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Nachricht vom 25.05.2021    

NI kritisiert Forstwirtschaft im FFH-Gebiet Westerwälder Seenplatte

Forstlichen Raubbau mitten in der Brut- und Setzzeit in einem besonders geschützten Gebiet, dem Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet „Westerwälder Seenplatte“ beklagt der Umweltverband Naturschutzinitiative e.V. (NI).

Durch die industrielle Waldbewirtschaftung mit kettenverstärkten Rückemaschinen und Harvestern entstehen schwere Waldschäden. Diese Bilder aus dem Gemeindewald Dreifelden, Naturschutzgebiet und FFH Gebiet im nördlichen Rheinland-Pfalz sind leider kein Einzelfall. Fotos: Harry Neumann/NI

Dreifelden. „Der biologische Zustand unserer deutschen Wälder ist desaströs und die Zahlen machen deutlich, dass die strategischen Ziele zur Sicherung und Erhaltung der Biodiversität im deutschen Wald kaum mehr durch die derzeitigen konventionellen Bewirtschaftungskonzepte zu erreichen sind. Selbst unter Naturschutz gestellte Gebiete wie im Gemeindewald Dreifelden bleiben vor forstlichen Eingriffen nicht verschont“, erklärte Norbert Panek, Buchenwaldexperte und Wissenschaftlicher Beirat der NI zu den Arbeiten im Gemeindewald Dreifelden. Dies sei auch deshalb besonders schlimm, weil die Arbeiten mitten in der Brut- und Setzzeit stattgefunden hätten, so der Umweltverband.

Es vergehe seit Monaten kein Tag, an dem die Naturschutzinitiative (NI) von Bürgern und Naturschützern nicht auf unsachgemäße Forstarbeiten hingewiesen werde. Die Bilder zeigen schwere bodenschädigende Erntearbeiten im Naturschutz- und FFH-Gebiet „Westerwälder Seenplatte“ südöstlich des Dreifelder Weihers. Zerfahrene Wege und bis zu einem Meter tiefe Furchen in den abgeernteten Beständen weisen auf extrem verdichtungsempfindliche Feuchtböden hin.

Solche Böden verdienten einen besonderen Schutz, der hier nicht erfolgt sei. Folgeschäden in der Zukunft seien somit unausweichlich. „Die Wasserhaltefähigkeit der verdichteten Böden ist auf Jahrzehnte zerstört, tiefe Rinnen haben zudem entwässernde Wirkung. Der durchwühlte Boden ist weiterhin einer beschleunigten Humuszersetzung und damit einer Freisetzung des gebundenen CO2 ausgesetzt“, erklärte Dipl.-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI. Alles in Allem seien die Folgeschäden für den neu aufwachsenden Wald schon absehbar. „Ein Preis für die Technisierung und Industrialisierung mit schweren Maschinen in der Forstwirtschaft?“, fragen sich die Experten der NI.

„Wenn klimatische Extreme in der Zukunft weiter zunehmen, braucht der Wald einen Boden, der Wasser, Humus und Feuchtigkeit hält. Auch die großen und unnötigen Kahlschlagflächen in anderen Gebieten im Westerwald vermindern stark das kühl-feuchte Waldklima angrenzender Bestände und sind Gift für das gesamte Ökosystem“, so Norbert Panek.



Dass die an die Kahlschlagflächen angrenzenden Laubwälder als Schutzgut des FFH-Gebietes durch Änderungen im Wasserregime und im Lokalklima auch geschädigt werden (vor allem frische Buchenwaldtypen und Übergänge zu Au- und Bruchwäldern), schien in diesem Forstrevier wohl keine Überlegung gewesen zu sein, kritisiert die Naturschutzinitiative (NI).

„Das müsste es aber in einem FFH-Gebiet, das sich den Schutz dieser Wälder zum Ziel gemacht hat“, so Biologe Immo Vollmer.

In einem FFH-Gebiet besteht zudem ein Entwicklungsgebot zu einem höheren Anteil von Wäldern der natürlichen Waldvegetation. „Wie soll auf diesen zerstörten Böden jemals ein naturnaher Wald heranwachsen? Wie sollen weitere Schäden in angrenzenden und schutzbedeutsamen Waldbiotopen verhindert werden?“, fragt sich der Umweltverband.

„Die Bilder der Waldbodenzerstörung im Gemeindewald Dreifelden zeigen eindrucksvoll, dass wir dringend eine ökologische Reform der Forstgesetze und der Forstwirtschaft an sich brauchen“, so Norbert Panek und Immo Vollmer. Die Forstwirtschaft müsse sich von überholten und naturschädigenden Betriebsmodellen verabschieden.

„Dabei sind die Folgen der Industrialisierungstendenzen im deutschen Wald unübersehbar. Eines unserer wertvollsten Großökosysteme ist akut bedroht und die etablierte Forstwirtschaft reagiert darauf mit untauglichen Strategien und Konzepten aus der Mottenkiste der Forstklassiker. Dringend geboten wäre es hingegen, das zu fördern, was dem deutschen Wald am meisten fehlt: Naturnähe“, so Norbert Panek. (PM)

Für den Zustand der Waldwege hat das Forstamt Hachenburg bereits eine entschuldigende Erklärung geliefert. Wir berichteten.


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