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Pressemitteilung vom 29.03.2025    

Bad Marienberg: Forum Westerwald diskutiert Zukunft der Innenstädte

Wie können Innenstädte wieder lebendig, attraktiv und zukunftsfähig gestaltet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Forums Westerwald am 27. März 2025 im Europahaus in Bad Marienberg. Die Veranstaltung wurde von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) organisiert und brachte rund 40 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft zusammen.

Landtagspräsident Hendrik Hering bei der Eröffnung des Forum Westerwald (im Hintergrund die online zugeschalteten Referentinnen) (alle Fotos: FES)

Bad Marienberg. Ellen Diehl, Leiterin des Regionalbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung für Rheinland-Pfalz und das Saarland, begrüßte die Gäste und hob die gesellschaftliche Relevanz der Diskussion hervor. In seiner Einführung schilderte Landtagspräsident Hendrik Hering die historische Entwicklung von Innenstädten. Er zeigte auf, wie sich deren Funktion von Marktplätzen über Handelszentren bis hin zu Orten des sozialen Lebens wandelte. Heute stünden viele Kommunen vor großen Herausforderungen: Leerstand, sinkende Besucherzahlen, verändertes Kaufverhalten und fehlende Aufenthaltsqualität. Der Ruf nach neuen Ideen und Konzepten sei daher lauter denn je.

Impulse aus Österreich: Kreativität gegen Leerstand
Einen internationalen Impuls lieferte Inga Horny, Geschäftsführerin von Klagenfurt Marketing. Sie berichtete aus ihrer Arbeit in der österreichischen Stadt und sprach über die Gründe für zunehmenden Leerstand. Ein Hauptproblem sei die verspätete Weitergabe von Ladenlokalen an die nächste Generation. Zudem seien viele Gebäude über Jahrzehnte hinweg baulich vernachlässigt worden, was die Umnutzung – etwa in Wohnungen – aufwendig und teuer mache.

Horny betonte die Chancen, die in der Wiederbelebung durch kreative Nutzungsformen liegen. Handwerksbetriebe, Start-ups, Werkstätten und Co-Working-Spaces könnten wieder neues Leben in Innenstädte bringen. Zentral sei, dass Stadtentwicklung nicht zentralistisch geplant werde, sondern als Quartiersentwicklung mit Raum für individuelle Lösungen gedacht werde. Innenstädte müssten wieder Orte für Menschen werden – lebendig, wandelbar und vielfältig nutzbar.

Erfolgsbeispiel aus Lünen: Wohnen trifft Handel
Ein konkretes Praxisbeispiel aus Nordrhein-Westfalen präsentierten Martina Förster-Teutenberg, stellvertretende Bürgermeisterin von Lünen, und Astrid Linn, Fachbereichsleiterin "Innovative Stadt". Sie stellten den Umbau des ehemaligen Hertie-Kaufhauses vor. In dem Gebäude wurden die oberen Etagen zu modernen Wohnflächen umgestaltet, während das Erdgeschoss weiterhin für den Einzelhandel genutzt wird.



Diese Mischnutzung sorge für eine nachhaltige Belebung der Innenstadt. Ergänzt werde das Konzept durch Stadtfeste, Aktionstage und Begegnungsformate, die zusätzliche Besuchsanlässe schaffen. Die Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Erleben stelle einen zentralen Erfolgsfaktor dar.

Projekt ALWIN in Wittlich: Aktives Leerstandsmanagement
Ein weiteres inspirierendes Beispiel kam aus Wittlich in Rheinland-Pfalz. Antonia Gierten vom Stadtmarketing stellte das Projekt „ALWIN – Aktives Leerstandsmanagement Wittlicher Innenstadt“ vor. Seit seiner Gründung im Oktober 2016 verfolgt ALWIN das Ziel, leerstehende Immobilien wieder nutzbar zu machen und die Attraktivität der Innenstadt zu steigern.

Kern des Projekts ist eine systematische Erfassung leerer Gebäude, die Zusammenarbeit mit Eigentümern, die Förderung kleiner Unternehmen sowie die Nutzung von Fördermitteln für Umbauten und Modernisierungen. Auch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und die Bewerbung leerer Ladenlokale spielen eine zentrale Rolle. Das Projekt zeigt, wie strukturiertes Management und regionale Netzwerke zur erfolgreichen Innenstadtentwicklung beitragen können.

Diskussion mit Blick auf den Westerwald
Im Rahmen der abschließenden Fishbowl-Diskussion konnten sich auch die Gäste des Forums aktiv einbringen. Vertreter lokaler Initiativen und Kommunen diskutierten, wie sich die gezeigten Ansätze auf kleinere Städte und Verbandsgemeinden wie Bad Marienberg übertragen lassen. Besonderes Interesse galt der Frage, ob und wie Stadtmarketing auch in ehrenamtlich geführten Gemeinden aufgebaut werden kann.

Der Austausch machte deutlich, dass innovative Konzepte keine Frage der Größe sind. Vielmehr gehe es darum, lokal passende Lösungen zu finden und Mut zu zeigen, neue Wege zu gehen. Die Erfahrungen aus Lünen und Wittlich liefern dafür wertvolle Impulse.

Das Forum endete mit einer motivierenden Botschaft: Stadtentwicklung ist ein Prozess – Experimente sind erlaubt, Erfahrungen sind wertvoll. Und: Scheitern bedeutet nicht Stillstand, sondern die Chance auf Neues. (PM/Red)


Lokales: Bad Marienberg & Umgebung
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