Werbung

Nachricht vom 21.07.2021    

Weiherhellbach in Niederelbert: Der Umzug der Fische

Der Weiherhellbach verläuft in Niederelbert quer durch die Ortslage. Jetzt hat er ein neues Bett erhalten: Unter der Hauptstraße wurde seine unterirdische Verrohrung erneuert. Im weiteren Verlauf Richtung Kirmesplatz schlängelt er sich nun in einem naturnah gestalteten Bachbett bis zu seiner Einmündung in den Stelzenbach.

Die Wassertiere wurden aus dem alten Betongraben in das neue Bett des Weiherhellbachs umgesiedelt. Umzugshelfer waren (v.r.) Manfred Fetthauer von der Arge Nister, Eva Molsberger-Lange vom NABU Holler und Markus Kuch, Sachgebietsleiter Umwelt bei der VG-Verwaltung. (Quelle: VG Montabaur)

Niederelbert. Im Rahmen des Hochwasserschutzkonzeptes wurde ein Teilstück des Weiherhellbaches durch ein breites, kurviges und naturnah gestaltetes Bachbett ersetzt. Es verläuft mitten durch ein Wiesenstück, das bei hohem Wasseraufkommen als Überschwemmungsfläche dient. Die Mündung in den Stelzenbach wurde strömungsgerecht in einem spitzen Winkel angelegt. Darüber freuen sich auch die Fische, Krebse und Urzeittiere, die aus dem alten Betongraben in den neuen Bachlauf umgesiedelt wurden.

Dazu hatte die Verbandsgemeinde Montabaur als Trägerin der Maßnahme den Fischexperten Manfred Fetthauer engagiert. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Nister und hat schon viele Fische und Wassertiere mit der Methode Elektrofischen gefangen und umgesiedelt. Unterstützt wurde er von Eva Molsberger-Lange vom NABU Holler und von Markus Kuch, Leiter des Sachgebiets Umwelt bei der VG-Verwaltung. Beim Elektrofischen wird immer ein kleines Teilstück des Gewässers kurzzeitig unter Strom gesetzt. So werden die darin befindlichen Wassertiere betäubt. Dann lassen sie sich mit einem Kescher herausfischen und in einen Transporteimer legen. In dem Eimer trug das Team den Fang bis zur Mündung des Stelzenbachs und setzte die mittlerweile wieder quicklebendigen Tiere dort ins Wasser zurück.

Insgesamt 44 Bachforellen mit einer Länge von 4 bis 13 Zentimetern gingen ins Netz, dazu 4 Signalkrebse und etliche Libellenlarven.

Für eine kleine Sensation sorgte ein Bachneunauge, das Manfred Fetthauer stolz Ortsbürgermeisterin Carmen Diedenhoven und den anderen Projektbeteiligten zeigte, die das Geschehen im Bach vom Ufer aus beobachteten.

Bachneunaugen sind Urzeittiere, sie gehören zu den so genannten Rundmäulern. Es gibt sie seit Millionen Jahren in unveränderter Form. Sie sind sehr selten und daher besonders geschützt, erklärte Roger Best von der unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung, der die Umsiedlungsaktion begleitete. „Ein solcher Fund ist wirklich etwas ganz Besonderes und deutet auf die hohe Qualität der Gewässer im Umfeld von Niederelbert hin“, so der Naturschutzexperte Best. Zum Abschluss der Aktion wurden noch einige Ladungen Schlick und Wasser aus dem alten Betongraben in den neuen Bachlauf geschaufelt, damit die Wassertiere dort gleich Nahrung und ihr gewohntes Lebensumfeld finden.



Die Baumaßnahme zur Erneuerung der Bachverrohrung hatte im Frühjahr zu Verkehrsbehinderungen im Bereich der Kreuzung Horresser Straße / Hauptstraße geführt, denn der Bach verläuft dort quer unter der Straße. Und so musste quer unter der Straße seine Verrohrung ausgewechselt werden. Im weiteren Verlauf floss der Bach bisher in einem schmalen Betongraben entlang der Häuser am Ortsrand und mündete schließlich senkrecht in den Stelzenbach.

