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Pressemitteilung vom 23.05.2023    

Klepper-Singspiel in Wallmerod aufgeführt

Im kirchlichen Raum begegnet man Jochen Klepper zuallererst als Liederdichter. Eine Reihe seiner geistlichen Gedichte stehen vertont im Gesangbuch und sind fester Bestandteil gottesdienstlichen Singens. Er war evangelischer Theologe und arbeitete als freier Schriftsteller. 1931 heiratet er Johanna Stein, die aus einer angesehenen jüdischen Familie stammt.

Dr. Harald Leyser (Mitte) als Hans Karbe und Felizitas Muntanjohl (rechts) als Hildegard Klepper. Am linken Bildrand Mitwirkende des Kammerorchesters unter der Leitung von Martin Buschmann (stehend), am rechten Bildrand die Mitwirkenden des Kammerchors. Foto: Sabine Hammann-Gonschorek

Wallmerod. Klepper hält an der bleibenden Erwählung der Juden und der Bundestreue Gottes trotz rassistischer Verfolgung fest, und trennt sich, obwohl ihm die Scheidung von seiner jüdischen Frau von allen Seiten nahegelegt wird, nicht von seiner Frau und seinen beiden Stieftöchtern. Die ältere, Brigitte, kann 1939 noch nach England ausreisen. Um die noch bei ihm lebende Tochter in Sicherheit zu bringen, verhandelt er sogar mit Adolf Eichmann, dem Leiter des "Judenreferates" im Reichssicherheitshauptamt. Als Klepper seine Ohnmacht erkennt, nimmt er sich mit seiner Frau und der jüngeren Tochter Renate in der Nacht auf den 11. Dezember 1942 in Berlin-Nikolassee das Leben.

Diese tragische Lebensgeschichte hat Reinhard Ellsel zusammen mit dem Komponisten Markus Nickel in dem Singspiel "Das Tagebuch" verarbeitet, wobei überwiegend Tagebuchauszüge Kleppers und seine bekanntesten Lieddichtungen verwendet wurden.

Instrumentalistinnen, Sängerinnen und Sänger aus dem Raum Hadamar, Limburg und Wallmerod haben jetzt unter der Leitung von Martin Buschmann dieses Singspiel in der evangelischen Christuskirche Wallmerod aufgeführt. Die Inszenierung mit dem zentralen Bühnenbild, in dem Felizitas Muntanjohl in der Rolle als Hildegard Klepper die Texte aus dem Nachlass ihres Bruders mit beeindruckendem Einfühlungsvermögen las, die von den übrigen Musikerinnen und Musikern mit großer Professionalität kommentiert wurden, war in jeder Hinsicht gelungen. Den tiefen Ernst, aber auch das befreiende Gottvertrauen, das in den Werken Kleppers zum Ausdruck kommt, hatten sich die Künstler zu eigen gemacht und authentisch und für das Publikum gut nachvollziehbar dargestellt.



Die Veranstaltung hat ein starkes Zeichen gegen jede Form von Unfreiheit gesetzt und Kleppers Glaubensweg als Vermächtnis an die heutige Kirche und als Appell an die Gesellschaft in Erinnerung gerufen: Solch eine Zeit darf sich nicht wiederholen! (PM)




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