Werbung

Nachricht vom 01.06.2021    

Autor Wilhelm Bode belegt Defizite im Forstrecht

Der Umweltverband Naturschutzinitiative e.V. (NI) hat eine Schrift mit dem Titel „Forstrecht ökologisch ausrichten – Schluss mit der gesetzlichen Nachhaltigkeitslüge“ herausgegeben. Darin belegt der Autor Wilhelm Bode die eklatanten Defizite im deutschen Forstrecht, das der konventionellen Forstwirtschaft faktisch einen Freifahrtschein ausstellt.

Symbolfoto

Quirnbach. Wilhelm Bode ist Jurist und Diplom-Forstwirt und war bis 1993 Leiter der saarländischen Forstverwaltung sowie später Leiter der Obersten Naturschutzbehörde des Saarlandes. Bekannt wurde er vor allem durch sein 1994 veröffentlichtes Buch „Waldwende“ (vier Auflagen, erschienen im C.H. Beck Verlag).

Der Autor kritisiert scharf, dass es in Deutschland „keine echten Waldgesetze“ gebe. Es seien in erster Linie „Zugriffsgesetze für die Holzerzeugungslobby“, die sicherstellen sollen, dass die Forstflächen als Holzproduktionsflächen optimal genutzt werden können. Was unter dem Etikett der „Nachhaltigkeit“ dabei herauskomme, zeigten viele Wald-Zerstörungsbeispiele in den Bundesländern. Die Schrift ist reichlich mit Bildern solcher abschreckenden Beispiele ausgestattet. Was uns die Forstwirtschaft als „Wald“ anbiete, sei, so Bode, eine Mogelpackung und unterscheide sich nur graduell „von den Plantagen der Dritten Welt.“

Das große Manko: Der Begriff Nachhaltigkeit bezieht sich in den Gesetzen nur auf die Holzerzeugung. Weder die ökologische, noch die soziale Nachhaltigkeit sei gesetzlich definiert. Die Forstgesetze liefern juristisch nur „ein wohlfeiles Wortgeklingel der Nachhaltigkeit.“ Ihre sogenannten „Gesetzeszielbestimmungen“ seien nicht mehr als „schön klingende Absichtserklärungen.“ Ein justiziables Ordnungsrecht, das die ökologischen Leistungen des Waldes schütze oder fördere und Waldbesitzer in die Pflicht nehme, fehle in Gänze. Bodes Fundamentalkritik lautet demzufolge: „Unsere Forstgesetze sind ordnungsrechtlich ein ökologischer Totalausfall.“

Die Gesetze, so Bode, ließen es beispielsweise zu, dass ein Fünftel der Waldfläche durch dauerhaft angelegte Maschinenwege verdichtet und zerstört werden. Während jede Bodenzerstörung durch Straßen- und Wohnbauten aufwendige Prüf- und Genehmigungsverfahren erfordere, seien solche Eingriffe im Wald per Gesetz ohne jede Genehmigung und „ohne Korrektiv der Rechtsprechung“ als „ordnungsgemäß“ zugelassen.



Gerade in Zeiten der Klimaerwärmung sei jetzt die Einführung eines ökologischen Forstrechts in Deutschland mehr als überfällig. Es müsse durch definierte Mindeststandards in die längst überholten, auf „Holzackerbau“ fixierten Betriebssysteme der Forstwirtschaft regulierend eingreifen. Als Kernziel jeder Forstwirtschaft sei, so Bode, die Stärkung der Resilienz (Anpassungsfähigkeit) der Wälder von entscheidender Bedeutung. Diese sei nicht durch stereotypes Aufforsten mit angeblich „klimastabilen“ Baumarten in künstlich zusammengestellter Mischung zu erreichen, sondern durch eine auf die Funktion des Wald-Ökosystems ausgerichtete Bewirtschaftung, die auch natürliche Regenerationsprozesse zulasse.

Bode benennt fünf wichtige, forstrechtliche „Essentials“, die vollzugstauglich zu verankern wären, unteranderem als Kernforderung eine selektive, nur auf den Einzelstamm bezogene Holznutzung, verbunden mit einem strikten Kahlschlagverbot sowie mit einer massiven Einschränkung der Befahrung der Waldböden mit schweren Holzerntemaschinen.

Die von der Naturschutzinitiative e.V. (NI) herausgegebene Broschüre umfasst 28 Seiten und ist ab sofort über deren Geschäftsstelle als Printausgabe beziehbar. Die PDF-Version findet sich auf der NI-Webseite www.naturschutz-initiative.de. (PM)


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Selters auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Vereine


Was blüht denn da?

Koblenz. Sie dienen der Gründüngung oder auch als Futterergänzung. Ölrettich und Senf sind die beliebtesten Zwischenfrüchte, ...

Veranstaltung "OZAPFT IS" am Sonntag 31. Oktober in Selters

Selters. Am Sonntag startet die etwas andere Halloween-Party, die „Große OktoBierFest-Party“, ab 19 Uhr in der Festhalle ...

"Nachcorona-Aufbruch-Plenum" der Kleinkünstler

Montabaur. Viele im Kulturbereich haben sich im Westerwald in der Corona-Pandemie die Frage gestellt: werden wir überhaupt ...

Den Wald erhalten durch klimagerechten Umbau

Montabaur. Unübersehbar ist bereits von Weitem, dass der Forst auch hier schweren Schaden genommen hat. Nach verschiedenen ...

Westerwälder Vogelfreunde präsentierten ihre gefiederten Schönheiten

Helferskirchen. Der Besucherstrom, der während der Ausstellung zur mittlerweile 24. Vogelausstellung der Westerwälder Vogelfreunde ...

Jahreshauptversammlung der NABU Hundsangen

Hundsangen. Die diesjährige Jahreshauptversammlung der Naturschutzbund Deutschland e.V., Gruppe Hundsangen, findet coronabedingt ...

Weitere Artikel


IG BAU kritisiert Niedriglöhne in der Floristik

Koblenz/Region. Gartenmärkte und Blumengeschäfte erleben in der Pandemie einen Ansturm – doch wer Sträuße bindet und Pflanzen ...

Pferde helfen Wald im Klimawandel: Lösungsansätze

Hachenburg. Über das Brainstorming zur Bodenbedeutung haben wir bereits berichtet.

Im zweiten Teil der Fortbildung ging ...

Corona: Land beschließt umfangreiche Lockerungen

Region. Folgende Änderungen treten zum 2. Juni in Rheinland-Pfalz in Kraft:
Kontaktbeschränkung fünf Personen aus fünf ...

Motocross Fahrer fährt Förster vorsätzlich an

Höhr-Grenzhausen. Der Förster traf am 29. April gegen 18:45 Uhr in seiner Eigenschaft als Revierförster im Bereich des Reviers ...

Neue MVZ-Koordinatorin am MVZ Dierdorf/Selters

Dierdorf. Die ausgebildete Kauffrau im Gesundheitswesen verfügt über langjährige Branchenerfahrung zum Beispiel in Koordinationsaufgaben ...

Entspannung setzt sich fort: Weniger Arbeitslose im Mai

Montabaur. Mit aktuell 3,3 Prozent liegt die Arbeitslosenquote 0,2 Prozentpunkte unter dem April-Wert. Noch deutlicher ist ...

Werbung