Die Renaturierung des Bachlaufs ist ein wichtiger Baustein des Hochwasserschutzkonzeptes, das die Ortsgemeinde in den letzten Jahren erarbeitet hat und nun Schritt für Schritt umsetzt. Die jüngsten Überflutungen in den Gebieten westlich des Rheins zeigen wie wichtig solche Projekte sind. „Ich bin froh, dass wir mit der Überschwemmungsfläche nahe dem Kirmesplatz und dem neuen Bauchlauf schon mal eine Maßnahme realisiert haben. Denn wir bekommen gerade sehr deutlich vor Augen geführt, wie wichtig Hochwasser- und Gewässerschutz sind, besonders wenn ein Dorf mit einigen Wasserläufen gesegnet ist so wie bei uns in Niederelbert“, stellte Ortsbürgermeisterin Carmen Diedenhoven fest. Sie will nun die nächsten Schritte zügig in die Wege leiten. Vor allem geht es um den Gambach und den Elbertbach (Stelzenbach), die für kommende Unwetterlagen besser abgesichert werden sollen. (PM)


Mehr dazu:   Naturschutz  
Lokales: Montabaur & Umgebung

Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Montabaur auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Region


Bachpaten: Umweltpreis geht in den Westerwald

Westerwaldkreis. Aus den Händen von Klimaschutzministerin Katrin Eder erhielt der Vorsitzende Wilfried Bötzhöfer und eine ...

"Ehrenamt ist etwas Schönes!": Bettina Kaiser will evangelische Frauen zusammenbringen

Westerburg. Kürzlich wurde sie in den Vorstand des Landesverbandes der Evangelischen Frauen gewählt. Ein Verband, der die ...

Zwischen Staudt und Bannberscheid: K 82 vom 15. bis 27. August gesperrt

Region. Die Umleitungsstrecke führt über die Kreisstraße 145 [K 145] – Wirges - Kreisstraße 142 [K 142] – Landesstraße 300 ...

Das Leben nach dem Schlaganfall - Andreas Hess im Gespräch

Selters. Nach dem Notruf brachten die Rettungskräfte Andreas Hess in die Schlaganfalleinheit (Stroke Unit) des Evangelischen ...

Hoffest und Maschinenringtag begeisterte Jung und Alt in Hattert

Hattert. Kürzlich luden der Hof Scheffen und der Maschinenring Montabaur bei strahlend blauem Himmel und hochsommerlichen ...

"Beim Emil" - Geschichtswerkstatt Hachenburg mit neuem Projekt in der Friedrichstraße

Hachenburg. Emil Heuzeroth wurde am 29. März 1886 in Hachenburg geboren. Von Beruf war er Schreiner. Nach der Rückkehr aus ...

Weitere Artikel


Benefizspiel für die Flutopfer: SG Westerburg empfängt TSV Steinbach

Westerburg. Die SG Westerburg/Gemünden/Willmenrod empfängt am kommenden Samstag, 24. Juni, die Profimannschaft des TSV Steinbach ...

„Leben im Gebhardshainer Land im Wandel der Zeit“ – Konrad Schwan bringt Buch raus

Kausen. Ein Buch „Leben im Gebhardshainer Land im Wandel der Zeit“ hat Konrad Schwan herausgegeben. Auf etwa 140 Seiten beschreibt ...

Corona im Westerwaldkreis: Inzidenz steigt leicht an

Montabaur. Der relevante Inzidenzwert des Kreises liegt nun bei 6,4 (Stand: 21. Juli, 15 Uhr) und ist damit seit Montag (5,4) ...

Die "555er" freuen sich auf den Neustart mit dem Wald-Café in Horbach

Horbach. Seit wenigen Wochen gibt es in der VG Montabaur eine neue „Gemeindeschwer plus“, die Ansprechpartnerin für die Sorgen ...

Mit Kunst und Kunsthandwerk: "Ausstellung im Hof" in Herschbach

Herschbach (Oberwesterwald). Im Jahr 2020, ist die „Ausstellung im Hof“ leider wegen Corona ausgefallen. Der Veranstalter ...

Nahwärme Hachenburg: Ein Klimaschutzerfolgsprojekt in kommunaler Hand

Hachenburg. Nachdem der Verbandsgemeinderat Hachenburg Ende 2009 den Weg für die Umsetzung eines kommunal betriebenen Bio-Kraftwerkes ...

Werbung