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Nachricht vom 22.07.2021    

Wanderung zwischen früherem Bergbau und Gräbern aus der Bronzezeit

Gäste des Zweigvereins Buchfinkenland im Westerwald-Verein unternahmen eine große Rundwanderung durch den südlichsten Westerwald. Selbst für Einheimische gab es unterwegs viele neue Informationen über Wald, Natur und Kultur. Am Schluss kam im Begegnungscafe eine Spende für die Flutopfer zusammen.

Am Aussichtspunkt „Felsenbank“ (Fotos: Uli Schmidt / Quelle: Westerwaldverein)

Hübingen. „Man sieht etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.“ Dieser Satz von Christian Morgenstern gilt sicher auch für viele „Buchfinken“ im Hinblick auf die heimische Flora und Fauna. Da wo 1963 der damalige Limburger Bischof Wilhelm Kempf bei einem Spaziergang feststellte, dass dort ein einzigartiger Platz mit grandioser Aussicht für eine Einrichtung des Bistums sei, startete die Exkursion in die Heimat: am Familienferiendorf Hübingen. Dieses wurde 1969 im Bauhausstil mit 36 Ferienhäusern auf drei Ebenen am Buchenberg auf Vorschlag des Bischofs errichtetet, wie die Teilnehmenden erfuhren. Mitten im angrenzenden großen Buchenbestand trafen sich bis in die 60er Jahre die Hübinger auf einem Tanzplatz im Wald zum lustigen Reigen, begleitet von einer Musikkapelle.

Erstaunt waren die Gäste über das unweit im Hohen Tal gelegene ranchähnliche Gut Sonderlund, das vor etwa 50 Jahren von einem Unternehmer errichtet wurde. In einem Steinbruch aus vergangenen Zeiten erläuterte der Vereinsvorsitzende Manfred Henkes die Eigenschaften des dort lange abgebauten Basalts: “Für Feld- und Wanderwege war der hart genug, aber für den Straßenbau nicht geeignet“, so der Wanderführer. Gute Ausblicke waren auch deshalb möglich, da die dort gewachsenen Fichten fast alle tot waren und gefällt werden mussten, die widerstandsfähigeren Douglasien aber am Standort der Witterung trotzen. Gepflanzt wurden auch einige Elsbeeren als besonders resistent gegen Trockenheit geltende Baumart.

Henkes, der lange vor Ort zuständiger Revierförster war, blickte nicht sehr hoffnungsvoll in die Zukunft: „Nach drei vorangehenden Jahren Trockenheit ist der Buchenbestand hier in der Hanglage so belastet, dass auch er absterben wird“. Dagegen sehe es mit den Eichen derzeit noch besser aus.

Im Vorbeigehen erfuhren die Wandersleute, dass die sich zum Gelbachtal neigende Region am Bächlein Seelbach früher von intensiver Bergbautätigkeit geprägt war. Zu sehen war eine – allerdings weitgehend zugewachsene - mit Schiefermaterial verfüllte große Abraumhalde, hinter der sich noch die Umrisse eines Stollens andeuteten. Einige konnten ihre inzwischen heiß gelaufenen Füße in dem kleinen Fließgewässer kühlen, das im Winter austrocknet, aber in einigen Metern Tiefe im Schiefergestein weiterläuft.



Über den zur Gemarkung Winden gehörenden „Wilden Mann“ erreichte die Gruppe dann durch ein reizvolles Seitental den Gackenbacher Ortsteil Dies im Gelbachtal, wo eine besondere Herausforderung wartete: um den Anforderungen eines Prädikatswanderweges zu genügen, wurde der große Buchfinkenlandrundwanderweg hier auf einem steil ansteigenden Naturpfad hoch zum Aussichtspunt „Felsenbank“ unterhalb von Gackenbach geführt. Dort war der komplette Baumbestand am Hang dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Oben angekommen wurden die Naturfans mit einem Blick zur Pfarrkirche und zum benachbarten Wildpark entschädigt, in dem alle heimischen Wildtierarten zu sehen sind.

In Horbach waren das ruhig im Grünen gelegene Seniorenzentrum Ignatius-Lötschert-Haus und das schmucke Waldstadion zu sehen. Hinter letzterem wurden im hohen Buchenwald einige Hügelgräber gefunden, die typische Bestattungsform für die Eliten in der Bronzezeit. Da in der Nähe weitere solcher Grabstätten nachgewiesen wurden, müssen wohl im damaligen Buchfinkenland etwa im Zeitraum von 2200 bis 800 v. Chr. schon Eliten gewirkt haben. Ob die damals schon wussten, dass es bei Sonnenschein im Wald etwa 8 bis 10 Grad kühler ist, konnte nicht ermittelt werden. “Wir müssen wohl noch viel über die klimatische Bedeutung des Waldes lernen, damit wir verinnerlichen, wie wichtig dieser für uns Menschen ist und ihn nicht weiter stark belasten“ meinte eine Teilnehmerin.

Eine Überraschung wartete dann zum Ende der etwa 15 Kilometer langen Wanderung im Kiga am Familienferiendorf in Hübingen auf die Wandersleute: das Team um Leiterin Lena Tebelius lud ins „Begegegnungscafe Panoramablick“ zu duftendem Kaffee und selbst gebackenem Kuchen ein. Schnell waren noch einige Daheimgebliebene verständigt, denen die Wanderung zu lang war, die sich aber das tolle Kuchenbufett nicht entgehen lassen wollten und schnell den Weg nach Hübingen fanden.

Besonders toll: der Erlös wird für die Flutopfer gespendet. Gerne hat der Westerwald-Verein den Betrag noch erhöht. Mitglieder und Gäste dürfen sich auf die nächste Wanderung des Westerwald-Vereins am 1.August im Buchfinkenland freuen. (PM)


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