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Nachricht vom 29.08.2021    

Nabu in Rennerod: Schwalben willkommen

Der NABU Rennerod besichtigt auf Antrag vor Ort Maßnahmen zum Erhalt des Schwalbenbestandes und verteilt entsprechende Siegelplaketten unter dem Titel: "Schwalben Willkommen". Einige Einzelprojekte erweisen sich als äußerst beeindruckend.

Der Mauersegler. (Foto: Raimund Rittberger)

Rennerod/Stein-Neukirch/Irmtraut. Schwalben und Mauersegler beleben als elegante Flugkünstler und nützliche Insektenfresser die Orte der Verbandsgemeinde Rennerod. Ihre Lebensbedingungen werden jedoch schwieriger. Lehmpfützen zur Gewinnung des Nistbaumaterials sind durch eine zunehmende Bodenversieglung selten geworden und ein Rückgang an Luftinsekten, die Hauptnahrung der Schwalben, macht sich allgemein als Insektensterben bemerkbar. Mauersegler, Mehl- und Rauchschwalben bauen ihre Nester an Häusern oder in Ställen, sind in besonderem Maße auf die Toleranz des Menschen angewiesen. Doch leider werden immer mehr Ställe und Scheunen verschlossen oder Schwalbennester an Hauswänden nicht geduldet, da Schwalben oftmals als lästige Fassadenbeschmutzer angesehen werden. Engagierten Landwirten und Naturfreunden ist es zu verdanken, dass sie trotzdem immer noch vielfach zu sehen sind.

Einer von Ihnen ist Dieter Petry in Stein-Neukirch. 40 Mehlschwalben-Paare brüten unter der Traufe an der Nordseite und am Ostgiebel seines alten verschieferten Hauses. Insgesamt 46 Kunstnester hat er dort angebracht. Petry erinnert sich: "In meiner Kindheit haben 50 Schwalbenpaare hier in selbstgebauten Nestern gebrütet und viele weitere an den Häusern in der Nachbarschaft. Leider sind Schwalben heute nicht mehr so willkommen und auch bei mir fanden sie nach dem Anbau des Wintergartens keine geeigneten Bedingungen mehr."

Vor sechs Jahren entschloss sich Petry, die Schwalben wieder anzusiedeln.
Zusammen mit dem Vogelexperten Peter Klein vom NABU Rennerod hängte er Nistkästen auf und spielte von einer CD Schwalbenrufe ab. Es dauerte einige Zeit, bis das erste Schwalbenpaar einzog. Aber nach fünf Jahren schon haben sich die Schwalben so vermehrt, dass es seither sogar Streit um die Nistplätze gibt.

"Eine gute Gelegenheit für uns im NABU mal vorbeizuschauen und neue Nistkästen zu bringen", meint dazu Frank Ebendorff. Petry macht daraus eine kleine Führung. Mit Blick auf die Schwalbennester demonstriert er den naturnahen Garten um sein Haus: Himbeersträucher, viele Blumen, begrünte Komposthaufen und eine Schar Hühner, die regelmäßig Auslauf bekommt. Anschließend auf dem Weg zum Stall zeigt er eine Wiese, wo seine Schafe weiden. "Heute sind zwei Lämmer im Stall zur Welt gekommen", freut sich Petry und zeigt auch auf die Rauchschwalben, die hier seit zehn Jahren brüten. Es herrscht munteres Treiben, die Jungen sind bereits flügge.

Hinter dem Stall liegt Petrys Nutzgarten. Vor einer Reihe von Bienenstöcken wächst eine mächtige Zucchini-Pflanze auf dem Komposthaufen. Beete mit Erdbeeren, Kartoffeln, Bohnen, Zwiebeln, Spitz- und Rotkohl sind reich gefüllt.

Frank Ebendorff ist beeindruckt: "Ich selbst halte keine Tiere, habe aber einen größeren Garten mit Obst und Gemüse - und ich weiss, dass schon was dazu gehört, dass alles so wächst und gedeiht."

