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Pressemitteilung vom 23.01.2026    

Vortrag über invasive Arten in Hundsangen zieht großes Interesse auf sich

Mehr als 60 Zuhörer füllten das Foyer der Ollmersch-Halle, um den Vortrag von Dr. Stefan Nehring zu verfolgen. Der Biologe referierte über die Auswirkungen gebietsfremder Arten wie dem Waschbären und regte eine lebhafte Diskussion an.

Fotos: Marcel Weidenfeller und Peter Ahrens

Hundsangen. Der Start in das neue Jahr 2026 war ein voller Erfolg. Mehr als 60 interessierte Zuhörer haben das Foyer in der Ollmersch-Halle so gefüllt, dass einige nur noch einen Stehplatz bekommen konnten. Das Thema gebietsfremde Arten trifft offenbar einen Nerv der Naturschützer - insbesondere gilt dies für den aus Nordamerika stammenden Waschbären: Einerseits ein niedlicher Geselle mit Zorromaske, den man am liebsten anlocken und füttern möchte - andererseits eine gefährliche invasive Art mit erheblichem zerstörerischem Potential für die heimische Amphibien- und Vogelwelt.

Durch seine nächtlichen Aktivitäten in Gärten und Häusern verursacht er zudem Dreck und Lärm. Der Koblenzer Biologe Stefan Nehring hat uns gekonnt, differenziert und sprachgewandt in die Problematik der gebietsfremden Pflanzen und Tiere eingeführt und als ausgewiesener Fachmann dieser Thematik auch handlungsrelevante Informationen mitgegeben.

Invasive Arten in Deutschland: Bedrohung oder Bereicherung?
Aktuell sind in Deutschland über 4.000 gebietsfremde Arten, sogenannte Neobiota, wild lebend nachgewiesen, wovon sich schon rund 1.200 Arten in unserer Natur dauerhaft festgesetzt haben. Die meisten Arten wurden aus Nordamerika und China absichtlich als Gartenpflanze oder Heimtier importiert und sind anschließend unkontrolliert verwildert. Um die Gefahren für die biologische Vielfalt, die von diesen Arten ausgehen, zu verhindern oder zumindest zu minimieren, hat die Europäische Kommission eine Liste mit den größten Schadensverursachern herausgegeben.

Diese Unionsliste umfasst aktuell 114 invasive Arten, für die EU-weit strenge Verbote sowie umzusetzende Maßnahmen bei einem Auftreten gelten. 66 Arten der Unionsliste, darunter zum Beispiel Waschbär, Springkraut und Herkulesstaude, kommen auch in Deutschland vor. Immer mal wieder werden Zweifel laut, dass diese invasiven Arten doch eher als Bereicherung der heimischen Fauna und Flora anzusehen seien. Aus Sicht von Nehring ein Trugschluss, der auf unzureichender Beurteilung der vorliegenden Fakten beruht. Aber nicht nur die biologische Vielfalt ist bedroht, sondern auch die menschliche Gesundheit kann durch gebietsfremde Arten negativ beeinflusst werden. Auch hier gibt es kontroverse Diskussionen zum Ausmaß der Auswirkungen. Ist die nordamerikanische Ambrosie tatsächlich so "gefährlich", wie man lange vermutet hat, oder haben wir in unserer Angst vor Allergien die Situation überschätzt? Was die Bedrohung durch Ambrosia angeht, gibt es in der Wissenschaft durchaus verschiedene Meinungen.




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Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, Karl-Christian Bergmann, sieht die Gefährdung für den Menschen eher gelassen: Patienten mit echter Ambrosia-artemisiifolia-Allergie seien extrem selten. Vielleicht muss man hoffen, dass er Recht hat: Die bisherigen Versuche eines Managements dieses Neophyten müssen als wenig erfolgreich angesehen werden.

Herausforderungen im Umgang mit invasiven Arten
Unbestritten ist, dass normale Arealveränderungen einer Art ein natürlicher Prozess ist. Allerdings haben anthropogene Prozesse (globaler Handel, Einschleppung von Samen, bewusste Freisetzung gebietsfremder Tiere, "Flüchtlinge aus Tierfarmen" et cetera) zu einer unglaublichen Beschleunigung der Verbreitung gebietsfremder Arten geführt mit weiterhin stark zunehmender Tendenz. Eine biologische Anpassung der Ökosysteme ist damit in der Regel nicht mehr möglich. Ein Management zumindest der aggressivsten Arten wird zwingend, wenngleich es im Einzelfall durch verschiedene Umstände nicht unkompliziert ist.

Erschwerende Faktoren sind unklare Zuständigkeiten, fehlende Geldmittel, unterschiedliche Einschätzungen von Entscheidungsträgern, fehlende Anreize für Exekutivorgane wie die Jägerschaft und vieles mehr. Jäger entnehmen deutschlandweit jährlich aktuell etwa 200.000 Waschbären - freiwillig und ohne eigenen Nutzen - aber mit viel Aufwand - gleichzeitig ist der Waschbär aber auch temporär während seiner Fortpflanzungsphase gesetzlich geschützt: wir sorgen also selbst für seine ungehemmte Vermehrung.

Diese Art eines "Managements" hat den Bestand auf aktuell rund zwei Millionen Waschbären anwachsen lassen, mit entsprechenden Konsequenzen für seine Beutetiere, die immer stärker unter Druck geraten. Im Anschluss an den Vortrag wurde noch viel und konstruktiv diskutiert. Auch wenn für viele Probleme eine nachhaltige Lösung in weiter Ferne ist, war es ein fruchtbarer Austausch und für alle Beteiligten ein echter Gewinn sowie ein spannender Auftakt der Saison 2026. (PM/Red)


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