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Pressemitteilung vom 15.07.2021    

Kinderorthopädie am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg: Dr. Jürgen Fey erklärt

Mit der Umstrukturierung der Hauptabteilung Unfallchirurgie und Orthopädie zum Zentrum für Orthopädie und Traumatologie (ZOT) erweitert das St. Vincenz-Krankenhaus Limburg nicht nur sein Leistungsspektrum in diesen Bereichen, sondern gewinnt zudem die Expertise des erfahrenen Orthopäden Dr. Jürgen Fey.

Dr. Jürgen Fey als Leitender Oberarzt Orthopädie spricht über die Besonderheiten der Kinderorthopädie. (Fotos: St. Vinzenz-Krankenhaus)

Limburg. Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie war zuvor am Marienhaus Klinikum tätig, wo er unter anderem die Kinderorthopädie aufgebaut und etabliert hat. Dieser Aufgabe stellt er sich jetzt in Limburg erneut. Im Interview informiert er über die Besonderheiten der Kinderorthopädie und worauf Eltern besonders achten sollten.

Was unterscheidet die Kinderorthopädie von der Orthopädie für Erwachsene?
Der wesentliche Unterschied zwischen der Orthopädie bei Kindern und Erwachsenen besteht darin, dass die Kinderorthopädie immer Behandlungen, sei es mit oder ohne Operation, am wachsenden Skelett beinhaltet. Damit verbunden ist eine große Dynamik der Veränderungen, sowohl im positiven Sinne, aber leider oft auch in Form einer weiteren Verschlechterung der Situation. Daher spielt auch der Zeitpunkt des Eingreifens eine wichtige Rolle. Auf der einen Seite sollte gerade bei operativen Maßnahmen nicht zu früh gehandelt werden andererseits darf der richtige Zeitpunkt, in dem noch eine möglichst vollständige Wiederherstellung erreicht werden kann, auch nicht verpasst werden.

Da das Spektrum kinderorthopädischer Operationen sehr weit ist, sollte der in diesem Bereich tätige Arzt über eine große Erfahrung im operativen Bereich verfügen und auch die unterschiedlichen Operationstechniken sicher beherrschen.

Gibt es Fälle, in denen Sie als Orthopäde einfach mal nichts tun sollten?

Nichts zu tun fällt einem Arzt natürlich erst einmal schwer. Die Eltern erwarten ja auch in gewisser Weise, dass etwas passiert. Nichtsdestotrotz ist Zuwarten immer wieder eine gute Option. Das bedeutet aber auch, den weiteren Verlauf immer wieder zu beobachten. Untersuchungen zufolge steht in 70 Prozent der Fälle einer kinderorthopädischen Sprechstunde die Beratung und Beruhigung der Kinder und Eltern im Vordergrund. Aber auch das ist ja ein Stück weit eine Therapie.

Was sind die häufigsten orthopädischen Krankheitsbilder bei Kindern?
Hier muss man zwischen angeborenen und erworbenen Erkrankungen unterscheiden. Bei den angeborenen Veränderungen sind sicher die Fehlanlage des Hüftgelenkes (Hüftdysplasie und -luxation) und die Fußfehlstellungen, insbesondere der Klumpfuß, zu nennen. Wenn diese Krankheitsbilder früh erkannt und richtig behandelt werden, sind die Aussichten auf Ausheilung sehr gut. Selten und schwieriger zu behandeln sind so genannte syndromale Erkrankungen, die häufig auch Veränderungen am Bewegungsapparat zeigen.




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Häufige erworbene Erkrankungen sind die kindliche Durchblutungsstörung des Hüftkopfes (Morbus Perthes) oder aber bei etwas älteren Kindern der Hüftkopfabrutsch. Auch Fehlstellungen der Beine in Form eines X- oder O-Beines sowie Beinlängendifferenzen sind häufig Grund zur Vorstellung bei einem Kinderorthopäden. Hinzu kommen Fußfehlstellungen, insbesondere der Knick-Platt-Fuß. An der Wirbelsäule ist die Verkrümmung (Skoliose oder Kyphose) nicht selten. Hier ist neben einer kontinuierlichen Kontrolle auch eine jeweils dem Ausmaß der Veränderung entsprechende Behandlung erforderlich.

Eine Sonderrolle nehmen die Kinder mit einer Behinderung, insbesondere mit infantiler Cerebralparese2) ein, die mir sehr am Herzen liegen. Hier ist häufig eine Begleitung vom Säuglingsalter bis zum Wachstumsabschluss erforderlich, da sich viele Probleme im Laufe der Zeit entwickeln.

Wie können Eltern Fehlhaltungen oder Beschwerden bei ihren Kindern erkennen und was raten Sie ihnen?

Eltern sollten ihre Kinder im Blick haben. Dies betrifft alle Lebensbereiche, aber eben auch Wachstum und Entwicklung. Bei Auffälligkeiten sollte zunächst der Kinderarzt/ die Kinderärztin konsultiert werden. Diese:r kennt das Kind am besten. Wenn dann Unsicherheiten bestehen, ist die Vorstellung beim Kinderorthopäden sinnvoll. Häufig sind auch Auffälligkeiten im Rahmen der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen Grund für den Besuch der kinderorthopädischen Sprechstunde.

Was ist Ihre Philosophie im Umgang mit den jungen Patienten?
Wichtig ist es, einen Zugang zu den Kindern aber auch den Eltern zu finden. Dazu gehört eine angstfreie Atmosphäre in der Sprechstunde, in der auch durchaus gelacht werden darf. Ganz wichtig ist es auch, sich Zeit zu nehmen, zuzuhören und zu beobachten. Die Untersuchung sollte entspannt und ohne Zwang erfolgen. Dies ist allerdings je nach Vorerfahrungen des Kindes nicht immer einfach.

Vita:

Dr. Jürgen Fey verstärkt als leitender Oberarzt und Chefarztvertreter der Orthopädie seit Anfang des Monats das ZOT-Team am St. Vincenz. Der erfahrene Orthopäde baute an seiner alten Wirkungsstätte die Kinderorthopädie auf und leitete diesen Bereich seit Januar 2020. Fey verfügt zudem über das Zertifikat „Kinderorthopädie“ der Vereinigung für Kinderorthopädie.

(Presseinformation des St. Vinzenz-Krankenhauses)


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