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Nachricht vom 29.03.2023    

Tod der 12-jährigen Luise: 75-mal soll auf sie eingestochen worden sein

Die Berichterstattungsfrequenz über den Tod der 12-jährigen Luise aus Freudenberg hat den Takt „minütlich bis stündlich“ verlassen und sich inzwischen auf dem Level „gelegentlich“ eingependelt. Neue Darstellungen auf Tatsachenbasis nach Trauerfeier und Beerdigung haben sich bislang nicht ergeben. Offizielle Stellen hüllen sich nach wie vor in Schweigen.

Nach außen hin vermittelt Freudenberg idyllische Ansichten. Der Tod von Luise lässt Bürgermeisterin Nicole Reschke indes um den inneren Zusammenhalt bangen. (Foto: Pixabay)

Freudenberg. Die bewegende Trauerfeier für die in einem Wald bei Freudenberg ermordete 12-jährige Luise liegt eine gute Woche zurück, das Mädchen ist im engsten Familienkreis beigesetzt worden. Nach wie vor verweigert die Staatsanwaltschaft Siegen die Bekanntgabe detaillierter Tatumstände. Sie begründet dies mit dem vorrangigen Schutz aller an dieser schrecklichen Tat Beteiligten. So stehen Vermutungen im Raum, die die Ergänzungen „aus gut unterrichteten Kreisen oder Quellen“ tragen. Wie „FOCUS online“ aus eben diesen „gut unterrichteten Kreisen“ erfahren haben will, sollen die 13 und 12 Jahre alten Tatverdächtigen den Mord an ihrer Mitschülerin von langer Hand geplant haben. Demnach habe sich eine der beiden geständigen Mädchen vor der Messerattacke im Internet über die Frage der Strafunmündigkeit informiert. Entsprechende Dokumente hätten, so „FOCUS online“, Ermittler bei der Jüngeren der beiden während einer Durchsuchung gefunden. Laut des Strafgesetzbuchs können der Tat Überführte unter 14 Jahren nicht belangt werden. Der brisante Fund lege den Verdacht nahe, dass die Mädchen vor dem Mord sicher gehen wollten, straffrei davon zu kommen. Nach Darstellung von „FOCUS online“ soll das ältere Mädchen Luise festgehalten, das jüngere 75-mal auf ihr Opfer eingestochen haben. Das Duo soll darüber hinaus Luise in das Waldgebiet gelockt und zunächst versucht haben, Luise mit einer Plastiktüte zu ersticken. Eine solche wurde nach Informationen von "FOCUS online" am Tatort gefunden. Als der Erstickungsversuch misslungen sei, soll die 12-Jährige zu einem Messer gegriffen haben. Nach dem Angriff soll laut „FOCUS online“ das Duo Luise vom Radweg eine Böschung hinuntergeworfen haben, wo sie verblutete.

Verletzte Gefühle als Tatmotiv?
Wie „FOCUS online“ darüber hinaus darstellte, sollen verletzte Gefühle wohl das Tatmotiv gewesen sein. Offenbar soll Luise im Vorfeld der Ereignisse über die Figur eines der beiden Mädchen gelästert haben. Ob im Internet oder auf dem Schulhof sei nicht bekannt. Nach Informationen der „Bild-Zeitung“ soll das jüngere Mädchen als erste die Tat gestanden haben. Die beiden vermeintlichen Täterinnen sollen zunächst getrennt voneinander verhört worden sein, was dazu geführt habe, dass die Beamten angenommen hätten, die 13-Jährige habe Luise ermordet, und die 12-Jährige sei ihre Komplizin gewesen. Erst in weiterführenden Ermittlungen soll ans Licht gekommen sein, dass es tatsächlich genau andersherum gewesen sein soll. Wie FOCUS online ebenfalls erfahren haben will, soll sich zumindest die Hauptverdächtige weiterhin in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie befinden.

