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Nachricht vom 28.01.2026    

Karneval in Rheinland-Pfalz: Nachwuchsmangel bei Büttenrednern

Die traditionelle Büttenrede, ein fester Bestandteil des rheinischen Karnevals, gerät zunehmend in Bedrängnis. In Rheinland-Pfalz suchen viele Vereine händeringend nach Nachwuchs für diese besondere Kunstform.

Rosenmontag - Koblenz. Foto: Thomas Frey/dpa

Koblenz. Die Büttenrede, vorgetragen im speziellen Rednerpult "Bütt", ist bekannt für ihren bissigen und witzigen Charakter. Doch in den Vereinen in Rheinland-Pfalz fehlt es immer mehr an jungen Talenten. "Es ist sehr schwer, Büttenredner zu finden", sagt Andreas Münch, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval. Von den 43 Vereinen in seiner Region sind noch etwa 15 mobile Büttenredner aktiv, die zwischen den Veranstaltungen pendeln.

Auch in Mainz sieht es nicht besser aus. Marcus Schwalbach, Sitzungspräsident der "Brunnebutzer" in Mainz-Marienborn, berichtet von einem ähnlichen Mangel. "Wir müssen zukaufen", erklärt er, da Eigengewächse nicht ausreichen, um ein komplettes Programm zu gestalten.

Ein Grund für den Rückgang ist das veränderte Publikum. "Die Anspruchshaltung ist größer geworden", so Münch. Gleichzeitig sinkt die Aufmerksamkeitsspanne, was es Rednern erschwert, die Zuhörer zu fesseln. Klaus-Ludwig Fess, Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK), ergänzt: "Viele wollen Musik und Tanz sehen." Wenn dann ein Büttenredner auftritt, werde oft nicht zugehört.

Der Konkurrenzdruck durch andere Freizeitangebote, wie Comedy im Fernsehen oder lustige Reels auf Instagram, trägt ebenfalls zur Problematik bei. "Früher war die Fastnacht etwas Besonderes", meint Schwalbach.



Trotzdem gibt es Hoffnung. Der BDK bietet Rhetorikseminare für angehende Redner an. Auch in Trier wagen sich jüngere Leute in die Bütt, deren regionale Themen gut ankommen.

Für das Brauchtum Karneval bleibt die Büttenrede essenziell. "Sie gehört dazu und ist sehr wichtig", betont Münch. Doch das Publikum habe sich verändert, und eine gezwungene Büttenrede mache keinen Sinn. Es sei ein Spagat zwischen Tradition und modernen Erwartungen.

In ländlichen Gebieten hingegen trifft man oft auf talentierte Redner, die mit Humor und Lokalkolorit überzeugen. Christoph Lehr vom Florstädter Carnevals Club Niddageister meint: "So ganz ohne Büttenrede? Dann ist es ja wie eine Faschingsparty und keine Faschingssitzung."

Aktuelle Themen in den Büttenreden sind unter anderem der ehemalige US-Präsident Donald Trump, der Bildhauer Jacques Tilly und die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). (dpa/bearbeitet durch Red)


Mehr dazu:   Karneval  
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