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Pressemitteilung vom 09.09.2022    

Jardin Zoologique Ausstellung in der Emmanuel Walderdorff Galerie

Auf eine Reise in eine tropische Umgebung entführt die Ausstellung "Jardin Zoologique" ihre Besucher vom 19. September bis 20. Oktober in der Emmanual Walderdorff Galerie in Molsberg. Die Künstler Catherine Chaillou und Denésh Ghyczy verzaubern dabei mit detailgetreuen Keramiktieren und beeindruckender Malerei.

Dénesh Ghyczy, Botany, 2022, Öl und Acryl auf Leinwand, 160 x 210 cm (Foto: Emmanuel Walderdorff Galerie)

Molsberg. Immer wenn man sich in einem Raum mit Fenstern aufhält und es ertönt ein dumpfes Geräusch, fährt einem die Gewissheit durch die Glieder, dass da gerade ein armes Geschöpf einer Illusion unterlegen ist. Die besondere Beschaffenheit von Fensterglas, die dieser Alltagstragödie zugrunde liegt, hat dabei eine unterschätzte Bewandtnis: Glas ist dicht und durchlässig zugleich und weist auf das nicht immer eindeutige Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung.

Die Tropenhäuser in Botanischen Gärten bündelten diese paradoxe Besonderheit seit dem 19. Jahrhundert zu einem begehbaren Ideal. Ihre Abgeschlossenheit ermöglicht organisches Leben gänzlich unabhängig von der Jahresuhr und macht sie zu einer unabhängigen Biosphäre. Gleichzeitig simulieren sie das Gegenteil: Das Tageslicht verwischt die Grenze zwischen Innen und Außen und gibt einem das Gefühl, der Natur ganz nah zu sein.

Mit der kommenden Doppelausstellung werden die gemalten Tropenhäuser des ungarischen Malers Denésh Ghyczy in Zoologische Gärten verwandelt: Zusammen mit den Tieren der französischen Keramikerin Catherine Chaillou ergibt sich der Eindruck einer ganz eigenen, artfiziell belebten Sphäre im Ausstellungsraum. Dabei teilen beide Künstler nicht nur die temporäre motivische Gemeinsamkeit, auch in ihren übergreifenden künstlerischen Ansätzen finden sich parallele Linien.

Catherine Chaillous Arbeiten sind gekennzeichnet von einer doppelten Illusion. Die detailgetreuen Häute und Gefieder ihrer Geschöpfe erwecken den Eindruck einer heterogenen Materialität und konterkarieren ihre keramische Beschaffenheit, die doch in Sachen Festigkeit nicht zu überbieten ist. Gleichzeitig ergibt sich ein bildlicher Bruch innerhalb ihrer Objekte, die aus einem naturalistischen Geschöpf und einem abstrakten Sockel bestehen. Beides ist im gleichen Prozess gearbeitet, fixiert und physisch nicht mehr aufzutrennen, und doch bleibt beides in den Augen unvereinbar. So wirkt es fast, als sei hier ein Moment versteinert und in ihm die Grenzen zwischen den materiellen Zuständen ausgelöscht worden.



Auch Ghyczy´s Malerei lebt von einem Illusionismus, der jedoch nicht auf der inhaltlichen, sondern auf der formalästhetischen Ebene beheimatet ist: Auf den ersten Blick ganz nah an einer naturalistischen Darstellung, löst sich auf den zweiten Blick und in den Zwischenräumen des Dargestellten vieles auf und entzieht sich der dechiffrierenden Wahrnehmung. Mal wie die farbig schillernden Lichtreflexe in einer imperfekten Optik, mal wie digitale Artefakte, streuen sich bildliche Irritationen in die Szenen ein, als sei hier ein visueller Eindruck in der Auflösung begriffen - oder als sei er gerade kurz vor seiner eigenen Vollendung. An vielen Stellen scheint es so, als blicke man plötzlich auf die konstruktive Ebene eines Moments, also auf das, was hinter dem Offensichtlichen liegt.

Es ist in diesem Sinn mit dem Erforschen und Festhalten ein sowohl den Botanikern, als auch den Zoologen bekanntes Leitprinzip, das auch beide Künstler verbindet und dem motivischen Thema der Ausstellung einen inhaltlichen Gedanken zur Seite stellt: Die Konservierung einer Sache ist ebenso wie die Konservierung eines Moments weder neutral noch trivial. Sie findet als Ergebnis einer Vielzahl von persönlichen oder gesellschaftlichen Entscheidungen statt und bestimmt die Sicht auf die Welt maßgeblich mit.

Details:
Eröffnung: Sonntag, 18. September, 14 Uhr bis 18 Uhr
Begrüßung und Einführung um 14.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 19. September bis 20. Oktober
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 14 Uhr bis 19 Uhr und Samstag, 14 Uhr bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung.
Ort: Emmanuel Walderdorff Galerie, Hofgut Molsberg, Hauptstrasse 41, 56414 Molsberg (PM)


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