Früher Aufbruch: Störche in Rheinland-Pfalz ziehen zeitiger gen Süden
Die Trockenheit und Futterknappheit haben dazu geführt, dass die Störche in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr früher als gewöhnlich ihre Reise in die Winterquartiere angetreten haben. Auffällig ist dabei der frühere Abflug vieler Altstörche.

Rheinland-Pfalz. Der Herbstzug der Störche hat in Rheinland-Pfalz dieses Jahr früh begonnen. Nach Angaben des Storchenzentrums in Bornheim sind bereits rund 85 Prozent der Tiere auf dem Weg in ihre Winterquartiere. Während die Jungstörche wie üblich ab Ende Juli starteten, verließen viele Altstörche ihre Brutgebiete bereits bis zu zwei Wochen früher als sonst. Jessica Lehmann, Leiterin des Storchenzentrums, nennt die anhaltende Trockenheit der letzten Wochen als Hauptursache für die verschlechterte Nahrungssituation. "Störche reagieren flexibel auf Umweltbedingungen - bei Futterknappheit entscheiden sie sich häufig für einen frühen Abflug, statt auf bessere Bedingungen zu warten."
Schwierige Rahmenbedingungen
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen verlief die Brutsaison etwas erfolgreicher als im Vorjahr. "2024 hatte wegen starker Regenfälle das schlechteste Storchenjahr seit der Wiederansiedlung 1997 markiert", so Lehmann. Allerdings führten Schimmelpilze in feuchten Nestern auch in diesem Jahr zu zahlreichen Todesfällen bei Jungstörchen, da die Sporen über Atemluft oder Futter aufgenommen werden und vor allem die Lunge befallen - meist mit tödlichem Ausgang für kleinere Jungvögel.
Zu Beginn der Saison war die Nahrungssituation noch gut, und in vielen Nestern wurden mehrere Jungtiere beobachtet. Doch mit zunehmender Trockenheit wurde das Futter rar, sodass viele Altstörche auf bewässerte Agrarflächen oder Deponien auswichen. "Dabei stieg auch die Zahl jener Tiere, die an Plastik verendeten. In Pflegestationen wurden wieder mehr Fälle registriert."
Geografische Verschiebung
Durchschnittlich fliegen pro Nest zwei Jungtiere aus, doch diese Quote dürfte in diesem Jahr nicht erreicht werden. Die Überlebensrate bleibt niedrig: Etwa 70 Prozent der Jungstörche sterben im ersten Jahr. Nur rund sieben bis neun Prozent erreichen ein Alter, in dem sie selbst brüten können. Umso wichtiger sei die Beobachtung der Population - auch durch Meldungen von Bürgern, betont das Storchenzentrum.
Interessant ist derzeit eine geografische Verschiebung: "Während sich in etablierten Koloniegebieten wie der Pfalz Rückgänge zeigen, nehmen die Bestände in der Eifel, im Hunsrück und der Westpfalz zu", erklärt Lehmann. Sogar im schwer anzufliegenden Pfälzerwald würden Störche inzwischen regelmäßig gesichtet - vor allem bei der Futtersuche.
(dpa/bearbeitet durch Red)
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