizinische Versorgungszentren wie in Skandinavien können dabei helfen, Leistungen zu bündeln, Kosten zu senken und die Versorgung regional besser zu organisieren.
Was sind aus Ihrer Sicht die dringendsten Infrastrukturprobleme in Ihrem Wahlkreis (Straßen, Brücken, ÖPNV, digitale Netze) – und welche drei Projekte würden Sie in der nächsten Legislaturperiode priorisieren?
In meinem Wahlkreis zeigen sich die Defizite auch in meinem Alltag sehr konkret: ÖPNV-Angebote enden früh, Straßen und Brücken sind sanierungsbedürftig und das Internet ist in vielen Orten im Westerwald unzuverlässig. Das alles entscheidet aber darüber, ob Menschen hier arbeiten, lernen, sich engagieren und bleiben können.
Meine drei Prioritäten:
Ein verlässlicher, alltagstauglicher ÖPNV, auch abends und am Wochenende
Flächendeckend stabiles Internet und schneller Mobilfunk. Glasfaser muss bis ins Haus in jeder Gemeinde, ohne große Kosten.
Straßen und Brücken sanieren statt nur zu flicken
Wo sehen Sie die Grenzen der Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung, und unter welchen Bedingungen befürworten Sie die Entnahme einzelner Tiere? Wie sollte das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Tierwohl, Wolfsvorkommen und der Sicherung der Weidetierhaltung in Rheinland-Pfalz künftig politisch ausbalanciert werden?
Naturschutz und Weidetierhaltung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Sorgen der Weidetierhalter sind absolut ernst zu nehmen. Daher braucht es schnelle, unkomplizierte und unbürokratische Unterstützung bei der Prävention. Ebenso braucht es schnelle und unbürokratische Hilfe bei bereits betroffenen Weidetierhaltern. Unterstützungsleistungen müssen unmittelbar erfolgen. Dort, wo Schutzmaßnahmen nicht greifen und Schäden wiederholt auftreten, sollten rechtssichere Entnahmen möglich sein. Entscheidend ist ein praktikabler Ausgleich, der sowohl Arten- als auch Nutztierwohl berücksichtigt.
Welche drei wirtschaftspolitischen Schwerpunkte wollen Sie in Rheinland-Pfalz setzen, um Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen, insbesondere im industriellen Mittelstand und bei Start-ups?
Erstens: den Mittelstand entlasten.
Bürokratieabbau heißt für mich vor allem: Verfahren müssen vereinfacht und digital gebündelt werden. Anträge müssen verständlicher werden, Zuständigkeiten klarer und Genehmigungen schneller, damit Unternehmen weniger Zeit mit Papierkram und mehr Zeit mit ihrem eigentlichen Geschäft verbringen.
Zweitens: Start-ups und zukunftsgerichtete Branchen gezielt fördern.
Statt vieler unübersichtlicher Programme braucht es klare Anlaufstellen, einfache Förderwege und gezielte Anreize für Zukunftsbranchen, um innovative Unternehmen nach Rheinland-Pfalz zu holen und hier zu halten, auch im ländlichen Raum und auch für Nichtstudierte.
Drittens: Fachkräfte sichern.
Das gelingt durch bessere Weiterbildungsmöglichkeiten, den Abbau aller Hürden bei der Qualifizierung und durch Rahmenbedingungen, die Arbeit, Familie und Leben besser vereinbar machen.
Was ist Ihr Konzept, damit der Strukturwandel (Klimaschutz, Digitalisierung, Fachkräftemangel) nicht zulasten der ländlichen Räume geht?
Strukturwandel betrifft viele Menschen, gerade im ländlichen Raum. Ich erlebe oft, dass Veränderungen Angst machen, weil sie als zusätzliche Belastung empfunden werden. Genau das darf nicht passieren.
Klimaschutz, Digitalisierung und neue Arbeitsformen müssen den Alltag erleichtern, nicht komplizierter machen. Dafür braucht es Angebote vor Ort, verständliche Förderungen und Unterstützung, die wirklich ankommt. Kommunen müssen handlungsfähig sein, und Menschen brauchen Zeit und Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln.
Strukturwandel gelingt nur, wenn er fair ist und niemand das Gefühl hat, zurückgelassen zu werden. Trotzdem ist er dringend notwendig.
Wie wollen Sie die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz in den kommenden fünf Jahren gestalten – insbesondere mit Blick auf Unterrichtsqualität, Lehrkräftegewinnung, Inklusion, Digitalisierung der Schulen und Entlastung von Schülern und Lehrkräften?
In der Bildung muss sich vor allem eines ändern: Schulen dürfen mit den wachsenden Anforderungen nicht länger alleine gelassen werden. Unterricht, soziale Probleme, Digitalisierung und Inklusion landen heute oft gleichzeitig im Klassenzimmer. Das überfordert Schulen und benachteiligt Kinder.