Freudenberg kommt nicht zur Ruhe
Nach nach wie vor kommt die Stadt Freudenberg nicht zur Ruhe. „Alles, was ich befürchtet habe, ist eingetroffen“, meinte deren Bürgermeisterin Nicole Reschke in einem Gespräch mit der „Zeit“. Zahlreiche Journalistinnen und Journalisten wären nach dem gewaltsamen Tod von Luise nach Freudenberg gekommen und hätten dabei nicht immer nach moralisch vertretbaren Grundsätzen gehandelt. Reschke hat selbst eine journalistische Vergangenheit. Doch sie stellte klar: „Einige Male sind Grenzen weit überschritten worden.“ Zwar sei von der überwiegenden Mehrheit der Medienvertreter seriös und sachlich über den Fall Luise berichtet worden. In Einzelfällen soll es aber offenbar zu unsäglichen Versuchen von Journalistinnen und Journalisten gekommen sein, an Informationen zu gelangen. Dabei wurde laut Reschke auch nicht vor Schulkindern haltgemacht. Einige der Freudenberger Kinder seien demnach auf dem Schulweg von Medienvertretern bedrängt und befragt worden. Diese hätten sich vorwiegend für die mutmaßlichen Täterinnen interessiert. Konkret hätten die Presseleute wissen wollen, wie beide Mädchen aufgewachsen und was ihre Hobbys seien, oder es hätte sich um Einzelheiten zu deren Familien gedreht. Später kursierten auch auf TikTok Details zur vermeintlichen Identität der möglichen Täterinnen. Und auch an Luises Schule machten einige besonders skrupellose Journalisten nicht Halt, berichtete Reschke. So sei es manchen gelungen, nicht nur das Schulgelände zu betreten, sondern sogar bis ins Schulsekretariat zu gelangen, wobei Reschke die Schule vom örtlichen Ordnungsamt hatte bewachen lassen. Sie kämpft zudem um den Zusammenhalt im Ort. Schon beim Trauergottesdienst hatte sie in ihrer Ansprache gefragt: „Was macht dieses schreckliche Delikt mit uns? Ist unser Zusammenhalt in Freudenberg stark genug, all das auszuhalten und zueinanderzustehen? Wie sehr lassen wir Hetze und aggressives Besserwissen zu?“



Jede Debatte mit kühlem Kopf führen
In der Debatte nach der Tötung von Luise, ob auch Kinder als Täter bestraft werden dürfen, äußerte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) Bedenken in Bezug auf Gesetzesänderungen. Er sagte gegenüber „Bild am Sonntag“ (BamS): „Solch schwere Verbrechen können nicht folgenlos bleiben. Jede Debatte über Anpassungen im Strafrecht sollte man mit kühlem Kopf führen. Kinder unter 14 Jahren werden zwar strafrechtlich nicht belangt. Unsere Rechtsordnung hält aber bereits Mittel bereit, um auch auf schwere Gewalttaten von Kindern unter 14 Jahren zu reagieren.“ Buschmann verwies dabei auf die geschlossene Unterbringung in Heimen oder in der Psychiatrie. Wissenschaftliche Erkenntnisse würden zeigen, so Buschmann, dass Kinder eine andere Behandlung als Jugendliche oder Erwachsene brauchen. Günter Krings, rechtspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hält das nicht für ausreichend. „Auch 12- und 13-Jährige wissen, dass man nicht töten darf. Wir müssen daher die Debatte um eine Herabsetzung des Alters der Strafmündigkeit führen“, erklärte Krings gegenüber „BamS“ und forderte, dass die Bundesländer wieder mehr Einrichtungen bereitstellen, in denen kriminelle Kinder und Jugendliche per Gerichtsbeschluss geschlossen untergebracht werden könnten. Dies sei heute nur erlaubt, wenn sie für sich oder andere eine Gefahr darstellten.

Tatwaffe bleibt unauffindbar
Luise hatte am Samstag (11. März) eine Freundin besucht und war im Laufe des Abends, als sie nicht nach Hause zurückgekehrt war, als vermisst gemeldet worden. Eine großangelegte Suche am Sonntag (12. März) führte zum Fund ihrer Leiche in einem Waldstück bei Freudenberg, wo sie nach einer Messerattacke verblutet war. Bei den polizeilichen Ermittlungen kamen alsbald die beiden 12 und 13 Jahre alten Mädchen in der Verdacht, die Tat begangen zu haben. Sie sollen jeweils ein Geständnis abgelegt haben. Bislang wurde die Tatwaffe noch nicht gefunden. Die Polizei stellte inzwischen die Suche ein. (vh)



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