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Pressemitteilung vom 14.09.2021    

Vom Abwasser zum Frischwasser: Besuch in der Kläranlage Selters

Weit nasenfreundlicher als zuvor befürchtet, erlebten rund zwanzig Pfarrer und Mitarbeitende des Evangelischen Dekanats Westerwald einen Betriebsbesuch in der Kläranlage Selters. Dieser fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Wir machen Türen auf" statt.

Kläranlage Selters. (Foto: Dekanat der Evangelischen Kirche im Westerwald)

Selters. Die Besucher verbrachten einen Vormittag in der, nicht eben gemütlichen, aber sehr interessanten Umgebung und setzten die Tradition fort, als evangelische Kirche mit Betrieben in der Region ins Gespräch zu kommen. Die Kläranlage Selters ist ein Kooperationsprojekt der Verbandsgemeinden Selters, Dierdorf und Wirges sowie der Abwassergruppe Holzbach. Sie entstand 1995 und ist seitdem kontinuierlich modernisiert und erweitert worden. In den kommenden Jahren sind weitere Investitionen in Millionenhöhe in den Standort geplant.

Die Kläranlage reinigt die Abwässer der Stadt Selters und der Ortsgemeinden Maxsain, Rückeroth, Goddert, Nordhofen, Krümmel, Ellenhausen, Weidenhahn, Ewighausen, Quirnbach, Vielbach und Helferskirchen. Zudem werden zusätzlich Klärschlämme aus Kläranlagen in Wienau, Herschbach, Isenburg und Maischeid angeliefert und in Düngemittel, Strom und Heizenergie umgewandelt. Abwassermeister Bernd Schenkelberg sowie zwei seiner Mitarbeiter führten die Dekanatsdelegation in zwei Gruppen über das Werksgelände und erklärten jeden Schritt der Wasseraufbereitung. Schenkelberg sensibilisierte die Besucher für die große Bedeutung eines nachhaltigen und sorgsamen Umgangs mit der Ressource Wasser. Der Grundwasserspiegel sei trotz des regenreichen Jahres immer noch zu niedrig. Verunreinigungen durch Arzneimittelrückstände und Mikroplastik erschwerten die Nutzung der erzeugten Klärschlämme als Düngemittel, so Schenkelberg.

Über rund 150 Kilometer Kanalnetz und zahlreiche unterirdische Anlagen erreicht das Abwasser das Selterser Klärwerk. Das mit Regen vermischte Wasser wird zunächst von groben Verschmutzungen mechanisch gereinigt. Hier würden die erstaunlichsten Dinge aus dem Wasser gezogen, berichtete der Abwassermeister. Von Gebissen bis zu Kinderwagen und leider auch toten Haustieren sei schon alles dabei gewesen. Als großes Problem bezeichnete Schenkelberg das „Feuchte Toilettenpapier“, das im Handel erhältlich ist: „Das hält uns hier am Arbeiten“. Im Gegensatz zu herkömmlichem Papier löse sich das Material nicht im Wasser auf und müsse mechanisch aus dem Abwasser entfernt werden. Die Frage nach möglichen Ratten im Klärwerk, brachte Schenkelberg zu einer weiteren Komplikation der Abwasseraufbereitung: dem Fett. In der Kläranlage selbst gebe es sehr selten Ratten. Menschen, die Essensreste in die Kanalisation werfen, handelten sich eher im eigenen Kanalbereich ein Rattenproblem ein, prognostizierte der Abwasserexperte. Allerdings sei das im Essen enthaltene Fett in der Verarbeitung des Abwassers problematisch. Das Fett muss in einer eigenen Anlage durch Belüftung des Wassers mit gleichzeitiger Strudelbildung entfernt werden, sodass sich die Fettpartikel zusammenschließen. Das so vorgereinigte Wasser gelangt in das Herzstück der Anlage, das sogenannte Belebungsbecken. Es hat einen Durchmesser von 28 Metern und fasst knapp 3000 Kubikmeter Wasser. „Das ist kein Dreck, das ist Biomasse“, sagte Bernd Schenkelberg über die braune und blasenwerfende Flüssigkeit im Becken. Tatsächlich wird hier das Wasser durch Mikroorganismen gereinigt, die die Verunreinigungen fressen. Wenn mal zu wenig zu fressen da sei, werden die Organismen sogar durch die Zugabe abgelaufener, süßer Getränke gefüttert, erzählte der Abwassermeister. Tatsächlich ist das Wasser schon im Überlauf des nächsten Beckens klar, des sogenannten Nachklärbeckens, und kann dem Ökosystem wieder zugeführt werden.



Danach führte die Tour über das Werksgelände noch zur Verarbeitung der übrigbleibenden Klärschlämme. Im Zusammenhang mit den ausgefilterten Bestandteilen des Wassers riecht es im Klärwerk dann tatsächlich mal nicht so gut, stellten die Besucher fest. In einer Faulanlage wird Faulgas erzeugt, dass mit einem Bockheizkraftwerk in elektrischen Strom und Wärmeenergie umgewandelt wird, die für das eigene Gelände genutzt werden. Der Betrieb der Kläranlage in Selters wird nur durch wenige Mitarbeiter betreut, die ein vielfältiges Betätigungsfeld haben. Wasserkontrollen im Labor sowie Wartung der technischen und elektrischen Anlagen gehören dazu. Leider habe man trotz Anstellung im Öffentlichen Dienst für dieses Jahr keinen Auszubildenden als Fachkraft für Abwassertechnik bekommen können, bedauerte Schenkelberg.

Wilfried Kehr vom Fachbereich Gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Dekanats Westerburg und Heike Miehe vom Zentrum in Mainz dankten im Namen der Besuchergruppe den Mitarbeitern des Klärwerks Selters für den umfassenden Einblick in die Abläufe des Werkes.

Das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) lädt einmal jährlich zu einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Wir machen Türen auf“ in Betrieben zu bestimmten Themenkomplexen ein. In diesem Jahr hat sich das Zentrum für das Thema: „Wald und Wasser“ entschieden, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen, und sucht Forstreviere, Wetterdienst, Brennholzhersteller und Kläranlagen auf. (PM)


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