Werbung

Nachricht vom 17.11.2010    

"Die Dorfzentren stärken und die Bürger mitnehmen"

Eine Fülle von Themen behandelte die "Dorfkonferenz" der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik im Westerwald im Bürgerhaus Wirges. Vertreter aus Landes- und Kommunalpolitik sowie Planer und Vertreter von Vereinen sprachen über die Chancen und Perspektiven einer zukunftsgerichteten Entwicklung der Gemeinden auf dem "flachen Land".

Burkhard Müller, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Landkreistages, sprach bei der Dorfkonferenz über die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Kommunalpolitik.

Westerwaldkreis/Wirges. „Ich habe ein paar neue Ideen für mich mitgenommen“, resümierte einer der Ortsbürgermeister seine Teilnahme an der „Dorfkonferenz“ der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) im Westerwald im Bürgerhaus Wirges.

„Genau das war unser Ziel“, zeigte sich die Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Dr. Tanja Machalet zufrieden mit der von ihr moderierten Veranstaltung. In einer Kombination aus Fachvorträgen und Praxisbeispielen aus dem Westerwald wurde den Teilnehmern eine Reihe von Aspekten einer zukunftsfähigen Politik für die Dorfgemeinde aufgezeigt.

Burkhard Müller, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Landkreistages, eröffnete die Konferenz mit einem Referat zu den Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Kommunalpolitik. Dabei betonte er die Chancen deutlich stärker als die Risiken. Ohne Förderung des ehrenamtlichen Engagements, so ist er überzeugt, werde die dringend notwendige Stärkung der Eigenverantwortung in der Gemeinde nicht gelingen.

Peter Klöckner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hachenburg und Vorsitzender der SGK Westerwald, verwies auf den stärker werdenden Wettbewerb der Gemeinden untereinander. „Die Menschen gehen dorthin, wo die Arbeit ist“, betonte er die Notwendigkeit einer effektiven und nachhaltigen Wirtschaftsförderung.

Robert Freisberg vom Ministerium des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz erläuterte, dass die Wohnattraktivität eines Dorfes wesentlich die Gesamtattraktivität beeinflusse. Um Wohnungs-Leerständen in den Dorfmittelpunkten entgegenzuwirken, müsse die Gemeindepolitik die Innenentwicklung grundsätzlich vor die des Ortsrandes, also die Ausweisung von Neubaugebieten, stellen. Am Anfang einer zukunftsgerichteten Dorfentwicklung hält er eine offene Stärken- und Schwächenanalyse für unabdingbar.

„Das Zentrum als Herz der Gemeinde“ stand als Überschrift über dem Praxisbeispiel von Karl Jung, Ortsbürgermeister der Gemeinde Oberelbert. Dort hatte man sich vor gut 20 Jahren bei der Planung des Gemeindezentrums „Stelzenbachhalle“ bewusst für eine Stärkung des Ortskerns entschieden. Da eine Einkaufsmöglichkeit vor Ort bei einem Dorf der Größe von Oberelbert wichtig sei, habe man im zweiten Bauabschnitt 2000 die Voraussetzungen für einen Dorfladen geschaffen. „Wenn die Person des Pächters oder der Pächterin stimmt, wird ein solcher Laden auch angenommen.“ Dann spielt nach der Überzeugung von Karl Jung das Preisgefälle zu den Discountern nicht die Hauptrolle.



Einen anderen Weg zur Lösung der Grundversorgungsproblematik im Ort wollen die Gemeinden Kundert und Mörsbach gehen. Egon Müller, Bürgermeister von Mörsbach, erläuterte den ersten Versuch zweier Nachbarorte im Westerwaldkreis, ihre Dorfentwicklung gemeinsam anzugehen. „Ohne die Kommunalreform vorwegzunehmen“, meinte er etwas scherzhaft. Beide Gemeinden blieben selbstverständlich eigenständig, aber „gemeinsam finden wir erfolgversprechendere Lösungen, unsere Einwohner zu ihren Einkaufsmöglichkeiten in den größeren Orten, zum Arzt oder den Behörden zu bringen.“

Die Dorfplanerin Claudia Redlin ist überzeugt, dass das Instrument der Dorfmoderation der beste Weg ist, die Gemeinschaft im Ort zu festigen und die Einwohner auf den Weg der Dorfentwicklung mitzunehmen. „Jedes noch so gute Konzept hat nur dann Erfolg, wenn der ganze Ort überzeugt ist und möglichst viele aktiv an der Umsetzung mitarbeiten“, fasst sie ihre Erfahrung aus einer Reihe von Moderationen zusammen.

