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Nachricht vom 15.07.2025    

Vier Jahre nach der Flut: Das Ahrtal bleibt verwundet

Auch vier Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal sind die Erinnerungen an das Ereignis bei vielen Menschen noch lebendig. Beim Gedenken kommen sie zusammen, um sich gegenseitig Trost zu spenden und die seelischen Wunden zu heilen.

Vierter Jahrestag der tödlichen Flutkatastrophe im Ahrtal. Foto: Mona Wenisch/dpa

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Für viele Menschen im Ahrtal sind es der Regen, der Geruch nach Schlamm und Öl oder bestimmte Orte in der Stadt, die die Erinnerungen an die Flutkatastrophe wachrufen. "Es kommt immer wieder hoch", sagt Gerlinde Schüller am vierten Jahrestag der Flut im Quartierstreff der Awo. Bei der Katastrophe kamen allein im Ahrtal 135 Menschen ums Leben. Schüller erinnert sich an Geschichten von anderen Betroffenen, darunter eine Frau, die tote Menschen vorbeischwimmen sah, und eine andere, deren Mutter ertrank. "Ich find's dramatisch", sagt sie. "Es berührt mich unglaublich." An diesem Tag zieht immer wieder Regen über Bad Neuenahr-Ahrweiler, doch Schüller stört das nicht. "Ich höre dann nur von anderen: Da kommt wieder was hoch", erklärt die 67-Jährige. Im Quartierstreff treffen sich viele Menschen, um gemeinsam zu gedenken und sich auszutauschen.

Inge Stelzenmüller, seit mehr als 20 Jahren Bewohnerin von Bad Neuenahr-Ahrweiler, erzählt von ihrer Erfahrung in der Flutnacht. "Ich habe die Flutnacht erlebt", berichtet sie, sicher in der dritten Etage ihres Hauses. Doch kurz zuvor war sie noch in der Tiefgarage gewesen, um etwas aus ihrem Auto zu holen. "Wäre ich fünf Minuten später gewesen, dann wäre ich ertrunken."

Ministerpräsident Alexander Schweitzer besuchte den Treffpunkt am Jahrestag und sprach mit den Anwesenden. "Es ist erneut ein Jahrestag dieser furchtbaren Flutkatastrophe, die sich wie eine Narbe in die neuere Geschichte des gesamten Landes eingeprägt hat", sagte er. Er lobte die neuen Orte der Begegnung, die geschaffen wurden.



Die Flut hinterließ tiefe Spuren in der Region, wie die Kreisverwaltung Ahrweiler betont: "Die Flut vom 14. auf den 15. Juli 2021 hat tiefe Spuren hinterlassen - in der Landschaft, in den Orten, in den Herzen der Menschen." Der Jahrestag sei Anlass, an die Opfer und Betroffenen zu denken und den Mut und die Stärke der Menschen im Ahrtal zu würdigen.

Bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Kurpark kamen die Menschen zusammen. Bürgermeister Guido Orthen (CDU) erklärte: "Dieses Tal ist immer noch verletzt und verwundet." Der Wiederaufbau sei noch lange nicht abgeschlossen, aber der gemeinsame Rückblick und das Teilen von Hoffnung seien wichtig.

Ruth Adenäuer aus Ahrweiler erinnert sich an die Flutnacht: "Schlimm", sagt sie. Sie und ihr Mann mussten auf die zweite Etage flüchten. Erst am nächsten Morgen wurden sie von der Bundeswehr und Feuerwehr evakuiert. "Da hab ich gedacht, ich bin im Krieg", beschreibt sie ihre Eindrücke. Das Wasser stand im Erdgeschoss ihres Hauses 1,80 Meter hoch. "Wir kommen immer wieder", sagt sie zum Gedenken. Es helfe, mit anderen zusammen zu sein, die Ähnliches erlebt haben. "Es macht Fortschritte, mit dem Verarbeiten." (dpa/bearbeitet durch Red)


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