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Pressemitteilung vom 09.01.2026    

Führerscheinreform in Rheinland-Pfalz: Veränderungen und Herausforderungen

Die geplante Reform der Führerscheinprüfung sorgt in Rheinland-Pfalz für Diskussionen. Während die Ausbildung an Fahrschulen immer umfassender wird, gibt es gleichzeitig Bedenken hinsichtlich Manipulationen bei Prüfungen und Unsicherheiten in der Branche.

Führerschein - Theorieprüfung. (Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Mainz. Späterer Start, größere Flexibilität beim Zeitmanagement und mehr technisches Know-how: Die Ausbildung in den rheinland-pfälzischen Fahrschulen verändert sich deutlich. Zur Belastungsprobe werden jedoch zwei Trends: Es gibt vermehrt Manipulationen und Täuschungsversuche bei den theoretischen Führerscheinprüfungen. Zudem sorgt der Vorstoß für eine Reform der Führerscheinprüfung, für geringere Kosten durch abgespeckte Anforderungen sowie digitale Lösungen und für Verunsicherung in der Branche.

In städtischen Regionen sei zu beobachten, dass der Führerscheinerwerb von jungen Erwachsenen mittlerweile häufiger auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird, berichtet Joachim Einig, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Rheinland mit Sitz in Koblenz. Während früher viele junge Menschen mit 18 Jahren den Führerschein erwarben, sei das in den Städten oft erst mit 20 oder 21 Jahren der Fall.

E-Mobilität und Assistenzsysteme im Auto
Auch die Ausbildung habe sich im Vergleich zu vor zehn oder 15 Jahren deutlich verändert. Die Fahrschüler hätten häufig nur begrenzte Zeitfenster für ihre Fahrstunden, erklärt Einig. Zudem seien die Inhalte der Führerscheinausbildung umfangreicher geworden. Moderne Fahrerassistenzsysteme, Elektromobilität, unterschiedliche Fahrzeugkonzepte und neue technische Entwicklungen müssten mittlerweile im Unterricht auch vermittelt werden.

"Unsere Mitgliedsbetriebe agieren heute als moderne Bildungszentren, die weit mehr vermitteln als nur technische Bedienfertigkeiten", ergänzte der Vorsitzende des Fahrlehrerverbands Pfalz, Norbert Wagner. Die Ausbildung müsse heute viel gründlicher und umfangreicher sein als früher. Der Einsatz von modernen Lernplattformen zur Theorie-Vorbereitung, digitalen Systemen zur Lernstandskontrolle und VR-Simulationen gehörte zum Standard.

Der Verbandsvorsitzende Einig wirbt für eine intensive und regelmäßige Ausbildung: "Idealerweise zwei- bis dreimal pro Woche." Das würde sich positiv auf den Lernfortschritt, die Prüfungsquote und letztlich auch auf die Kosten auswirken. Mit Blick auf die angekündigte Reform der Führerscheinprüfung ruft Einig dazu auf, nicht abzuwarten oder eine begonnene Ausbildung zu unterbrechen. Durch verfallende Prüfungs- und Ausbildungsverträge könnten die Kosten sogar steigen. Auch sein Kollege vom Fahrlehrerverband Pfalz tritt beim reinen Kostenargument aufs Bremspedal: "Ein Führerschein darf bezahlbar sein, aber nicht billig auf Kosten der Sicherheit."

Reform der Führerscheinprüfung
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat angekündigt, mit einer Reform die Kosten der Ausbildung zu senken: etwa durch weniger Fragen in der theoretischen Prüfung, ein Ende der Pflicht des Präsenzunterrichts in Fahrschulen, den Einsatz von Fahrsimulatoren sowie weniger verpflichtende Sonderfahrten, etwa nachts oder auf Autobahnen.




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Laut Bundesverkehrsministerium werden für einen Pkw-Führerschein der Klasse B derzeit im Schnitt rund 3.400 Euro fällig. Mit dieser Führerscheinklasse dürfen Autos und kleine Transporter gefahren werden. Das geplante Gesetz zur Umsetzung der Reform soll frühestens Anfang 2027 in Kraft treten.

Verunsicherung in der Branche
Nach der Ankündigung des Bundesverkehrsministers im vergangenen Herbst seien die Anmeldezahlen und laufenden Ausbildungen in vielen Fahrschulen um mehr als 50 Prozent eingebrochen, berichtet Einig. Rund 70 Prozent der Fahrschulen seien davon nach einer Mitgliederumfrage des Verbandes Rheinland betroffen. Fahrlehrer sorgten sich um ihre Arbeitsplätze. Ähnlich äußert sich Wagner für den Fahrlehrerverband Pfalz mit Sitz in Pirmasens.

Sorgen bereitet den Fahrschulen auch, dass Manipulations- und Betrugsversuche gerade bei der theoretischen Führerscheinprüfung zugenommen haben. Vereinzelt würden, neben den gängigen Täuschungen mit Kamera und Ohrstöpseln, auch sogenannte Doppelungsprüfungen festgestellt, bei denen eine andere Person unter falscher Identität zur Prüfung antritt, erklärt Einig.

Fake-Angebote im Internet
Auch der ADAC spricht von mehr Hinweisen auf Betrug. Neben dem von den Fahrschulen geschilderten, klassischen Schummeln werde auch eine erhöhte Aktivität unseriöser Akteure im Netz beobachtet, die einen Führerschein ohne reguläre Ausbildung und Prüfung versprechen. Diese Fake-Angebote verlangten eine Vorkasse und lieferten am Ende weder eine gültige Fahrerlaubnis noch eine Prüfungsteilnahme. Es gebe auch einen illegalen Führerscheintourismus, um deutsche Auflagen nach Entzug der Fahrerlaubnis zu umgehen. Bei Führerscheinübersetzungen oder Umschreibungen tauchten zudem immer wieder gefälschte Dokumente oder beglaubigte Unterlagen auf, die in Wahrheit nicht amtlich sind, erklärt ein Sprecher des ADAC Mittelrhein.

Mehr Betrug registriert
Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums wurden bis Ende Oktober vergangenen Jahres 125 Täuschungsversuche bei Fahrerlaubnisprüfungen registriert. Im gesamten Jahr 2024 lag die Zahl bei 123 Täuschungsversuchen. In der Regel werde dann eine Sperrfrist für die nächste Prüfung von sechs bis maximal neun Monaten angesetzt, teilte das Ministerium auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion mit. Die Prüfer des TÜV Rheinland seien angewiesen, in allen Fällen von Passmissbrauch Strafanzeige zu erstatten, betont Verkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP). Täuschungen mit technischen Hilfsmitteln wie Videokameras und Mikrofonen, um eine Verbindung zu einem Helfer außerhalb des Prüfungsraumes aufzubauen, stellten hingegen in der Regel keine Ordnungswidrigkeit dar. Deshalb könnten auch keine Anzeigen erstattet werden.
(dpa/bearbeitet durch Red)


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