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Nachricht vom 03.07.2022    

Siegtal pur 2022: Autofreies Tal lockte die Fahrradfahrer in Scharen

Fahrrad an Fahrrad reihte sich bisweilen im Siegtal aneinander: Die Großveranstaltung Siegtal pur lockte nach zwei Jahren der Zwangspause die Generationen in die Sättel. Mehrere Tausend genossen bei einem kräftigen Tritt in die Pedalen die Freiheit, den Asphalt auf voller Breite für sich zu haben.

Auch in Obergüdeln wurde die Gelegenheit zur Rast wieder dankbar angenommen. Viele weitere Eindrücke von Siegtal pur 2022 unter dem Artikel. (Foto: privat)

Region. Es waren schon beeindruckende Bilder, die es am Sonntag auf der Strecke der B62 im Siegtal zu sehen gab: Etwa, wenn ganze Trosse an Radfahrern die Bundesstraße in voller Breite für sich beanspruchten. Manchmal waren ganz vorne die Allerjüngsten, die ebenso fleißig in die Pedalen traten. Wer die Einsamkeit und Stille bei einer Radtour suchte, der machte am Sonntag besser einen Bogen um das Siegtal. Das Flusstal war zwar fast komplett autofrei. Genau das war das Ziel von Jung und Alt, um bei "Siegtal pur" alles zu nutzen, was zwischen den beiden Straßenrändern lag. Nach dem bislang letzten autofreien Siegtal 2019 und den zwei Jahren der Zwangspause lockte die Veranstaltung die Menschen zu Tausenden. Das hochsommerliche Bilderbuchwetter dürfte sein Übriges dazu beigetragen haben.

Unterwegs waren immer wieder Rastmöglichkeiten von Vereinen und Institutionen eingerichtet, so beispielsweise vor der Erzquell-Brauerei in Niederschelderhütte. Hier mussten die Leute teilweise absteigen und ihr Fahrrad schieben, um weiterzukommen. Auch hier waren Vereine im Einsatz, beispielsweise der TV Niederschelden. Hier gab es Kaffee, Waffeln und Zuckerwatte. "Es lief ruhig an", sagte Daniela Schwalm. Gerade hatte sie eine Portion Teig für die nächste frische Waffel in das heiße Eisen gegeben und meinte mit Blick auf die Resonanz: "Es wird besser." Auf der gegenüberliegenden Seite war das DRK Niederschelden im Einsatz hier gab es deftigen Erbseneintopf. Was ihm schon zur Mittagszeit aufgefallen war, das war die hohe Zahl an Menschen, die beim Fahrradfahren einen Helm trugen, sagte Rotkreuz Leiter Bernd Donges. Ja, es war im positiven Sinn auffällig, dass kaum ein Radfahrer ohne den wichtigen Kopfschutz radelte.

"Brauchen einen Radweg, von Kirchen nach Siegen"
Währenddessen sorgte auf der Bühne in Niederschelderhütte die Band "Meteor" für musikalische Unterhaltung. Nur etwas weiter flussabwärts, in Mudersbach auf dem Dorfplatz, war die musikalische Unterhaltung eine Sache der Siegtaler Musikanten. Unter der Leitung von Christoph Zimmermann konnten die vorbeifahrenden Radfahrer allemal ein paar Akkord aufschnappen. Wer sich für eine Rast niederließ, der konnte sich auch so noch etwas von den Brassmelodien umgarnen lassen. Auch hier war für das leibliche Wohl wieder bestens gesorgt. Der Chor "Happy Voices" hatte wieder seinen Stand aufgebaut. Mit von der Partie war auch der Bürger- und Verkehrsverein Mudersbach. Dessen Vorsitzender Ulrich Merzhäuser berichtete, dass Radfahrer bereits sehr früh morgens aus Richtung Siegen das Siegtal runtergefahren und durch Mudersbach gekommen seien. Merzhäuser formulierte noch einmal die alte Forderung: "Wir brauchen einen Radweg, von Kirchen nach Siegen. Dringend, das sieht man daran, was hier los ist."

Das war Merzhäuser ein wichtiges Thema. Bei der sechsjährigen Emilia Eisel aus Katzwinkel und ihrer fünfjährige Schwester Anna weckte am "Durchbruch" in Brachbach etwas ganz anders das Interesse: Die beiden Mädchen suchten gerade unter der Sprengeranlage, die die Feuerwehr Brachbach auf der Büdenhölzerstraße aufgebaut hatte, eine Erfrischung. Hier und da fuhr schon mal ein Radfahrer durch den künstlichen Regen. Angesichts der in Richtung 30 Grad Celsius tendierenden Temperatur eine willkommene Abkühlung. Mit dem Förderverein der Feuerwehr war diesmal der neu gegründete Brachbacher Verein "Schachtpäddchen" Brachbach erstmals von der Partie. Gemeinsam war man an der sogenannten "Bergstation" im Einsatz. "Schachtpäddchen" hatte unter anderem auf einer angrenzenden Wiese eine Fläche gemäht. Auf dem Parcours konnten kleine und große Radfahrer mit einem Kinderfahrrad oder dem eigenen Rad über Schanzen und Wippen fahren.

