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Nachricht vom 23.11.2021    

Gewalt und Missbrauch gegen Frauen und Mädchen geht durch alle Schichten

Ein Gesprächsabend zu Gewalt gegen Frauen warf ernüchternde Fakten auf den Tisch. Schon in biblischen Zeiten wurden nicht die Täter, sondern die Opfer betraft. AUch heute noch müssen Kinder, die sexuelle Gewalt erfahren, sich vielen Menschen anvertrauen, bis endlich jemand dabei ist, der hilft.

V.l.: Regina Kehr vom Evangelischen Dekanat Westerwald, Katrin Weiland und Kirsten Howind-Vieregge vom Beginenhof in Westerburg (Frauen gegen Gewalt e.V.) haben zu einem Gesprächsabend über Gewalt an Frauen eingeladen. (Foto: Sabine Hammann-Gonschorek)

Gemünden. Zu einem Gesprächsabend mit dem Thema „Gewalt gegen Frauen in biblischen Zeiten und heute“ hatten die Evangelische Familien- und Erwachsenenbildung im Dekanat Westerwald und das Frauenzentrum Beginenhof in Westerburg eingeladen. Rund ein Dutzend Frauen tauschten sich im Evangelischen Gemeindehaus Gemünden mit den Referentinnen Regina Kehr vom Evangelischen Dekanat und den Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums Beginenhof, Kirsten Howind-Vieregge und Katrin Weiland, über gesellschaftliche Fragen zum Thema und persönliche Erfahrungen aus.

Sexuelle Gewalt in der Bibel
Regina Kehr machte deutlich, dass schon seit biblischen Zeiten Frauen und Mädchen Gewalterfahrungen machen. Anschaulich schilderte sie in einem kurzen Kammertheaterstück in Form eines fiktiven Gerichtsprozesses die Geschichte von Tamar, eines Tochter König Davids, die im Alten Testament der Bibel von ihrem Halbbruder Amnon vergewaltigt wurde (2. Samuel, Kap. 13). Während Amnon für diese Tat nie zur Rechenschaft gezogen wurde, war Tamar gesellschaftlich ruiniert und gezwungen unverheiratet zu bleiben. Obwohl Tamar als Königstochter der Oberschicht angehörte, schützte sie das nicht vor dem sexuellen Missbrauch und seinen Folgen, sagte Kehr.

Zwei Kinder je Schulklasse sind betroffen
Der Schutz persönlicher Grenzen und des Rechts auf körperliche und seelische Unversehrtheit sind auch heute noch für viele Frauen nicht selbstverständlich, machten die Referentinnen des Beginenhofs klar. „80 bis 90 Prozent der Gewalt an Frauen und Mädchen findet in der eigenen Familie statt“, berichtete Kirsten Howind-Vieregge. Deshalb sei es sehr wichtig auf Anzeichen zu achten und nachzufragen, wenn man einen entsprechenden Verdacht habe.

Beispielsweise müssten Kinder, die Opfer von sexueller Gewalt sind, durchschnittlich sieben oder acht Menschen ansprechen, bis sie endlich Hilfe fänden, sagte Howind-Vieregge. Die Zahl der Opfer sei schockierend, da statistisch in jeder Schulklasse zwei Kinder seien, die sexuelle Gewalt erleben. Häufig werden Frauen und Mädchen, die Gewalterfahrungen machen, auch heute noch stigmatisiert, führten die Referentinnen aus.

Oft raten Verwandte den Opfern zu schweigen oder geben ihnen sogar Schuld oder Mitschuld an der Gewalt. Daher sei es sehr wichtig, sich möglichen Opfern als Bezugsperson und solidarisch zu zeigen. Einige Teilnehmerinnen des Gesprächsabends schilderten offen zahlreiche Erlebnisse von sexuellen Übergriffen und Gewalterfahrungen aus ihrem eigenen Leben. Es wurde deutlich, wie unterschiedlich und auch subtil Gewalt ausgeübt werden kann.

Täter geben ruchlos den Opfern die Mitschuld

Täter versuchten häufig durch den Hinweis auf den enthemmenden Einfluss von Alkohol oder Drogen ihre Taten zu relativieren oder behaupten, Frauen seien zu aufreizend gekleidet gewesen, berichtete Kirsten Howind-Vieregge. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang an mehrere Ausstellungen, in denen Kleidungsstücke gezeigt wurden, die Frauen am Tag einer Vergewaltigung trugen und die sich in nichts von normaler Alltagskleidung unterschieden.




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„Macht ausüben und Unterdrückung haben mit der Kleidung nichts zu tun“, sagte die Referentin. Frauen aus allen sozialen Schichten kämen zum Beginenhof, um sich beraten zu lassen. Das seien sowohl Frauen mit Traumata aus lange zurückliegendem Missbrauch als auch akute Fälle. Häufig lebten Frauen in finanzieller oder sozialer Abhängigkeit und hätten große Schwierigkeiten, sich aus gewalttätigen Beziehungen zu lösen. „Dennoch sind die Frauenhäuser überfüllt,“ sagt Howind-Vieregge. Sie forderte dazu auf, offene Augen für Gewalt gegen Frauen und Kinder zu haben und sich zu fragen, was man persönlich tun könne, um zu helfen.

Hintergrund:
Mehr Zusammenarbeit haben Vertreterinnen des Evangelischen Dekanats Westerwald und des Beginenhofs (Frauen gegen Gewalt e.V.) in Westerburg beschlossen. Schon lange vis-à-vis benachbart in der Neustraße, soll der Kontakt intensiviert werden, um gemeinsame Ziele zu verfolgen und Projekte zu gestalten.
Der spenden- und fördermittelbasierte Verein Frauen gegen Gewalt e.V. setzt sich für Frauen und Mädchen ein, die von Gewalt betroffen sind oder waren. Er unterhält eine Beratungsstelle für missbrauchte Frauen und Mädchen, eine Interventionsstelle bei Gewalt in engen sozialen Beziehungen, Alltagshilfe für nachhaltig traumatisierte Frauen (Projekt REIST), Präventionsprojekte für Kinder und Jugendliche (Projekt RONJA), ein Kultur- und Bildungsbetrieb mit Fortbildungsangeboten für Frauen und Mädchen und das „Lila Lädchen“, ein spendenbasierter Second-Hand Laden für Frauen- und Kinderbekleidung. (PM)


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