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Pressemitteilung vom 26.08.2023    

Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn: Pflege schweißt Marokkanerin und Ukrainerin zusammen

Sie sind bei der Caritas zu Freundinnen geworden: Bouchra Bouziane und Halyna Filias absolvieren eine Ausbildung zur Pflegefachkraft. Bouchra Bouziane kommt aus Khénifra in Marokko. Halyna Filias stammt aus Nowojaworiwsk in der Ukraine. Zwischen den beiden Städten liegen 4.174 Kilometer.

Ein tolles Team: Bouchra Bouziane (links) aus Marokko und Halyna Filias aus der Ukraine absolvieren eine Ausbildung zur Pflegefachkraft beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn. (Foto: Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn/Holger Pöritzsch)

Ransbach-Baumbach. Unter normalen Umständen wäre die Chance, dass sich die beiden Frauen über den Weg gelaufen wären, nahezu bei null. Dass Bouchra und Halyna seit Kurzem aber dennoch beste Freundinnen sind, haben sie ein bisschen dem Schicksal zu verdanken - vor allem aber der Caritas. Seit nunmehr rund zwei Jahren geht der Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn bei der Nachwuchsgewinnung neue Wege: Neben vielen jungen Menschen aus der Region, bekommen auch interessierte Frauen und Männer aus verschiedenen Heimatländern die Möglichkeit, in der ambulanten und stationären Altenhilfe die generalistische Pflegeausbildung zu absolvieren.

Zwei von ihnen sind Bouchra Bouziane (24) und Halyna Filias (43). Beide starteten gemeinsam im Oktober 2022 ihre dreijährige Ausbildung in der Caritas-Sozialstation Wirges-Selters-Kannenbäckerland in Ransbach-Baumbach. Ihre Geschichten sind so unterschiedlich wie die Kulturen, aus denen sie stammen. Für die beiden Frauen stellt dies jedoch keine Barriere dar. Gemeinsam verfolgen sie ein Ziel: Sie wollen Pflegefachfrauen werden und bei der Caritas in der ambulanten Pflege arbeiten. Dies schweißt zusammen - und machte aus der Marokkanerin und der Ukrainerin nicht nur Kolleginnen, sondern mittlerweile beste Freundinnen.

Bouchra stammt aus einem kleinen Dorf in der Nähe der marokkanischen Stadt Khénifra. "Jetzt wohne ich hier im Westerwald wieder im Dorf", lacht sie. Zu verdanken hat sie dies im Prinzip einer Freundin aus der Heimat, "die ihre Ausbildung auch in Deutschland gemacht und mir ständig davon nur Gutes erzählt hat", berichtet die 24-Jährige, die in Marokko ihr Abitur gemacht hat und früher davon träumte, Krankenschwester zu werden. Auf den Rat der Freundin besuchte sie die Sprachschule der Uni-Nachhilfe Wuppertal - zunächst in Marokko, später in Istanbul - um Deutsch zu lernen. Über die Schule hatte sie dann auch das erste Mal Kontakt zu Caritasdirektorin Stefanie Krones und Abteilungsleiterin Claudia Brockers, die das Projekt beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn initiiert haben. Sie beeindruckten Bouchra, die sich nach dem Vorstellungsgespräch für die Ausbildung bei der Caritas und den Westerwald entschied.

Den Wunsch, in Deutschland zu leben, hegte Halyna schon länger. Letztendlich war es der schreckliche Krieg in ihrem Heimatland, der die 43-Jährige dazu bewog, diesen Schritt nun zu gehen. Gemeinsam mit ihrem jüngsten Sohn kam die Ukrainerin vor rund einem Jahr in den Westerwald. Deutschland und die hiesige Region waren ihr keinesfalls fremd. "Ich war früher schon mal hier und habe auch Freunde hier", erzählt Halyna, die bereits im privaten Bereich Erfahrungen in der Pflege sammeln konnte. In der Ukraine hatte sie Ausbildungen zur Sekretärin und Schneiderin absolviert. "Aber es war schon immer mein Traum, in der Pflege zu arbeiten - am liebsten in Deutschland", sagt sie. Da die Ukraine aber nicht in der EU war, war dies in der Vergangenheit nicht möglich.




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Die aktuellen politischen Umstände eröffneten ihr nun neue Möglichkeiten, berichtet die Caritas weiter. Eine Freundin aus Deutschland, die selbst bei der Caritas arbeitet, habe ihr: Mach doch eine Ausbildung. "Anfangs hatte ich Angst, war unsicher, wegen der Sprache und der fehlenden Fachkenntnisse", so die Ukrainerin. Schließlich bewarb sie sich doch, wurde genommen - und hat es bislang keine Sekunde bereut. "Ich helfe gerne Menschen und habe hier die Möglichkeit, einen Beruf zu lernen, der Zukunft hat", sagt Halyna, die auch nach einem hoffentlich baldigen Kriegsende in ihrer Heimat in Deutschland bleiben möchte. "Ich habe mich auch schon erkundigt, welche Voraussetzung für die deutsche Staatsangehörigkeit erfüllt werden müssen."

Auch Bouchra möchte nach der Ausbildung in Deutschland bleiben: "Am liebsten in der ambulanten Pflege und am liebsten bei der Caritas", sagt die 24-Jährige mit einem breiten Lächeln. Auch sie war anfangs besorgt, ob das alles klappt, "mit den unterschiedlichen Kulturen, meiner Religion, der Sprache, und so weiter" Mittlerweile weiß sie: Es hat geklappt. "Ich habe hier meine zweite Familie gefunden", sagt Bouchra über die Caritas und das Team der Sozialstation in Ransbach-Baumbach und strahlt. "Wir bekommen Unterstützung in allen Lebenslagen, nicht nur beruflich, sondern auch, wenn wir Hilfe in der Schule oder gar im privaten Bereich benötigen", erklärt die angehende Pflegefachfrau. "Wir wurden von Anfang an herzlich aufgenommen. Und alle haben sehr viel Geduld mit uns", ergänzt Halyna. Es seien vor allem die Menschen und die Abwechslung, die den Pflegeberuf für die beiden Auszubildenden zu etwas Besonderem machen. "Jeder Tag ist anders, es wird nie langweilig", sagt Halyna. Und Bouchra fügt hinzu: "Ich liebe den Umgang mit den Patientinnen und Patienten, wenn sie glücklich sind, bin ich es auch."

Im Rahmen ihrer Ausbildung beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn sind Bouchra und Halyna zu besten Freundinnen geworden. "Halyna ist für mich wie meine große Schwester", sagt die 24-jährige Marokkanerin über die 43-jährige Ukrainerin: "In manchen Situationen ist sie aber auch ein bisschen meine Mutter." Mal spreche ich mit ihr von Freundin zu Freundin, mal wie von Mutter zu Tochter, so Halyna, die alleine aufgrund ihres Alters mehr Lebenserfahrung mitbringt. "Halyna ist eine sehr starke Frau, die ihr Leben meistert, inklusive der Ausbildung. Sie ist für mich ein Vorbild", betont Bouchra. Aber auch die zweifache Mutter kann von ihrer rund 20 Jahre jüngeren Freundin und Kollegin noch einiges lernen: "Sie nimmt sich auch mal Zeit für sich selbst. Das müsste ich auch öfter mal machen", lacht sie. Am Ende ergänzen sich beide ideal: "Ist eine von uns traurig, motiviert sie die andere. Vor allem, wenn es ums Lernen geht", sagen die Freundinnen, die gemeinsam ihr großes Ziel erreichen wollen: Pflegefachkraft bei der Caritas. (PM)



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