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Pressemitteilung vom 20.11.2025    

Ungewisse Zukunft des Sozialkaufhauses Montabaur

Die geplante Schließung des Sozialkaufhauses in Montabaur zum Jahresende 2025 sorgt für Besorgnis. Eine Änderung der Förderbedingungen stellt die Existenz der Einrichtung infrage. Bei einem Krisengespräch wurde deutlich, wie wichtig das Kaufhaus für die Region ist.

Langsam lichtet sich der Nebel im Sozialkaufhaus Montabaur und es wird klarer, wohin die Reise geht. (Foto: Sascha Ditscher)

Montabaur. Im Sozialkaufhaus Montabaur kamen 32 Teilnehmende zu einem offenen Krisengespräch zusammen. Die drohende Schließung der Einrichtung Ende 2025 aufgrund geänderter Förderbedingungen der Arbeitsverwaltung stieß auf Unverständnis. Andrea Leineweber, langjährige Leiterin des Kaufhauses, begrüßte die Gäste und führte durch die Räumlichkeiten.

Sozialkaufhaus als multikultureller Treffpunkt
Uli Schmidt, Unterstützer und Moderator des Abends, warnte vor einem "sozialen Kahlschlag" im Westerwald, sollten nicht Maßnahmen ergriffen werden. Auch andere soziale Projekte kämpfen um ihr Überleben. Stephan Reckmann von der SoRocket GmbH aus Koblenz hob die Erfolge des Kaufhauses hervor: "Wir gewöhnen hier Bürgergeldempfänger erfolgreich an Arbeit und konnten für viele eine bleibende Perspektive erarbeiten." Die Vermittlungsergebnisse seien bundesweit herausragend.

Andrea Leineweber betonte die soziale Funktion des Hauses: "Hier können sich bedürftige Menschen günstig mit dem Notwendigsten versorgen, und es ist zu einem festen Bestandteil des sozialen Lebens geworden." Ein Kollege ergänzte, dass das Kaufhaus als multikultureller Treffpunkt dient.

Die Veranstaltung spiegelte gemischte Gefühle wider. Dr. Tanja Machalet berichtete über ihre Kontakte zu Entscheidungsträgern, während das Fehlen weiterer politischer Repräsentanten auffiel. Stadtbürgermeisterin Melanie Leicher war aus dringenden Verpflichtungen abwesend. Eine ältere Teilnehmerin äußerte Enttäuschung über das geringe politische Interesse: "Das interessiert doch außer uns hier fast niemand, ob so ein Erfolgsmodell weiterläuft oder schließen muss."



Kann es weitergehen?
Ein pädagogischer Mitarbeiter wies darauf hin, dass täglich etwa 50 Kunden das Kaufhaus besuchen. Der Wunsch nach einem Treffpunkt wie dem früheren "Inklusionscafé Vogelhaus" wurde laut. Die Zukunft des Kaufhauses ist ungewiss, da sich die Zuweisungen von Teilnehmenden geändert haben. Ein Mitarbeiter erklärte: "Bisher wurden die Teilnehmenden verpflichtend über das Jobcenter und die Arbeitsagentur zugewiesen, jetzt mit freiwilligen Bildungsgutscheinen ausgestattet, sodass sie nur vereinzelt den Weg in das Kaufhausprojekt finden."

Der Verein "Wäller Helfen" hat Interesse an einer Fortführung des Projekts ab dem 1. Januar 2026 signalisiert. Björn Flick, Vorsitzender des Vereins, betonte: "Über ein breites freiwilliges Engagement können wir uns als Verein vorstellen, die wichtigen Funktionen Warenverkauf und Treffpunkt fortzuführen." Dafür sei jedoch die Unterstützung von mindestens einem Dutzend Freiwilliger notwendig. Interessierte können sich an den Verein unter info@waellerhelfen.de oder im Sozialkaufhaus unter info@sozialkaufhaus-montabaur.de wenden.

Der Moderator dankte allen Beteiligten und stellte klar: "Es gibt jetzt nur zwei Wege: Entweder gelangt die Arbeitsverwaltung ganz kurzfristig zu anderen Einsichten, sonst besteht die begründete Hoffnung, dass Wäller Helfen schnell genug Freiwillige findet, um das Haus in etwas geänderter Form ab 1.1.2026 weiterzuführen." (PM/Red)


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