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Pressemitteilung vom 08.03.2022    

Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg

Weltfrauentag 2022: Im Fokus stehen heute Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung. Trotz Erfolgen der Gleichberechtigung hat sich jedoch die Gewalt gegen Frauen seit Jahrzehnten nicht verändert. Der Landkreis Limburg-Weilburg bietet im Rahmen eines Projekts Hilfe für Betroffene.

BU: Jede Vergewaltigung ist ein Notfall: neben der medizinischen Versorgung besteht im St. Vincenz-Krankenhaus Limburg die Möglichkeit, Spuren und Beweismittel gerichtsfest sichern zu lassen - auch wenn Betroffene noch nicht sicher sind, ob sie Anzeige erstatten möchten. (Foto: St. Vincenz)

Limburg. Jede dritte Frau in Deutschland wird in ihrem Leben Opfer physischer oder sexualisierter Gewalt. Rund ein Viertel aller Frauen erleben körperliche und/oder sexuelle Gewalt in ihrer Partnerschaft. Überraschen mag, dass Bildung hier keinen Einfluss nimmt: Aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums geht hervor, dass Gewalt innerhalb einer Partnerschaft keine Frage der sozialen Schicht oder Bildung ist. Zudem seien ältere Frauen häufiger Opfer von Gewalt, wenn sie höher (als ihr Partner) gebildet sind. Die Dunkelziffer der betroffenen Frauen wird bedeutend höher geschätzt, denn nur knapp 20 Prozent der Betroffenen suchen Hilfe.

Ein niedrigschwelliges und diskretes Angebot der Soforthilfe nach Vergewaltigung gibt es seit 2019 am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg: Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, können sich in der Frauenklinik oder der zentralen Notaufnahme des St. Vincenz rund um die Uhr umfassend, achtsam und diskret medizinisch versorgen lassen. Auf Wunsch besteht die Option, forensische Spuren und Beweismittel gerichtsfest sichern zu lassen, ohne dass eine polizeiliche Anzeige erfolgen muss. So können die Betroffenen auch später noch entscheiden, ob sie Anzeige erstatten möchten.

"Der Gedanke einer Strafanzeige ist oftmals in dieser Notsituation nicht präsent", erläutert Dr. Kerstin Förstermann, stellvertretende Leiterin der zentralen Notaufnahme am St. Vincenz. Sollte sich die Betroffene in der Zukunft doch noch dazu entscheiden, Anzeige zu erstatten, sei es im Prozess enorm hilfreich, wenn rechtssichere Beweise vorlägen. Die Befunde aus dem Krankenhaus können hierbei entscheidend sein. "Was viele nicht wissen: Sollten Verletzungen und Spuren nicht richtig gesichert und dokumentiert sein, ist es möglich, dass sie vor Gericht gar nicht erst zugelassen werden", ergänzt Dr. Förstermann. Die Mitarbeiter in Frauenklinik und Notaufnahme sind entsprechend geschult, um Verletzungen rechtssicher zu dokumentieren und Spuren zu sichern. Die für eine eventuelle Strafverfolgung gesicherten Proben werden für ein Jahr im Institut für Rechtsmedizin in Gießen aufbewahrt.



Im Fokus des Projekts steht außerdem die psychosoziale Unterstützung der Betroffenen: Die Beratungsstellen "Gegen unseren Willen e.V. Limburg" oder "pro familie e.V. Limburg" unterstützen Betroffene kostenlos und auf Wunsch anonym. Themen der telefonischen oder persönlichen Beratung können Unterstützungsmöglichkeiten und weitere Hilfsangebote sein oder Hilfestellung in der Frage, welche Rechte im Falle einer Anzeige bestehen. Weitere Informationen zum Projekt unter: https://kurzelinks.de/soforthilfe-vergewaltigung. (PM)


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