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Nachricht vom 18.03.2025    

Krankenhaus Kirchen: Kreis macht Millionen für den Fortbestand locker

Der Fortbestand des Krankenhauses in Kirchen scheint möglich. Der Kreis Altenkirchen wird sich finanziell am Betrieb beteiligen, um das Hospital am Leben zu erhalten. Er beschreitet also denselben Weg wie die Landkreise Alzey-Worms und Westerwald, die ebenfalls für die Zukunft der Hospitäler in Alzey bzw. Hachenburg Geld locker machen.

Das Krankenhaus in Kirchen ist auf dem besten Weg in eine sichere Zukunft. (Foto: Archiv AK-Kurier)

Kreis Altenkirchen. Wenn der Landrat des Kreises Altenkirchen Dr. Peter Enders alsbald mit dem Insolvenzverwalter Dr. Rainer Eckert (Eckert Rechtsanwälte/Hauptsitz Hannover) und der Diakonie in Südwestfalen speziell über die Zukunft des ehemaligen DRK-Krankenhauses in Kirchen verhandelt, wird er das nicht mit leeren Händen tun: Der Kreistag erteilte in seiner Sitzung am späten Montagnachmittag (17. März) nicht nur eine entsprechende Legitimation, sondern beschloss auch einstimmig eine millionenschwere Unterstützung für den potenziellen neuen Träger aus dem Nachbarbundesland. Konkret geht es um eine Verlustübernahmevereinbarung für die Monate März bis Mai 2025, eine Anschubfinanzierung vom 1. Juni 2025 an sowie einen laufenden Zuschuss bis zum 31. Dezember 2026. Allein für dieses Jahr wurde die Verwaltung ermächtigt, bis zu zehn Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, weitere 5,76 Millionen Euro sind für 2026 eingeplant. Grundlage sei die Bewertung des Landes, den Standort Kirchen (im Gegensatz zum Medizinischen Versorgungszentrum in Altenkirchen abseits der Kinder- und Jugendpsychiatrie) als versorgungsrelevant einzustufen. Folglich sei der Kreis, dem per Gesetz die Sicherstellung der stationären, ärztlichen Versorgung obliegt, für diesen Standort in der Pflicht. „Ich bin sehr dankbar, dass sich mit der Diakonie in Südwestfalen überhaupt ein Interessent gefunden hat. Wenn wir das selbst übernehmen müssten, würde uns das mindestens das Gleiche kosten, vermutlich aber ein Vielfaches mehr“, betonte Enders. Zugleich hielt er fest, dass der Kreis mit diesem Vorgehen „just in time“ sei. Soll heißen: „Auch mit einem eigenen indikativen Angebot, wie von manchen gefordert, wären wir vorab keinen Schritt weitergekommen.“

„Im Sinne der Mitarbeiter und Patienten“
Die angedachte Lösung wäre für den Landrat ganz „im Sinne der Mitarbeiter und
der Patienten“. Denn für den Betrieb eines Krankenhauses fehlten dem Kreis sämtliche Strukturen. In diesem Zusammenhang berichtete Enders auch von positiven Signalen der Diakonie in Richtung Krankenpflegeschule in Kirchen. Für Kreis-Justitiar Norbert Schmauck geht es darum, einen neuen Träger in einer schwierigen Anfangsphase zu unterstützen, bis sich das Krankenhaus wieder selbst trägt: „Wir hoffen, dass das Ende 2026 der Fall ist.“ Denn die neu zu gründende Gesellschaft würde zunächst keinerlei Kapital besitzen, um die laufenden Ausgaben zu stemmen. Zur Finanzierung will der Kreis Liquiditätskredite einsetzen. Enders und Schmauck stellten aber auch klar, dass für den Weiterbetrieb in Kirchen Investitionen notwendig sind - und hier sei eindeutig das Land gefordert. Noch in dieser Woche sollen Gespräche fortgesetzt werden.

Was die Diakonie in Südwestfalen ist
Die Diakonie in Südwestfalen bildet laut eigener Homepage das größte Gesundheits- und Sozialnetzwerk in der Region – und ist von der Geburt bis zum Lebensende für kranke, hilfe- und pflegebedürftige Menschen da. „Mit 4000 Mitarbeitern engagiert sich das Unternehmen als bedeutender Arbeitgeber in rund 120 Einrichtungen an mehr als 40 Standorten. Jährlich werden hier 100 000 Menschen behandelt, gepflegt und betreut. Als professioneller Dienstgeber verbindet die Diakonie in Südwestfalen zahlreiche Diagnose-, Therapie-, Reha- und Pflegeeinheiten. Darunter Krankenhäuser, Medizinische Versorgungszentren, Seniorenheime, ambulante Pflegedienste nebst Mahlzeitendienst, eine Kindertagesstätte, ambulante Rehazentren, Wohnheime für Menschen mit Behinderung, Hilfen für wohnungslose Menschen, ein Hospiz, verschiedene Beratungsstellen und ein eigenes Pflegebildungszentrum. Für die Arbeit der Diakonie in Südwestfalen gibt es ein starkes Fundament: Als evangelische Einrichtung ist das Unternehmen fest in einem christlichen Weltbild verankert. Unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer Religion erhalten Menschen in den unterschiedlichsten Situationen hier Hilfe und Halt. Und dabei steht immer die Würde des Menschen im Mittelpunkt. Hinter dem Unternehmen stehen zwei kirchliche Eigentümer: zum einen das Diakonische Werk im evangelischen Kirchenkreis Siegen, zum anderen der evangelische Kirchenkreis Siegen“, heißt es weiter.




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Ein Blick zurück
Das Drama um die Krankenhäuser in Altenkirchen, Hachenburg, Kirchen, Neuwied und Alzey unter dem Dach der DRK gemeinnützige Krankenhausgesellschaft mbH Rheinland-Pfalz hatte im August 2023 mit deren erster Insolvenz begonnen, die in Eigenverantwortung beendet wurde. Im Dezember 2024 stellte die gGmbH den (zweiten) Antrag auf Durchführung eines Regelinsolvenzverfahrens, seit 1. März greifen nach den für ein vorläufiges die Vorschriften für das eigentliche Insolvenzverfahren, das Insolvenzverwalter Dr. Rainer Eckert betreut. Gleiches gilt für die DRK gemeinnützige Gesundheitsbetriebsgesellschaft Südwest mbH, die für die Medizinischen Versorgungszentren (auch Altenkirchen) verantwortlich war. Im Februar waren zudem die Muttergesellschaft, die DRK gemeinnützige Trägergesellschaft Süd-West mbH, zusammen mit den Tochtergesellschaften DRK gemeinnützige Gesellschaft für Geriatrie und Rehabilitation mbH und DRK Klinikgesellschaft Südwest mbH ebenfalls jeweils den Schritt in das Verfahren gegangen. Für diese Gesellschaften sollen bis zur Verfahrenseröffnung Anfang Mai die maßgeblichen Wegrichtungen für Fortführungen unter neuen Trägermodellen feststehen. Aufgrund der gesamten Turbulenzen um die Hospitäler zog sich der DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz aus dem Betrieb von Krankenhäusern komplett zurück. Die Marien-Gruppe wird die ehemalige DRK-Klinik in Neuwied zum 1. April übernehmen. Der Plan für den Standort Alzey sieht eine komplette Rekommunalisierung vor. (vh)


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