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Nachricht vom 21.06.2024    

Kampf gegen "Krankenhauskeime": Zertifikatsverleihung MRE-Qualitätssiegel an Pflegeeinrichtungen

Von Wolfgang Rabsch

Mehrere Pflegeeinrichtungen des Westerwaldkreises und des Kreises Altenkirchen haben die Auflagen des MRE-Netzwerkes, zur Bekämpfung der multiresistenten Erreger, erfüllt und erhielten am Donnerstag, 20. Juni, das Zertifikat.

MRE-Netzwerk Zertifikate für Pflegeeinrichtungen im Westerwaldkreis und Kreis Altenkirchen (Fotos: Wolfgang Rabsch)

Montabaur. Mit der Abkürzung MRE werden die wenigsten Menschen wissen, welche Bedeutung hinter dieser Abkürzung steht. MRE werden "multiresistente Erreger" genannt, im Volksmund umgangssprachlich als "Krankenhauskeime" bekannt. Um effizient die multiresistenten Erreger bekämpfen zu können, haben sich die Landkreise Altenkirchen, Rhein-Lahn und Westerwaldkreis 2015 zu einem kreisübergreifenden MRE-Netzwerk zusammengeschlossen. Durch die Zusammenarbeit mit Akutkrankenhäusern, Arztpraxen, ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, Krankentransportdiensten und anderen Institutionen im Gesundheitswesen, soll die Verbreitung von multiresistenten Erregern wirksam eingedämmt werden.

Wie entstehen multiresistente Erreger?
Wegen zunehmendem Antibiotikaeinsatz sind viele Erreger gegen herkömmliche Mittel resistent geworden. Sparmaßnahmen und starker Zeitdruck in den Einrichtungen, unzureichende Händedesinfektion und mangelnde Ausbildung, selbst bei Ärzten und Pflegepersonal, tragen dazu bei, dass sich die Keime weiterverbreiten. Um Pflegeeinrichtungen zu belohnen, die nach einem strengen Maßnahmenkatalog die Voraussetzungen für eine Zertifizierung erfüllt haben, vergibt das MRE Netzwerk Westerwald regelmäßig Zertifizierungsurkunden. Aus diesem Anlass hatte das MRE Netzwerk Westerwald in das Kreishaus nach Montabaur eingeladen.

Gabriele Wieland, die als erste Kreisbeigeordnete den verhinderten Landrat Achim Schwickert vertrat, begrüßte Vertreter der betreffenden Pflegeeinrichtungen, Judith Mermet, MRE Netzwerk-Koordinatorin, Jörg Denninghoff, Landrat des Rhein-Lahn-Kreises, Dr. Manfred Vogt, Leiter der Abteilung Humanmedizin beim Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz und Marion Ostermann, leitende staatliche Beamtin und Justiziarin der Kreisverwaltung Altenkirchen.

Wieland unterstrich die Bedeutung des MRE Netzwerks Westerwald, da Keime bekanntlich an Kreisgrenzen keinen Halt machen würden. Durch diese Bündelung gäbe es viel bessere Möglichkeiten, Krankenhauskeime wirkungsvoll zu bekämpfen. Landrat Denninghoff schloss sich dem vollumfänglich an und betonte, die Arbeit des MRE Netzwerk sei von unschätzbarem Wert. Vogt hob das MRE Netzwerk als ein "Leuchtturmprojekt" hervor, welches spät gestartet sei, aber viele andere inzwischen überholt habe und bundesweit mit an der Spitze stehe. Er sehe es als Hauptaufgabe des MRE Netzwerks an, das wichtige Thema am Leben zu halten. Mermet erläuterte die strengen Kriterien, die erfüllt werden müssen, um eine Zertifizierung zu erhalten. Sie monierte zudem, es würde immer noch viel zu viel Antibiotika eingesetzt, obwohl der Verbrauch leicht rückläufig sei. Ostermann, die den Kreis Altenkirchen vertrat, stellte eine düstere Prognose auf, wenn multiresistente Erreger nicht wirkungsvoll bekämpft werden, würden bis 2050 mehr Menschen an den Keimen, als an Krebs sterben. Das Ziel des MRE Netzwerks sei klar definiert, Aufklärung der Bevölkerung und dringend notwendige und regelmäßige Schulungen von Personal in den Pflegeeinrichtungen.



Übergabe der Zertifizierungsurkunden
Nach den Statements erfolgte die Übergabe der Zertifizierungsurkunden an die stolzen Vertreter der ausgezeichneten Pflegeeinrichtungen. Im Einzelnen sind dies: die DRK Sozialstation in Bad Marienberg, das DRK-Seniorenzentrum in Altenkirchen, das Alten- und Pflegeheim St. Vinzenzhaus in Gebhardshain, das Ignatius-Lötschert-Haus Seniorenzentrum in Horbach, sowie die Altenpflegeheime Dickmann in Rennerod, Haus Sonnenblick in Simmern und Haus Hohe Lay in Nassau.

Wichtige Aufgaben des MRE Netzwerks Westerwald
In den nächsten Jahren ist keine Neuentwicklung von Antibiotika mit einer Wirkung gegen die resistenten Bakterien zu erwarten, deshalb muss die Weiterverbreitung der resistenten Erreger durch entsprechende Schutzmaßnahmen verhindert werden. Um die wichtige Arbeit des MRE Netzwerks Westerwald zu verdeutlichen, werden einige Aufgaben dargestellt: Umsetzung von Hygienemaßnahmen gemäß den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts, Untersuchung von Risikopatienten insbesondere vor stationärer Krankenhausaufnahme, Sanierung oder Therapie von besiedelten oder erkrankten Personen vor, während oder nach einem stationären Aufenthalt, angemessener kritischer Umgang mit Antibiotika, Aufklärung von betroffenen Patienten und Angehörigen, Fortbildungen für Fachpersonal im Gesundheitswesen, Optimierung der Informationswege zwischen den verschiedenen Institutionen im Gesundheitswesen (zum Beispiel einheitliche Überleitungsbögen), Förderung der Zusammenarbeit der Einrichtungen im Gesundheitswesen mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von einem Duo der Kreismusikschule, bestehend aus Sängerin und Keyborder, das mit einfühlsamen Songs, zum Beispiel "Your Song" von Sir Eltern John und "Fix you" von Coldplay begeisterte. (Wolfgang Rabsch)



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