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Nachricht vom 16.11.2024    

Komödie "Der Vorname" im Schlosstheater: Diskussion entlarvt Vorurteile

Von Helmi Tischler-Venter

In dem Stück "Der Vorname" von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière gerät ein gemütliches Familientreffen aus dem Ruder, weil Vincent den Freunden und Verwandten verrät, dass sein noch ungeborener Sohn den Namen Adolf erhalten soll. Die folgende Diskussion dreht sich nicht nur um politische Bedenken, sondern entlarvt bisher verdeckte Anschauungen. Die Folge sind lustige Streitgespräche mit tiefgründigen Aussagen und körperlichem Angriff.

Fotos: Helmi Tischler-Venter

Neuwied. Intendant René Heinersdorff verriet vor dem Start der Premiere am 15. November, dass er das Stück koproduziert habe mit Bad Hersfeld in der Absicht, die Probenzeit zu verkürzen. Dann sprangen aus Termingründen jedoch drei der fünf Hauptdarsteller ab, es mussten Umbesetzungen vorgenommen werden und Chaos entstand. Trotzdem verkörperten Timothy Peach als Peer, Pascal Breuer als Vincent, Sebastian Goder als Claus, Madeleine Niesche als Elisabeth und Felicitas Hadzik als Anna ihre Rollen überzeugend auf der Bühne.

Den Beginn der Aufführung kennt man aus jeder Ehe: Peer sucht seine Kellerschlüssel und beschuldigt seine Frau: "Elisabeth hat mal wieder die Kellerschlüssel verschlampt." Elisabeths Bruder Vincent, der sarkastische Spaßvogel der Familie, macht zunächst aus dem Namen seines Stammhalters ein Ratespiel. Sein Hinweis, der Name beginne mit einem A, führt besonders bei Peer und Freund Claus zu kreativen Wortschöpfungen. Mit der Begründung, der Roman "Adolphe und Elléonore" sei Annas und sein Lieblingsbuch, begründet Vincent die Namenswahl. Ob mit "f" oder "ph" am Ende sei für die Mitmenschen unerheblich, argumentiert die geschockte Familie.

Vincent besteht auf der Namensgebung als private Entscheidung. Er wolle mit dem Namen ein Statement abgeben. Doch Peer meint, ein privater Akt werde zu einem politischen Akt, führe vielleicht sogar ins Gefängnis.




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Als Vincents schwangere Frau Anna verspätet eintrifft, geht diese von falschen Voraussetzungen aus und die Diskussion driftet in persönliche Beleidigungen ab. Vincent findet Athena und Adolas, die Namen von Peers Kindern, lächerlich. Kindheitserinnerungen führen zu Anklagen unter Freunden: "Er hat mir einen Mord gestohlen!" und Ressentiments unter Geschwistern: "Der lustige Sonnyboy durfte alles und musste nichts tun, das konnte die tapsige Schwester erledigen."

Die gegenseitigen heimlichen Spitznamen kommen aufs Tapet: Egoist, Geizkragen und Schwuppe. Sein Spitzname bewegt Claus zu einem Outing. Als dann noch Elisabeths und Vincents Mutter ins Spiel kommt, eskaliert die Auseinandersetzung in eine Schlägerei zwischen Männern.

Elisabeth rechnet auch mit ihrem Mann ab, denn der scheinbar progressive Professor Peer lebt in konservativen Geschlechterrollen auf Kosten seiner Ehefrau.

"Der Vorname" erfährt mehrere unerwartete Wendungen, die das Theaterstück sehenswert machen. Es läuft noch bis Sonntag, 1. Dezember auf der Bühne des Schlosstheaters Neuwied. Informationen und Tickets gibt es auf der Homepage. htv


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