Werbung

Pressemitteilung vom 18.04.2025    

Autowaschverbot an Sonn- und Feiertagen: Wefelscheid fordert Reform

In Rheinland-Pfalz bleibt das Autowaschen an Sonn- und Feiertagen verboten. Trotz gesellschaftlicher Veränderungen hält die Landesregierung an dieser Regelung fest. Der Koblenzer Landtagsabgeordnete Stephan Wefelscheid kritisiert diese Haltung scharf.

Foto: Dennis Ekermann

Mainz. Das Verbot, an Sonn- und Feiertagen sein Auto zu waschen, ist schon seit jeher immer wieder Streitpunkt gewesen. Und obwohl sich die Zeiten und unsere Gesellschaft grundlegend geändert haben, hält die rheinland-pfälzische Landesregierung eisern daran fest.

Das zeigt die Antwort auf eine Kleine Anfrage des Koblenzer Landtagsabgeordneten Stephan Wefelscheid. Dort heißt es: "Sonn- und Feiertage genießen nach Artikel 140 Grundgesetz i.V.m. 139 Weimarer Reichsverfassung als Tage der religiösen Erbauung, der seelischen Erhebung und der Arbeitsruhe ausdrücklich verfassungsrechtlichen Schutz. (…) An diesen Tagen soll das öffentliche Leben, soweit möglich, seiner werktäglichen Elemente entkleidet und ihre Begehung als "Nicht-Werktage" ermöglicht werden." Und auch nach Landesrecht seien "an Sonn- und Feiertagen alle öffentlich bemerkbaren Tätigkeiten verboten, die die äußere Ruhe beeinträchtigen oder dem Wesen des Sonn- und Feiertages widersprechen."

Für Wefelscheid hört sich das wie eine Predigt aus dem Mittelalter an: "Allein die Sprache zeigt, dass diese Regelungen völlig aus der Zeit gefallen sind. Wir sind nicht mehr im Mittelalter, wo Kirche und Adel zusammenwirkten, um die Bevölkerung ihrem gestrengen Regiment zu unterwerfen. Auf einem niederbayerischen CSU-Parteitag mag das noch gefallen, bei aufgeklärten modernen Menschen trifft dies aber überwiegend auf Unverständnis."

Debatte um Autowaschverbot an Sonn- und Feiertagen
Zudem befinden sich die meisten Waschanlagen eher abseits von Wohnbebauung, vielerorts seien diese auch schon auf Selbstbedienung ausgelegt. "Mir will sich nicht erschließen, inwieweit eine Selbstbedienungs-Waschanlage in einem Industriegebiet dazu geeignet sein soll, die äußere Ruhe zu beeinträchtigen. Und ob diese Tätigkeit des Autowaschens nun schädlich für das eigene Empfinden der Sonn- und Feiertagsruhe ist, sollte jeder mündige Bürger für sich entscheiden können. In einer Gesellschaft, in der zunehmend beide Partner arbeiten müssen und schon kaum mehr Zeit für den Wocheneinkauf, Friseurtermine oder dergleichen bleibt, sind solche Gängelungen nicht zeitgemäß, sondern Relikt einer Zeit vor der Säkularisierung. Immerhin bezieht sich die Antwort der Landesregierung ja sogar auf die Weimarer Reichsverfassung, die vor über hundert Jahren verfasst wurde."



Daher sei ein Umdenken dringend erforderlich: "Auch andere Bundesländer haben das Autowaschverbot an Sonn- und Feiertagen schon längst aufgehoben, am Bundesrecht scheitert es also nicht. Die Landesregierung ist jetzt aufgefordert, dieses Verbot angesichts der Entwicklung unserer Gesellschaft auch durch die Corona-Jahre nochmals zu evaluieren und die Debatte zu eröffnen, ob es wirklich noch zeitgemäß ist. Sich auf Gesetzestexte von vor über hundert Jahren zurückzuziehen oder an etwas festzuhalten, nur weil es eben so geschrieben steht, überzeugt mich nicht und passt auch nicht mehr in unsere Zeit." (PM/Red)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

WW-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Politik


Zukunft der regionalen Infrastruktur: Herausforderungen und Fortschritte im Bahnverkehr

Die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Bätzing-Lichtenthäler traf sich mit Ismail Ertug, dem neuen Konzernbevollmächtigten ...

Die Linke nominiert Line Bratenstein einstimmig zur Landratskandidatin

Die Linke im Westerwald hat ihre Kandidatin für die Landratswahl bestimmt. Bei der Mitgliederversammlung ...

Landesförderung für Moderationen zur Dorfentwicklung in drei Wäller Gemeinden

Drei Gemeinden im Westerwald, Freilingen, Linden und Großseifen, erhalten Unterstützung für ihre Dorfmoderationen ...

Ministerpräsidenten überwiegend positiv zu Rentenvorschlägen

Die Vorschläge der Rentenkommission stoßen bei den Ministerpräsidenten auf mehrheitliche Zustimmung, ...

FDP Westerwald verzichtet auf Kandidatur bei Landratswahl

Der FDP-Kreisverband Westerwald hat beschlossen, keinen eigenen Kandidaten für die anstehende Landratswahl ...

Pharma-Investitionen in Rheinland-Pfalz auf dem Prüfstand

Die jüngsten Entscheidungen führender Pharmaunternehmen werfen Fragen zur Zukunft des Pharmastandorts ...

Weitere Artikel


Buchtipp: "Überleben in der Knalltüten-Gesellschaft" von Mathias Scheben

Der Untertitel "Der diskrete Charme der Contenance" verrät die probate Lösung für die meisten der vielfältigen ...

Wechselhaftes Osterwetter in Rheinland-Pfalz: Regen, Wolken und frühlingshafte Temperaturen

Das Osterwochenende bringt den Menschen in Rheinland-Pfalz eine Mischung aus Wolken, Regen und milden ...

Bischof Kohlgraf über Kirchenaustritte: "Fäden werden dünner"

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf äußert sich in einem Interview zu den Gründen für die zunehmenden ...

Wäller Helfen stärkt Strukturen mit hauptamtlicher Geschäftsführung

Das Nachbarschaftshilfe-Netzwerk "Wäller Helfen", das sich weit über die Kreisgrenzen des Westerwalds ...

Eitelborn: Telefonbetrüger geben sich als Polizisten aus

In Eitelborn häufen sich derzeit Anrufe von falschen Polizeibeamten. Die Täter versuchen, durch geschickte ...

Westerwälder Holztage 2025 - Ein Erlebnis für die ganze Familie

Die 6. Westerwälder Holztage stehen in den Startlöchern - und sie versprechen ein Event der Superlative ...

Werbung