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Nachricht vom 03.09.2021    

Fledermausnacht an der Westerwälder Seenplatte

Mit einem Erlebnisabend machte der NABU Hundsangen darauf aufmerksam, dass es den Fledermäusen in diesem Jahr so schlecht geht wie lange nicht mehr. Treffpunkt war der Hausweiher, der kleinste Weiher der Westerwälder Seenplatte.

Auf Tuchfühlung mit den Fledermäusen (Foto: Christoph Kopper)

Steinen/Hundsangen. Den Fledermäusen geht es in diesem Jahr so schlecht wie lange nicht mehr. Anhaltende Kälte und Nässe in den Frühlingsmonaten bis hinein in den Sommer machten den Fledertieren schwer zu schaffen. Da die Tiere auf Insekten angewiesen sind und diese unter anderem auch durch die anhaltend schlechten Wetter-Bedingungen vielerorts fehlten, konnten nur schwer die Energiereserven vom Winterschlaf aufgefüllt werden. Viele nachtaktive Insekten sind nur bei trockenem Wetter unterwegs. Dies führte vor allem dazu, dass die Sommerquartiere der Tiere lange Zeit unbesetzt waren und es dementsprechend auch kaum Nachwuchs gab.

Erst mit steigenden Temperaturen kehrten die Flugakrobaten in ihre Quartiere zurück, zeigte der landesweite Fledermauszensus. Die Weibchen bilden jährlich sogenannte Wochenstuben, in denen sie sich zu Gruppen zusammenschließen, um ihre Jungen aufzuziehen. Meist zieht ein Weibchen nur ein Junges pro Jahr auf. Die Meldungen der ersten Jungen kamen dieses Jahr allerdings deutlich später. Durch den erneuten Wetterumschwung kam die Sorge auf, dass die Fledermausweibchen ihre Jungen nicht versorgen können, da sie selbst kaum Zeit hatten, ihre eigenen Reserven aufzufüllen. Der NABU Rheinland-Pfalz freut sich über alle Interessierten, die sich für die Federmäuse einsetzen möchten, indem sie bestehende Quartiere erhalten oder neue anbieten.

Um der Bevölkerung die Fledermäuse näherzubringen und ihr Interesse zu wecken, fand eine Infoveranstaltung mit Exkursion anlässlich der 25. Internationalen Fledermausnacht statt. Diese wurde vom NABU ins Leben gerufen. Unter der Leitung von Marcel Weidenfeller hatten die NABU-Gruppen Hundsangen und Kroppacher Schweiz zum Camping-Park Hofgut Schönerlen nach Steinen eingeladen, um den Interessierten alle Fragen rund um die kleinen Tiere zu beantworten.

Die Resonanz war groß. Knapp 60 Naturfreunde nahmen an der Veranstaltung teil, die unter Berücksichtigung aller Corona-Bestimmungen stattfand. Bei schönem Wetter begann die Veranstaltung mit einer Fragerunde, bei der die Kinder ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit Fledermäusen mitteilen konnten. Spielerisch wurden die Sinneswahrnehmungen der Fledertiere erarbeitet, wobei alle Generationen viel Spaß hatten.

Da viele Menschen Fledermäuse zwar spannend finden, aber noch nie einen größeren Kontakt mit ihnen hatten, war dieses Erlebnis für Viele sehr aufregend. Marcel Weidenfeller erklärt, dass von den in Deutschland heimischen 25 Arten viele bedroht oder schon fast ausgestorben sind, sodass alle Arten streng geschützt sind.



In Deutschland leben nur artenechte Fledermäuse. In Südamerika, Asien und Australien kommen auch die verwandten Flughunde vor, die sich allerdings nur vegetarisch ernähren. Alle Fledertiere gehören zu den Handflüglern, die von einem gemeinsamen Ursprung abstammen. Im Übrigen gibt es bei uns keine einzige heimische Fledermausart, die sich von Blut ernährt.

Mit der ersten Dämmerung konnte am Abendhimmel schon der große Abendsegler beobachtet werden, der sehr weit oben am Himmel auf Beutesuche unterwegs war. Er ist einer der größten Federmausarten mit einer Flügelspannweite von bis zu 40 Zentimetern. Mithilfe eines Detektors konnten seine Rufe, die in einem für den Menschen nicht wahrnehmbaren Schall-Bereich liegen, hörbar gemacht werden, was immer wieder für Begeisterung sorgte.

Schon bei der Exkursions-Einführung konnten immer wieder Fledermäuse beobachtet werden. Daraufhin ging die Gruppe zum Ufer des Hausweihers, an dem sich gerne Wasserfledermäuse aufhalten. Diese Tiere haben die Gruppe nicht gescheut, sodass sogar acht Exemplare unmittelbar vor und über den Köpfen der Besucher unterwegs waren. Diese Fledermausart ernährt sich vor allem von Insekten, die sich über der Wasseroberfläche aufhalten. Dort jagen sie nur einige Zentimeter über der Wasserfläche, wo sie gut zu beobachten sind.

Nach diesem Aufenthalt ging die Tour weiter auf den nahegelegenen Damm des Hausweihers. Dort stehen vor allem alte Bäume, die mit ihrem Reichtum an unterschiedlichen Strukturen auffallen. Hier konnte man Zwergfledermäuse bei der Jagd beobachten. Sie zählt zu den kleinsten und häufigsten Fledermausarten. Mit nur fünf Zentimetern Körperlänge und einem Gewicht von sechs Gramm passen sie sogar in eine Streichholzschachtel.

Insgesamt dauerte die Veranstaltung drei Stunden, bei der die Teilnehmer mit großem Interesse dabei waren. Marcel Weidenfeller erzählt schmunzelnd: „Ein Kind meinte sogar, dass es besser als im Fernsehen sei, weil die Fledermäuse so nah an ihren Köpfen vorbeiflogen“.
(PM)


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