Außerdem hatte der neue Verein eine Lounge mit Liegestühlen am Rand der Bundesstraße 62 aufgebaut. Immer wieder machten es sich hier Radfahrer bequem. So zum Beispiel von Patrick Zöller aus Brachbach, der mit einer vierköpfigen Gruppe von Brachbach ins Siegerland geradelt war, zwei mit dem E-Bike, zwei mit einem normalen Fahrrad. Schade sei es gewesen, dass in Weidenau dann abrupt die Strecke geendet sei, sagte Zöller: "Wir wären noch weitergefahren." So kehrte man wieder um und war am frühen Nachmittag am "Durchbruch" zurück. Hier machten offenbar viele Rast. Das lässt sich erahnen, weil Bennet Schäfer vom Vorstand von "Schachtpäddchen" berichtete, dass man nun eine zweite Zapfanlage angeschlossen habe. "Wir haben um 13:30 Uhr alle Hähne aufgerissen", schmunzelte Michael Pfeifer, Kassierer des Fördervereins der Feuerwehr.

Traditionell gibt es an der "Bergstation" beim Förderverein Leberkäse. Diesmal habe man sogar die doppelte Menge organisiert. Trotzdem sei diesmal alles noch früher als üblich ausverkauft gewesen, sagte Pfeifer. Die "Bergstation" sei der höchste Streckenpunkt auf rheinland-pfälzischer Seite - und vielleicht diesmal sogar auf der gesamten Strecke. Gerade hatten auch drei Rollskifahrer den Anstieg von Büdenbholz erklommen und waren oben am "Durchbruch" angekommen. Von Siegen bis nach Betzdorf war das Trio gerollt, berichtete Till Hartmann aus Bad Berleburg. Vor zehn Jahren etwa sei er bei Siegtal pur schon einmal auf dem Rad gefahren, berichtete er: "Es ist schön, eine lange gesperrte Straße zu haben."

Auch für die Rollski. Die Bretter mit den Rollen und den Stöcken waren zwischen Wallmenroth und Niederschlederhütte in der Minderzahl. Zweifelsfrei hatten E-Bikes diesmal den größten Anteil auf der Straße. Hier sieht André Hachenberg, Vorsitzender der Sportfreunde einen Unterschied zu früheren Jahren. "Es ist etwas Hektischer geworden", meinte er. Mit dem E-Bike könne man 80 oder vielleicht auch 100 Kilometer fahren, während man früher 30 in die Pedalen getreten habe und vielleicht eher eine Rast eingelegt habe. So seien viele Radfahrerinnen und Radfahrer auf der "Durchreise", weil mit dem E-Antrieb eben mehr Kilometer gefahren werden können, meinte er schmunzelnd. Am Sportplatz in Wallmenroth hatten die Sportfreunde dennoch genug zu tun, um an der Raststätte Sportplatz den Radfahrern etwas Gutes zu tun. Er habe seit zehn Uhr an den Pommes gestanden und gar nicht mehr groß vorne hingeschaut, sagte Hachenberg. Auch am Grill, wo Ralf Stohl den Würstchen eine gesunde Bräune verpasste, war Dauereinsatz gefordert.



Etwas weiter unten in Richtung Betzdorf, mitten im Ort am Glockenhäuschen, hatte der örtliche Heimatverein eine Rastmöglichkeit eingerichtet. Bunte Wimpel machten darauf aufmerksam. Wer hier Halt machte, der könnte sich unter anderem, bei einem kühlen Getränk oder einem Eis aus der Region erfrischen - oder aber er nutzte die Dusche. Nach der Premiere 2019 war die Dusche nun zum zweiten Mal im Einsatz auf dem Dorfplatz bei Siegtal pur, berichtete Vorsitzende Beate Michel. Das Angebot nutzten nicht nur Kinder. Geräucherte Forellen. Michel berichtete, dass Radfahrer aus Morsbach am Glockenhäuschen eine Rast eingelegt hatten. Sie seien überhaupt zum ersten Mal hier und hätten sich beeindruckt von der einladenden Location mit dem Fachwerkhaus gezeigt, so die Vorsitzende. Es sei hier so schön einladend, hätten die Radfahrer geäußert.

