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Pressemitteilung vom 15.03.2022    

Antiquariat Lang sichert historische Urkunde

Im 40. Jahr seines Bestehens ist dem Antiquariat Lang aus Rennerod eine besondere Entdeckung für die regionale Historie gelungen. Im Nachlass einer Handschriftensammlung fand sich eine mehr als 450 Jahre alte Urkunde aus der Grafschaft Sayn-Hachenburg, die jetzt vom Stadtarchiv Hachenburg unter der Leitung von Dr. Jens Friedhoff erworben wurde.

Übergabe der Urkunde. Fotos: Antiquariat Helmut R. Lang

Hachenburg / Rennerod. Die Urkunde ist ein Dokument der Grafen Sebastian, Heinrich und Hermann zu Sayn-Hachenburg vom 20. Dezember 1571. Mit diesem handgeschriebenen Original auf Papier, das mit zahlreichen zeitgenössischen Korrekturen versehen wurde, heißt es unter anderem: Da Herzog Karl III. von Lothringen den Sayn’schen Amtmann Georg von Koppenstein zum Generalprokurator von Lothringen ernannt hat, bevollmächtigen die Grafen Sebastian, Heinrich und Hermann von Sayn-Hachenburg die (Hachenburger) Räte Math. Bertram, Georg Schregerund Johann Knauff an ihrer statt an dieser Ernennung am 15. März 1572 teilzunehmen und alle notwendigen Verhandlungen zu führen. Das Besondere an dieser Urkunde ist nicht nur die vollständige Erhaltung, sondern auch die drei blind gedruckten gräflichen Siegel.

Dieses mittelalterliche Zeugnis hat aufgrund seines Alters, seiner Regionalität, der Vollständigkeit wie auch der Siegel auf dem Sammlermarkt einen hohen ideellen Wert. Das Antiquariat Lang, seit vier Jahrzehnten mit historischen Werken vertraut, war sich der Seltenheit der Urkunde für den Raum Hachenburg sofort bewusst und bot diese Urkunde vorab dem Stadtarchiv Hachenburg zur Vervollständigung der mehr als 800-jährigen Geschichte der Löwenstadt zum Kauf an.

Stadtarchivar Dr. Friedhoff zeigte sich erfreut
Überaus erfreut zeigte sich dann auch der Stadtarchivar Dr. Friedhoff bei erster Betrachtung über die hervorragende Erhaltung und sicherte sofort den Ankauf dieser Kostbarkeit für die Stadt Hachenburg zu. Die Urkunde von 1571 ist eine sogenannte Bevollmächtigungsurkunde und ein einwandfreier Beleg dafür, dass die Herren von Hachenburg zur damaligen Zeit auch an wichtigen überregionalen Ereignissen beteiligt waren. Es kommt nicht gerade häufig vor, dass verschollene Dokumente, die sich über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte in Privatbesitz befanden, plötzlich wieder an die Öffentlichkeit gelangen. Gerade der Westerwald wurde durch seine geografische Lage von alters her immer durch Kriege, Plünderungen und Raubzüge heimgesucht, sodass solche Originaldokumente aus der Frühen Neuzeit, dem 16. Jahrhundert, heute nur selten aufzuspüren sind.




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Nach 450 Jahren ist damit ein weiterer Teil des "lebendigen Gedächtnisses" der Landesgeschichte des Westerwaldes gesichert und steht im Archivbestand zur weiteren Erforschung bereit. Mit den Methoden der modernen Urkundenforschung können solche Dokumente nicht nur zeitgeschichtlich eingeordnet, sondern auch ihre Schreiber an den Strichen und Bögen ihrer Handschrift gut identifiziert werden. Mit den neuen digitalen Möglichkeiten kann dieses historische Zeugnis nun am Schreibtisch bis in die letzte Faser hinein durchleuchtet werden.

Man sieht solche Urkunden heute ganz anders als in jener Zeit, als man sie schrieb. Ein solcher Zeitzeuge ist nicht nur ein Rechtsdokument, das von den Grafen übergeben wurde, es ist auch als direktes Zeichen der Kommunikation zu betrachten. Die Hachenburger Urkunde von 1571 wird deshalb auf jeden Fall neue Aufschlüsse bringen und Dank des
umsichtigen Mitdenkens seitens des Antiquariats Lang vorhandene Lücken schließen und nachfolgenden Generationen hoffentlich noch viel Freude und Staunen bereiten. (hrl/PM)


Lokales: Rennerod & Umgebung
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