Ich setze mich deshalb für mehr Unterstützung im Schulalltag ein: durch Schulsozialarbeit, multiprofessionelle Teams und präventive Angebote. Digitale Bildung muss verlässlich funktionieren, mit guter Ausstattung, IT-Betreuung und echter Medienkompetenz. Ziel ist, dass Lehrkräfte sich auf das Unterrichten konzentrieren können und alle Kinder faire Chancen bekommen, unabhängig von Herkunft oder Wohnort.
Deshalb sind Sie in die Partei eingetreten, für die Sie als Kandidat antreten:
Ich habe mich für Volt entschieden, weil mir sachliche Lösungen wichtiger sind als ideologische Grabenkämpfe. Mich überzeugt, dass hier Probleme pragmatisch angegangen werden. Volt denkt Politik vom Alltag der Menschen aus und verbindet lokale Lösungen mit einem Blick über den Tellerrand. Gerade für den ländlichen Raum brauchen wir neue Ansätze, die funktionieren und nicht an Partei- und Landesgrenzen scheitern. Für mich ist das eine Politik, die erklärt, zuhört und handelt, und genau dafür stehe ich.
Worüber können Sie lachen?
Wenn Dinge oftmals nicht so perfekt laufen, wie man es sich vorgestellt hat, oder wenn Kinder einen ganz eigenen Blick auf die Welt haben. Humor hilft mir, Dinge einzuordnen und auch in stressigen Situationen gelassen zu bleiben.
Was löst bei Ihnen Frust aus oder macht Sie sogar wütend?
Wenn Menschen andere Menschen anfeinden, sogar hassen, und das aufgrund politischer oder religiöser Anschauung, Sexualität oder aufgrund ihrer Herkunft, ohne den Menschen dahinter zu kennen.
Welche Schlagzeile würden Sie gerne mal lesen?
Kommunen entlastet: Land sorgt für verlässliche Finanzierung vorausschauender Kinder- und Jugendhilfe.
Was betrachten Sie als Ihre größte Fehleinschätzung bezogen auf Ihre eigene politische Arbeit und/oder Partei?
Rückblickend habe ich unterschätzt, wie groß die Distanz vieler Menschen zur Politik inzwischen ist. Ich bin lange davon ausgegangen, dass gute Argumente und sachliche Lösungen ausreichen. In der Praxis habe ich gemerkt: Viele fühlen sich nicht gehört, nicht abgeholt und nicht ernst genommen.
Das hat mir gezeigt, dass politische Arbeit nicht nur aus Konzepten besteht, sondern vor allem aus Zuhören, Erklären und Präsenz vor Ort. Diese Erkenntnis prägt heute mein politisches Engagement.
Deshalb sollten die Wähler mir ihre Stimme geben:
Ich kandidiere nicht, weil ich Karriere in der Politik machen will. Ich kandidiere, weil mir meine Heimat wichtig ist. Ich will, dass der Westerwald auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem man gut leben kann, für Familien, für junge Menschen und für alle, die hierbleiben oder zurückkommen wollen.
Als Familienvater und Sozialpädagoge erlebe ich jeden Tag, wo es hakt. Wo Systeme nicht mehr greifen, wo Menschen auf Unterstützung warten und wo einfache, pragmatische Lösungen fehlen. Genau das treibt mich an.
Ich habe oft den Eindruck, dass viele in der Politik zu sehr in ihren Parteistrukturen feststecken. Das lähmt Entscheidungen und entfernt Politik vom Alltag. Ich will das anders machen: zuhören, Probleme klar benennen und Lösungen voranbringen. Eine Stimme für mich ist eine Stimme für Politik, die wieder mit den Menschen gemacht wird - nicht über sie hinweg.
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Kurzer Steckbrief
Wohnort: Obererbach
Geburtsdatum: 1987
Familienstand: verheiratet
Beruflicher Lebenslauf/Ausbildung: ausgebildeter Vermessungstechniker, ausgebildeter Musikpädagoge, Sozialpädagoge/Sozialarbeiter BA
Politischer Werdegang: Seit 2025 Mitglied bei Volt
Gesellschaftliches Engagement und Vereinsaktivitäten: Aktiv im Vorstand des ASV Hundsangen, Mitglied im Verein zur Jugendkulturförderung Obererbach, Mitglied im SV Obererbach und im SV Hundsangen.
Hobbys: Aktiver Musiker in Bands, Angeln und Gaming
Drei Lieblingsorte im Wahlkreis: Der wunderschöne Weiher von Hundsangen, ein Ort der Ruhe und des Ausgleichs; Das PellMell-Festival in Obererbach, wenn auch leider dieses Jahr zum vorerst letzten Mal; Das wunderschöne Schloss von Montabaur, erinnert mich immer wieder an meinen Geburtsort Mayen
Vorbilder: Politisch: Willy Brandt
Gesellschaftlich: Hape Kerkeling
Musikalisch: Jimi Hendrix
Kontaktdaten zur Veröffentlichung:
Eine kurze Übersicht aller Direktkandidierenden für den Westerwaldkreis finden Sie hier. (Red)
Mehr dazu:
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