In einer Ideenbörse im Foyer des Bürgerhauses konnten sich die Teilnehmer bei der AWO-Gemeindepsychiatrie in Verbindung mit der Firma AFU-Ihre Kette, der Nachbarschaftshilfe Montabaur, der Bürgergemeinschaft MACH MIT e.V. aus Hillscheid und dem Bürgermeister von Merkelbach Edgar Schneider, der ein Dorfcafé und die Idee eines Dorfmuseums vorstellte, über Praxisbeispiele für eine aktive Dorfentwicklung aus dem Westerwald informieren.


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Wirges auf Facebook werden!


Kommentare zu: "Die Dorfzentren stärken und die Bürger mitnehmen"

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Region


Westerwaldwetter: Stürmisches Wochenende

Region. In der Nacht zum Samstag ist es wechselnd bis stark bewölkt und niederschlagsfrei. Oberhalb etwa 400 Metern sowie ...

Zwei Schwerverletzte auf der B 8 in Wallmerod

Wallmerod. Am Donnerstag, dem 27. Januar, kurz nach 14 Uhr, ereignete sich in Wallmerod ein Verkehrsunfall bei welchem die ...

Blitzeis bei Mähren: Acht Fahrzeuge beschädigt - Ein Auto geriet in Brand

Mähren. Am 28. Januar gegen 7.20 Uhr kam es auf der B8 zwischen Hahn am See und Herschbach(Oww) in Höhe Mähren aufgrund Blitzeis ...

Feuerwehr löschte Kellerbrand in der Langgasse in Rennerod

Rennerod. Am Donnerstag, 27. Januar wurde der Feuerwehr Rennerod um 11.45 Uhr ein Brand in der Langgasse gemeldet. Innerhalb ...

Zeugen gesucht: Pkw aufgebrochen in der Beethovenstraße in Westerburg

Westerburg. Die Polizei sucht Zeugen eines Vorfalls, der sich zwischen Mittwochabend, 26. Januar, 21.50 Uhr und Donnerstagmorgen, ...

Rat und Hilfe bei Krebs jetzt auch in Montabaur und Westerburg

Westerwaldkreis. An Krebs erkrankte Menschen brauchen oft mehr als fachlich gesicherte medizinische Versorgung. Vor allem ...

Weitere Artikel


AK-Künstler gratulierten Siegener Kollegen

Siegen/Altenkirchen. 30 Jahre Kunstverein Siegen e.V., das war auch für viele Künstler aus dem benachbarten Kreis Altenkirchen ...

"Lebenskrisen und wie wir ihnen begegnen"

Wirges. Anhand vieler beispielhafter Fälle aus seiner Praxis berichtet er über Wendepunkte und „seelische Selbstheilungen" ...

Weichen für den Fortbestand der ARGE gestellt

Westerwaldkreis/Montabaur. Die Trägerversammlung der ARGE Westerwald mit je drei Vertretern von Arbeitsagentur und Landkreis ...

Vorbereitungen für neues Theaterstück laufen auf Hochtouren

Hübingen. Am 26. 27. und 28. November ist das schauspielerische Talent der Mitglieder des 1997 ins Leben gerufenen erfolgreichen ...

Babyprämie für den "Buchfinkenland-Nachwuchs"

Hübingen. Zum diesjährigen „Herbstausklang“ einer unterhaltsamen Kaffeerunde der älteren Hübinger Bürger mit St. Martinsbrezeln ...

Neue Aufenthaltskarte für Ausländer kommt

Westerwaldkreis. Zwei Fingerabdrücke, ein digitales Foto und Kreditkartenformat: Ab Mai 2011 sollen Ausländer ähnlich dem ...

Werbung