Zugang ordnen, Märkte strukturieren: Warum EU-Digitalregeln für Verbraucher so relevant sind
Hinweis: Dieser Artikel ist für ein erwachsenes Publikum bestimmt und behandelt Themen (beinhaltet ggf. Links), die sich an Personen ab 18 Jahren richten. Digitale Dienste sind längst selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Entscheidend ist dabei nicht mehr, ob Angebote digital sind, sondern wie ihr Zugang organisiert wird. Genau an dieser Stelle setzt die europäische Digitalpolitik an. Mit neuen Regeln für Märkte und Dienste verfolgt die EU das Ziel, digitale Zugangsmodelle zu ordnen, Wettbewerb zu sichern und Verbraucherrechte im digitalen Binnenmarkt abzusichern. Für Nutzer wirkt diese Politik oft abstrakt. Tatsächlich prägt sie jedoch, unter welchen Bedingungen digitale Angebote auffindbar, nutzbar und vergleichbar sind.
Zugang als Ordnungsfrage
Digitale Märkte funktionieren über Zugangsmodelle: Konten, Schnittstellen, Zahlungswege, technische Standards. Diese Strukturen bestimmen, wie leicht Verbraucher zwischen Angeboten wechseln können, wie transparent Preise sind und wie stabil die Nutzung über längere Zeit bleibt. In klassischen Märkten wurden solche Fragen über Vertragsrecht und Wettbewerb geregelt. Im Digitalen verschieben sie sich in technische und organisatorische Ebenen. Genau hier sieht die EU einen Regulierungsbedarf – nicht als Eingriff in einzelne Produkte, sondern als ordnungspolitischen Rahmen für digitale Märkte.
Der Begriff Gatekeeping, der in diesem Zusammenhang oft fällt, beschreibt dabei keine moralische Bewertung einzelner Unternehmen, sondern eine Marktrolle. Bestimmte Akteure verfügen aufgrund ihrer Größe und Vernetzung über die Möglichkeit, Zugangsbedingungen zu setzen. Für Verbraucher zeigt sich das nicht als abstraktes Machtverhältnis, sondern als Alltagserfahrung: bestimmte Funktionen sind vorgegeben, Alternativen erscheinen begrenzt oder schwer vergleichbar. Die EU reagiert darauf mit Regeln, die diese Rollen definieren und an Pflichten knüpfen.
Die Verbraucherrelevanz wird dort greifbar, wo sich Zugangsmodelle konkret auf Kosten, Vergleichbarkeit und Kontrolle auswirken. So sind beispielsweise viele Dienste parallel als App und über den Browser nutzbar, teils jedoch mit unterschiedlichen Bedingungen. App-Zugänge sind häufig stärker an bestimmte Betriebssysteme, Store-Regeln und Abrechnungslogiken gebunden. Auch die Regulierung spezifischer Sektoren, wie dem iGaming spielt eine Rolle. Neue Online Casinos, wie sie bei Esports.net zu finden sind, werden mobiloptimiert entwickelt. Viele setzen auf progressive Web Apps oder besonders benutzerfreundliche mobile Designs, ohne dass eine klassische App nötig ist.
Web-Zugänge ermöglichen nämlich oft einen direkteren Zugriff, ohne Installation und mit weniger Vermittlungsstufen. Für Verbraucher ist das relevant, weil sich darüber Kosten, Datenweitergabe und Kündigungswege unterscheiden können. Der Punkt ist nicht, dass Apps schlechter wären, sondern dass der gewählte Zugangspfad praktische Folgen hat, obwohl das zugrunde liegende Angebot identisch ist.
Ein weiteres, oft übersehenes Beispiel ist die Abhängigkeit von bestimmten Browser-, Geräte- oder Sicherheitsstandards. Immer mehr digitale Dienste setzen aktuelle Verschlüsselungsverfahren, moderne Browserfunktionen oder bestimmte Sicherheitsmechanismen voraus. Ältere Geräte oder nicht mehr unterstützte Software werden dadurch schrittweise ausgeschlossen – nicht durch Vertragsänderungen, sondern durch technische Mindestanforderungen.
