Nicole nörgelt . . . über sinnlose Böllerei und ihre Folgen
Von Nicole
GLOSSE | Von der ursprünglichen Tradition, das Neue Jahr mit Feuerwerk und Fröhlichkeit zu begrüßen, ist leider in den letzten Jahren nicht mehr viel übrig geblieben. Das vorherrschende Bild ist inzwischen geprägt von Angriffen auf Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, brennenden Schuppen, Müllbergen und abgerissenen Gliedmaßen und Verbrennungen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser.
GLOSSE! Von einer zivilisierten Begrüßung des Neuen Jahr kann auf jeden Fall kaum mehr die Rede sein, wenn am Tag des Verkaufsbeginns Leute, die sich sonst über Inflation und teure Lebensmittel beschweren, die Läden stürmen, als gäbe es kein Morgen und Hunderte von Euros für Pyrotechnik bezahlen, ohne auch nur eine Sekunde mit der Wimper zu zucken. Und natürlich kann auch niemand warten, bis es dann der 31. um null Uhr ist, sondern es wird bereits drei Tage vorher munter zu jeder Tages- und Nachtzeit geknallt.
Silvesterraketen sind kein Spielzeug
Pyrotechnik ist kein Kinderspielzeug und es gibt gute Gründe, dass Feuerwerk nur an über Achtzehnjährige verkauft werden darf. Denn auch wenn in diesem Land bei gewissen politischen Gruppierungen die Meinung vorherrscht, dass Jugendliche mit 16 schon wählen sollen, um Teilhabe an der Gesellschaft zu haben, so hat das Gesetz, dass man erst mit 18 Jahren mündig und geschäftsfähig wird, schon seinen Sinn. Denn Feuerwerk mag zwar schön aussehen, birgt aber gleichzeitig bei unsachgemäßem Umgang eine Menge Gefahren, die offensichtlich insbesondere von Jugendlichen und jungen Erwachsenen noch nicht eingeschätzt werden können, und die weitreichende Folgen für alle haben. Denn für die Konsequenzen aus dem unsachgemäßen Umgang muss dann nämlich wieder die Gesellschaft aufkommen.
Puzzlezeit in der Handchirurgie
Für die Ärzte und Pfleger in den Notaufnahmen, der Chirurgie und den Verbrennungsabteilungen (von denen es übrigens in Deutschland nicht mehr viele gibt) geht der Spaß in der Silvesternacht erst richtig los. Abgerissene Finger oder Hände, Verbrennungen, Augenverletzungen, verletzte Einsatzkräfte – die Leute, die an diesen Tagen nicht feiern, sondern arbeiten, brauchen keine Gesellschaftsspiele zu Hause, die dürfen im Krankenhaus echte Menschen zusammenpuzzeln. Und wer kommt für diesen Schaden und auch die Folgekosten auf, die bei amputierten Gliedmaßen, großflächigen Verbrennungen und anderen Verletzungen auch auf lange Sicht immens sind? Richtig, die ganze Gesellschaft mit ihren Beiträgen zu Kranken- und Rentenkassen. Während gleichzeitig über den Kollaps unserer Sozialsysteme und höhere Beiträge für die arbeitende Bevölkerung diskutiert wird, darf munter weiter geböllert und wirtschaftlicher Schaden angerichtet werden.
Abgebrannte Gebäude und weitere Schäden
Aber es reicht ja offensichtlich nicht aus, sich selbst und anderen Lebewesen Schaden zuzufügen, nein, dazu kommen dann abgebrannte Dachstühle und Scheunen, Schäden an abgestellten Autos und in Gärten. Und auch hierfür kommen die Verursacher natürlich nicht auf, weil sie bis auf wenige Ausnahmen nie gefunden werden. Auf diesen Schäden bleiben dann die Hausbesitzer, beziehungsweise – falls entsprechend vorhanden – deren Versicherungen sitzen, die das natürlich auch wieder mit Erhöhungen an alle weitergeben.
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Müllberge und Tierschutz
Damit ist es dann aber immer noch nicht genug, denn die Müllberge, die bei den Böllerorgien entstehen, bleiben auf den Straßen, in den Gärten und Dachrinnen von Hausbesitzern und auf Wiesen und an Waldrändern natürlich liegen. Denn nach der Knallerei muss man ja schnell wieder ins Warme, um weiter zu feiern und zu trinken. Um den hinterlassenen Müll können sich ja die von der Straßenreinigung und den Gemeinden kümmern, die statt zu feiern am Neujahrstag um sechs Uhr ihren Dienst antreten und den Müll der anderen wegräumen dürfen – was übrigens von den Böllerfreaks als völlig selbstverständlich hingenommen wird. Ebenso die verängstigten Haus- und Wildtiere. Wildtiere, die noch Tage und Wochen später orientierungslos durch die Gegend irren oder Tiere, die durch das Geknalle zu früh aus dem Winterschlaf erweckt werden und dann elendiglich verhungern und erfrieren. Da schreien die Vegetarier und Veganer in den Medien nach Tierschutz und Tierwohl, aber Raketen in die Luft schießen und die Luft verpesten geht in Ordnung. Da werden die bösen Autofahrer, die mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen, verteufelt, aber massenweise Feinstaub mit Raketen in die Luft blasen, ist natürlich auch kein Problem.
Zeit für konsequentes Handeln
Es wird Zeit für ein Böllerverbot und es wird auch Zeit dafür, dass alle, die die Menschen, die an den Feiertagen Dienst tun, angreifen, konsequent und hart bestraft werden. Und wer als Jugendlicher Raketen auf Einsatzkräfte abschießt und sich dann darauf beruft, dass er ja noch nicht volljährig ist und deswegen für ihn das Jugendstrafrecht Anwendung finden soll, der hat wohl im wahrsten Sinne des Wortes den Knall nicht gehört.
In diesem Sinne, liebe Politiker, beweisen Sie endlich einmal Courage und erlassen Sie das überfällige Böllerverbot. Und liebe Leute, wenn ihr euch Gliedmaßen wegsprengen wollt, dann tragt auch selbst die Konsequenzen – und zwar vollständig. Es kann nicht sein, dass die Gesellschaft hohe Krankenhauskosten und lebenslange Renten für Leute tragen muss, die ihre Gesundheit mutwillig und aus reinem Übermut aufs Spiel setzen, nur weil sie wissen, dass ja die Krankenkassen für alles aufkommen.
Ihre Nicole
Definition einer Glosse
Als Glosse wird ein kurzer journalistischer Text bezeichnet, in dem sich der Autor mit aktuellen Nachrichten auf satirische Art und Weise auseinandersetzt. Die Themen einer Glosse können sowohl gesellschaftlich wichtig als auch witzig oder kurios sein.
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Nicole nörgelt
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