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Nachricht vom 26.01.2022    

Erschütternd: Leukämie-kranke Ida aus Wissen für Autobetrug instrumentalisiert

Von Daniel-David Pirker

Dieser Fall erzürnt die Menschen in der Region, nachdem er in den sozialen Netzwerken öffentlich gemacht wurde. Die an Leukämie erkrankte einjährige Ida Mewis wurde für einen Autobetrug instrumentalisiert. Die beschuldigte Verantwortliche ist zwischenzeitlich aufgeflogen, ließ sich aber nicht davon abbringen, einen neuen Versuch bei einem anderen Autohaus zu unternehmen.

Die erkrankte Ida wurde für einen Autobetrug instrumentalisiert. (Foto: privat)

Region. Karin Ermert, die mit ihrem Mann Jochen das Autohaus Kamp in Wissen betreibt, ist "einfach erschüttert", wie sie dem AK-Kurier im Gespräch mitteilt. Der Vater von Ida, Julian Mewis, betont auf Anfrage, dass er und seine Frau angesichts der fordernden Situation der Familie eigentlich "keinen Kopf dafür" hätten. "Wenn unser krankes Kind allerdings für Betrugsmaschen instrumentalisiert wird, dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht."

Von Anfang an: Vor rund zwei Wochen hatte Karin Ermert eine seriös wirkende E-Mail erreicht – und das Drama nahm seinen Lauf. Der augenscheinliche Absender: "RTL – Wir helfen Kindern". Demnach hätten sich die Eltern an die Stiftung mit der Bitte um ein zweites Auto gewandt. Im Nachgang fand schließlich ein Telefonat mit der angeblichen Assistentin von Frauke Ludowig statt. Später sollte sich nicht nur herausstellen, dass die bekannte Moderatorin gar nicht Schirmherrin der Stiftung ist. Sogar einen französischen Akzent habe die Anruferin gekonnt vorgetäuscht. Die Bitte, ein Auto zu spenden, stieß bei Ermerts auf offene Ohren: "Wir wollten auf unbürokratischem Weg helfen", so die Autohausbetreiberin. Sie und ihr Mann wollten ihre Möglichkeiten ausschöpfen für die kleine Ida – wenn sie schon nicht als Stammzellenspender infrage kämen, wie eine Typisierungsaktion in der Vergangenheit ergeben hatte.

Es werde sich stets darüber beschwert, dass die Welt so kalt geworden sei. Da wollten Ermerts mit ihrer Hilfsbereitschaft ein Zeichen setzen. Nach der Zusage der Autohausbetreiber wurde ihnen mitgeteilt, dass man auf sie zukomme. Eine Vermittlerin aus der Region hole den Wagen ab. Am Samstag, dem 15. Januar, suchte schließlich tatsächlich eine Frau aus der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain das Autohaus auf. Jochen und Karin Ermert schöpften da noch keinen Verdacht. Die Frau sei selbstsicher aufgetreten und legte auch einen Führerschein vor.

Mit einem relativ neuen Vorführwagen, einem Škoda Kodiaq, fuhr sie letztlich ab. Da glaubten Ermerts noch, der Familie Mewis mit dem SUV im Wert zwischen 20.000 und 25.000 Euro geholfen zu haben. Auch ein Vertrag wurde von der Frau unterschrieben, die angeblich im Auftrag der RTL-Stiftung handele. Angemeldet war der Wagen laut Karin Ermert vorerst weiterhin über das Autohaus. RTL käme dann zur weiteren Klärung nochmal auf das Autohaus zu, wurde ihr mitgeteilt. Es sollte glücklicherweise nicht lange dauern, bis das Lügengerüst zusammenbrach. Letztlich fuhr die Frau, die angeblich im Namen von RTL gehandelt hatte, den SUV keine zwei Wochen lang.

Nur eine Woche nach der Abholung entdeckte Karin Ermerts Mann den Skoda nämlich bei McDonalds in Betzdorf. Daraufhin hakte der Autohausbetreiber bei dem Großvater von Ida nach. Die beiden sind bekannt miteinander. Schnell war klar: Man war einer Betrugsmasche aufgesessen.



Daraufhin versuchten Ermerts Kontakt mit der Frau aufzunehmen. Vergeblich. Erst als Karin Ermert unter einer privaten Nummer anrief, wurde abgehoben. Auch in diesem Gespräch gab sich die Frau wieder souverän und selbstsicher. Karin Ermert versuchte sie davon zu überzeugen, dass es eine Rückholaktion für den SUV gäbe und sie ihn selbst zurückbringen solle. Doch die Autohausbetreiberin stieß auf taube Ohren.

Die Frau drohte laut Ermert gar mit einer Anzeige wegen Verleumdung. Nun, die Adresse der Frau war sogar dank der vorgezeigten Dokumente bekannt. Ermerts setzen schließlich einen Bekannten, der in der Nähe der Frau lebt, darauf an, Beobachtungen anzustellen. Und tatsächlich: Der Skoda befand auf dem entsprechenden Grundstück. Am gestrigen Dienstagmorgen (26. Januar) konnten die Autohausbetreiber den Wagen wieder zurückholen. Die Frau sei sich keiner Schuld bewusst gewesen, erinnert sich Karin Ermert. Immerhin: Der Rückholaktion beugte sie sich offenbar anstandslos. Ermerts zeigten sie daraufhin an. Die Kripo Betzdorf bestätigt dies auf Anfrage des AK-Kuriers. Wie üblich seien die Ermittlungsergebnisse offen.

Nachdem sie aufgeflogen war, ließ sich die Frau aus der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain offenbar aber nicht davon abbringen, auf unehrliche Weise zu einem Gefährt zu kommen. Annabelle Bourbones vom Autohaus Wahl in Betzdorf bestätigt dem AK-Kurier gegenüber folgenden Vorfall: Die Frau sei gestern Vormittag (25. Januar) vorbeigekommen und drückte diesmal in eigener Sache auf die Tränendrüse. Sie müsse ihr Haus verlassen und sei dringend auf ein Auto angewiesen.

Schließlich wurde ein Mietvertrag abgeschlossen. Zwar lag die Frau einen Personalausweis vor. Doch einen Führerschein konnte sie angeblich nicht vorweisen, was sie anscheinend mit einer Ausrede begründete. Das kam dem Autohaus in Betzdorf komisch vor. Gestern wurden schließlich die Mitarbeiter auf den Beitrag in den sozialen Netzwerken aufmerksam und gingen dem Fall nach. Man erkundigte sich bei der Polizei – und siehe da: Der Name der Frau war bekannt. Es habe sich Annabelle Bourbones zufolge herausgestellt, dass sie gelogen habe. Mittlerweile waren Mitarbeiter bei der Frau und stellten das Auto mithilfe der Polizei sicher. (ddp)

Stammzellen-Spender werden:

Ida und viele andere Menschen, die unter anderem an Leukämie erkrankt sind, benötigen eine Stammzellen-Spende. Über die Website der DKMS kann man sich hier ein Registrierungsset bestellen und potenzieller Stammzellen-Spender werden.

Im Rahmen des Blutspende-Termins am Donnerstag, den 27. Januar, in der Westerwaldschule in Gebhardshain führt auch die Stefan-Morsch-Stiftung wieder Typisierungen durch, um mögliche Knochenmarkspender zu finden, und zwar von 17 bis 20.30 Uhr.





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