"Die Leute wollen wieder raus und nutzen jede Chance", sagte Tim Lück aus Bruche. Er war von Wallmeroth bis Freusburg gefahren. Nun war er in Wallmeroth am Glockenhäuschen zurück und legte eine Rast ein. Er lobte die ganzen Einkehrmöglichkeiten, die entlang der Strecke eingerichtet waren. Als aktiver Fußballer der ersten Mannschaft der Sportfreunde Wallmeroth wollte er noch weiter bis an den Sportplatz. Hier traf der AK-Kurier auch Anke Gille aus Kirchen. Dass Gille mit ihrer Familie zunächst den Weg nicht durch das Siegtal, sondern durch den Wald über die alte Poststraße bis nach Wissen gewählt hatte, das hatte drei gute Gründe. Die zwölfjährige Dackeldame Lotte und ihre jeweils vierjährigen Söhne Asterix und Antonius sollten erst laufen. Von Wissen flussaufwärts wiederum saßen sie bequem in einem Anhänger. Wo der Anhänger geöffnet wurde, waren die drei echten Dackel, Blickfang und Liebling zugleich. Vor einigen Jahren war Dackelhündin Lotte bereits mit von der Partie bei Siegtal pur. Für ihre Söhne war es nun eine Premiere.

Eine Premiere dürfte es auch für die vielen, vielen kleinen Kinder gewesen sein, die mit ihren Eltern oder Großeltern bei Siegtal pur auf dem Rad mit strampelten. Sogar Kinder mit Stützrädern waren auf der Bundesstraße zu sehen - das war Dank eines autofreien Siegtals möglich. Hier und da war mal ein Inlineskater zu sehen, dort Laufräder. Es gibt natürlich einige Stellen, an denen es sich überhaupt nicht vermeiden lässt, dass Radfahrer und die weiteren Verkehrsteilnehmer gemeinsam die B62 nutzen müssen. Das ist zwischen Betzdorf und Kirchen der Fall. Also muss für eine Trennung von beiden gesorgt werden. Das war wieder eine Aufgabe der Feuerwehren. Ab der Fußgängerbrücke zwischen Betzdorf und Kirchen stellte morgens in aller Frühe der Löschzug Freusburg in Richtung Kirchen die erforderliche Absperrung auf.

Von einem Lastkraftwagen mussten die Elemente für den Absperrzaun abgeladen und aufgestellt werden. Die Einzelteile ergaben am Ende eine Länge von rund 1300 Meter ergaben. Ab der Fußgängerbrücke waren die Kameraden der Löschzüge Betzdorf, Alsdorf und Dauersberg in umgekehrter Richtung bis zur Siegbrücke unterwegs, um ebenfalls etwa 1300 Meter Zaunelemente aufzustellen. Der städtische Bauhof Betzdorf war hier mit im Einsatz, um die erforderliche Beschilderung aufzustellen, zum Beispiel die Einbahnstraßenregelung für die B62 zwischen dem Struthof und dem Südknoten in Kirchen.

Abends, nachdem Siegtal pur zu Ende war und die Radfahrer mit guten Eindrücken und Erinnerungen wieder auf dem Heimweg waren, mussten die Absperrung und die Schilder wieder abgeräumt und auf die zwei Lastwagen gehievt werden - und auch an den Raststätten gab es noch genügen zu tun. Auch der neue Betzdorfer Verein Molzberger Freizeitsportgemeinschaft (MFG) musste an der Wilhelmstraße wieder einpacken. Die Aktiven hatten hier erstmals Biergarnituren aufgestellt. Außerdem bot der MFG eine kleine Pannenhilfe. Luftpumpe, Ratsche und Werkzeug lagen bereit, und wem die Luft gar nicht mehr im Schlauch blieb, der bekam auch einen neuen.

Aus Sicht der Polizei zog Polizeihauptkommissar Frank Reifenrath von der Polizeiinspektion Betzdorf eine positive Bilanz: "Es ist störungsfrei verlaufen." Es sei vorgekommen, dass auswärtige Fahrer nicht mit der Umleitung zurechtgekommen seien und kurz gesperrte Bereiche befahren hätten. Sie seien darauf hingewiesen worden und hätten diesen wieder verlassen. Es habe keine Unfälle gegeben.

An einigen Punkten, zum Beispiel an der Wilhelmstraße in Betzdorf und am Glockenhaus an der Dorfstraße in Wallmenroth saßen ehrenamtliche Helfer, die vor allem auswärtigen Fahrern, für die es an einer Absperrung nicht mehr weiterging, helfen konnten, den richtigen Weg zu finden. (tt)



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