Im europäischen Kontext ist das relevant, weil Sicherheit, Datenschutz und technische Standards politisch gewollt sind, ihre Umsetzung aber unmittelbare Nutzungsfolgen hat. Zugang hängt damit nicht nur von Marktrollen oder Preisen ab, sondern von der Frage, welche technischen Voraussetzungen als zumutbar gelten.
Regulierung als Strukturpolitik
Zentrale Instrumente der europäischen Digitalpolitik sind der Digital Markets Act und der Digital Services Act. Beide zielen darauf, digitale Märkte nicht mehr allein über nachträgliche Sanktionen, sondern über vorgelagerte Strukturvorgaben zu ordnen. Der DMA greift in Marktrollen und Zugangsbedingungen ein, der DSA in Verantwortlichkeiten, Transparenzpflichten und Aufsicht über digitale Dienste. In der Theorie entsteht daraus ein berechenbarer Rahmen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass diese Ordnung nicht spannungsfrei bleibt.
Denn digitale Zugangsmodelle enden nicht an der Grenze einzelner Dienste. Sie bestehen aus Ketten von Infrastrukturen: Zahlungsabwicklung, Identitätsprüfung, Cloud-Services, Schnittstellen, Abrechnungs- und Sicherheitsmechanismen. Politische Maßnahmen – gleich ob Regulierung oder Sanktionen – wirken deshalb nicht isoliert, sondern durch die gesamte Kette hindurch. Auch große Zahlungsnetzwerke wie Mastercard spielen in dieser Kette eine Rolle.
Vor diesem Hintergrund relativiert sich auch der Nutzen einheitlicher Regeln. Sie schaffen Orientierung und Rechtssicherheit innerhalb des europäischen Marktes, schützen aber nicht automatisch vor außereuropäischen Eingriffen oder vor dem Rückzug von Dienstleistern, die Risiken vermeiden wollen. Digitale Ordnungspolitik stößt dort an Grenzen, wo Marktakteure global verflochtene Infrastrukturen nutzen und Entscheidungen nicht mehr entlang nationaler oder europäischer Zuständigkeiten treffen.
Die zentrale Verbraucherfrage lautet deshalb nicht, ob digitale Dienste online sind oder reguliert werden. Sie lautet, wie stabil Zugänge sind, wenn sie politisch, wirtschaftlich oder infrastrukturell unter Druck geraten. Die EU versucht, diese Stabilität über Marktarchitektur herzustellen. (prm)
Quellen:
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/digital-services-act
https://digital-markets-act.ec.europa.eu/index_en
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/dsa-brings-transparency
https://en.wikipedia.org/wiki/Digital_Markets_Act
https://ecipe.org/publications/consumer-response-to-the-digital-markets-act/
https://www.beuc.eu/priorities/digital
https://de.wikipedia.org/wiki/Progressive_Webanwendung
https://de.wikipedia.org/wiki/Mobile_App
https://nieuws.kuleuven.be/en/content/2025/outdated-embedded-web-browsers-create-security-risks
https://apnews.com/article/x-elon-musk-twitter-european-union-regulations-0a135601e050518d5aa0a0155f973177
https://www.reuters.com/technology/eu-sues-several-countries-not-properly-implementing-digital-services-act-2025-05-07/
https://www.theguardian.com/technology/2025/oct/24/instagram-facebook-breach-eu-law-content-flagging
https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Informationen-und-Empfehlungen/Cyber-Sicherheitsempfehlungen/cyber-sicherheitsempfehlungen_node.html
https://www.enisa.europa.eu/topics/certification-and-standards
Hinweis zu den Risiken von Glücksspielen:
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst und nutzen Sie bei Bedarf Hilfsangebote wie die Suchtberatung (Link: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung - Glücksspielsucht).



















