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Nachricht vom 28.09.2022    

Touristisches Kleinod unter Tage: Besucherbergwerk Schieferstollen „Josefsglück“

Von Helmi Tischler-Venter

In Brachbach am Rand des Kreises Altenkirchen hat der rührige Heimatverein „Glück-Auf“ Brachbach einen Grubenwanderweg zu mehreren Stollen, Gruben, Wasserquelle, Mühle und Bergmannsdenkmal angelegt. Besonders sehenswert ist das liebevoll ausgestaltete Besucherbergwerk Schieferstollen „Josefsglück“, in dem die Vereinsmitglieder Führungen auch für Kinder anbieten.

Der Eingang zum Stollen. Fotos: Wolfgang Tischler

Brachbach. Vorständin Sandra Köster erläuterte bei einem Besuch mit Landrat Dr. Enders in Brachbach die Absicht der Regionalinitiative „Wir Westerwälder“ der drei Landkreise Altenkirchen, Neuwied und Westerwaldkreis, die Region Westerwald überregional bekannt zu machen und betonte, dass zu dem Zweck auch die Schönheiten und Besonderheiten der Randregionen publiziert werden. Die Region besitzt zahlreiche Bodenschätze und attraktive Wanderwege.

Diese zu vermarkten, sei in der direkten Nachbarschaft zu Nordrhein-Westfalen schwierig, bedauerten Achim Müller, Vorsitzender und Christoph Bätzing, Grubenführer des Heimatvereins Brachbach. Zwar will der Geopark Westerwald-Lahn-Taunus den Grubenwanderweg als Geo-Route ausschildern, aber Brachbach kann im Gegensatz zu anderen touristischen Zielen nicht mit einem Prädikat werben. Flyer werden in eigener Regie aufgelegt und verteilt. Nichtsdestotrotz kommen auch internationale Besucher, die sich von den Angeboten begeistert zeigen. Allerdings wird die gastronomische Versorgung bemängelt.

Landrat Enders und Sandra Köster boten Hilfe an bei der Suche nach Fördermitteln und werbetechnischer Verbreitung. Sandra Köster meinte, der 9,6 Kilometer lange Grubenwanderweg und der 4,6 Kilometer lange Zusatz-Wanderweg passten zum Programm der Westerwald-Touristik, die Wege als „kleine und große Wäller“ propagiert. Für die beiden Brachbacher Wege sollten GPS-Daten erstellt und die Wanderportale im Internet genutzt werden.

Dr. Enders verwies auf den Rhein-Sieg-Express und den Radweg Sieg als Verbindungswege, die durch die festzustellende Rückbesinnung auf heimatliche Ziele und die Verbreitung von E-Bikes neue Besucher in die Region bringen. Beim Rheinland-Pfalz-Tag sei das Interesse am Westerwälder Stand sehr groß gewesen.

Bei einer Führung durch das Besucherbergwerk, die mit dem Aufsetzen der Helme am Grubenhaus mit kleinem Museum gegenüber dem Stollenmund startete, erläuterte Christoph Bätzing die Geschichte der Schiefergrube Josefsglück, die von 1903 bis 1925 und von 1945 bis 1948 betrieben wurde. Schiefer war als nicht brennbare Dacheindeckung interessant geworden, daher wurden dicke Blöcke des Hornschiefers aus dem Berg gesprengt oder mit Hammer und Meißel aus dem Felsen geschlagen. Fünf Bergarbeiter hauten im Monat 1.500 Kubikmeter Schiefer aus dem Berg. Die Bohrlöcher sind noch sichtbar. Der Arbeitsprozess ist in der großen Halle mit Puppen und Werkzeug veranschaulicht. In einer anderen Halle tropft reines, trinkbares Wasser durch die Felsendecke in einen Brunnen und in Gläser. Ortsbürgermeister Steffen Kappes sagte voller Stolz, das ortseigene Wasser sei eines der besten Trinkwässer in Deutschland.




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Seit der Schieferstollen 2012 zu einem Besucherbergwerk ausgebaut wurde, sind 300 Meter Strecke auf ebenem Untergrund leicht begehbar. Ein Stollen endet an einem Quarzlager. Quarz macht den Schiefer kaputt und die Staubpartikel schädigen die Atemwege. 24 Brachbacher Bergleute starben an der berüchtigten Staublunge. Trotz der harten und riskanten Arbeit war der Lohn nicht ausreichend zum Überleben, alle Familien betrieben nebenbei eine kleine Landwirtschaft.

Das Bergwerk wurde im Zweiten Weltkrieg als Schutzstollen genutzt, jeder Brachbacher Familie wurde ein Abschnitt zugeteilt. Auch Bätzings vielköpfige Vorfahren mussten auf engstem Raum bei acht Grad Kälte und ohne elektrisches Licht ausharren, eine schlimme, aber lebensnotwendige Maßnahme.

Mit wie viel Herzblut die Aktiven des Heimatvereins „Glück-Auf“ den Besucherstollen betreuen, zeigt die in Europa einmalige „Ersatzsonne“, die sie am Schluss der Führung aufgehen lassen zu der Musik „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauß, im Gedenken an die Bergleute, die wegen der Arbeitszeiten oft monatelang keine Sonne sehen konnten. Ein ganz besonderes Erlebnis vor einer großen glatten Wand, die vor 400 Millionen Jahren einmal der Meeresboden war.

Die Bergbaugruppe freut sich über jeden Besucher. Anmelden kann man sich telefonisch bei der Ortsgemeinde Brachbach, per E-Mail an schieferstollen-josefsglück@online.de oder unter www.heimatverein-brachbach.de. (htv)


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