Dieter Petry erklärt zum Abschluss: "Unter heutigen Bedingungen können Mehlschwalben hier keine stabilen Nester mehr bauen, sind auf Kunstnester angewiesen. Nahrung ist zum Glück ausreichend vorhanden in Richtung Stegskopf. Bei langanhaltendem Schlechtwetter kommen die Schwalben in große Not. Ich habe die Bettelrufe gehört und zugefüttert mit männlichen Bienenlarven."



In Irmtraut setzt sich Raimund Rittweger unter anderem besonders für Mauersegler ein. An der Scheune des Nachbarn hätten sie schon immer gebrütet. Was aber, wenn der Nachbar aus Altersgründen dort nicht mehr wohnt? Herr Rittweger hat vorgesorgt, brachte vor elf Jahren sechs Nistkästen an seinem Haus an. In diesem Jahr waren von 16 Mauersegler-Nistkästen 14 belegt, dazu noch drei Pärchen Mehlschwalben unter dem Dachüberstand.

Voriges Jahr hat er vier junge Mauersegler selbst großgezogen. Sie lagen hilflos auf der Wiese. Sommerhitze, vielleicht auch unerträgliche Parasiten, wie die Hirschlaus, haben sie aus dem Nest getrieben. Mauersegler zu füttern ist mühsam. Bevor die Heimchen in den Schnabel hineingesteckt werden, müssen sie aufwendig zubereitet und die Sprungbeine mit ihren Wiederhaken entfernt werden. Alle zwei bis drei Stunden brauchen die Mauersegler-Jungen Nachschub. "Ich habe mir Urlaub genommen, um die Aufzucht hinzubekommen, aber es hat mir Freude gemacht", berichtet Rittweger und zeigt Fotos: ein Tuch am Kistenrand, wo die Vögel hochklettern und eine Rohr-Dämm-Manschette, die es erlaubt, den Jungvogel zu halten ohne direkt mit seinem empfindlichen Gefieder in Kontakt zu kommen. "Es gibt schon mal Streit mit den Staren, die früher aus ihrem Winterquartier kommen und die Mauerseglerkästen besetzen": erklärt Rittweger, "Ich halte deshalb die Einfluglöcher bis zum Mai geschlossen, habe aber einen Ausgleich für die Stare geschaffen und Nistkästen für sie unter das Scheunendach gehängt."

Rittweger betreut außerdem mehr als 100 weitere Nisthilfen verschiedener Art in Wald und Wiesenflur. Aktuell hat er am Ortsrand  eine Blumenwiese für Insekten, Schmetterlinge und Vögel angelegt, an der ein Insektenhotel mit Infotafel angrenzt. Seit seiner Kindheit begeistert er sich für den Natur- und Vogelschutz, hat es von seinem Vater übernommen.

Viele Vogelarten hat Rittweger an seiner Futterstelle beobachtet. Am bemerkenswertesten ist ein Turteltauben-Pärchen, das seit 2016 jedes Jahr in Irmtraut brütet. Diese schöngefärbte zierliche Taube (Vogel des Jahres 2020) ist bedroht und nur selten zu beobachten. "Jedes Jahr hoffe ich, dass sie heil vom Zug zurückkommen", sagt Raimund Rittweger, "Mittlerweile sind junge Leute ins Nachbarhaus eingezogen. Mit brütenden Vögeln unter einem Dach zu leben, ist längst nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Umso mehr freue ich mich, meine netten neue Nachbarn dafür zu begeistern."

Jährlich zeichnet der NABU Rennerod Bürger aus, die Schwalben eine Unterkunft bieten . Die wetterfeste Plakette weist das Haus und seine Bewohner nicht nur als schwalbenfreundlich aus, sondern dient auch als Vorbild und Hinweis für andere Menschen, dass dieser Dienst an der Natur wertgeschätzt wird.

Die NABU Rennerod lädt weitere Schwalbenfreunde, insbesondere Landwirte, ein, sich für die Plakette Schwalben willkommen zu bewerben.
(PM)


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