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Nachricht vom 18.05.2021    

Auf den Spuren von Rittern, Burg- und Schlossherren

Eine neue Veröffentlichung des Stadtarchivs Hachenburg lädt zu burgenkundlichen Streifzügen in den Hachenburger Westerwald und benachbarte Regionen ein. Die Publikation von Stadtarchivar Dr. Jens Friedhoff ist im Buchhandel und bei der Touristinformation Hachenburger Westerwald zu beziehen.

V.l.n.r.: Erste Beigeordnete Gabriele Greis, Stadtarchivar Jens Friedhoff, Stadtbürgermeister Stefan Leukel mit dem Hachenburger Heft 8. Foto: Röder-Moldenhauer

Hachenburg. So zahlreiche mittelalterliche Burgen wie das Mittelrheintal zwischen Mainz und Köln oder die Pfalz bietet der nördliche Westerwald sicherlich nicht. Dennoch weist die geschichtsträchtige Region zwischen Hachenburg, Altenkirchen und Puderbach eine Vielzahl von Burgen, Schlössern und Adelssitzen auf, die in dem nun vorliegenden Heft 8 der Schriften des Stadtarchivs Hachenburg vorgestellt werden.

Als erstes wird man bei der Thematik „Burgen und Schlösser“ an das über der historischen Innenstadt von Hachenburg thronende barocke Schloss Hachenburg denken, das auf eine mehr als 800-jährige Geschichte zurückblickt und seit nunmehr vier Jahrzehnten die Hochschule der Deutschen Bundesbank beherbergt.

Im Gebiet der Verbandsgemeinde Hachenburg erinnert die heute im Besitz der Gemeinde befindliche Burgruine Steinebach an der Wied, die das Titelbild des Heftes schmückt, an jene zahlreichen mittelalterlichen Burgen, die zum großen Teil längst verschwunden oder von denen sich lediglich bescheidene Spuren im Gelände erhalten haben. Zu nennen sind hier die als Wanderziele in der Kroppacher Schweiz ausgewiesenen Burgen Nister oberhalb der Zisterzienserabtei Marienstatt oder die im Tal der Kleinen Nister gelegene Burg in Streithausen, bei der es sich um eine sehr frühe Befestigungsanlage des Motte-Typus handelt. Die auch als „Hofküppel“ bezeichnete Burg bei Streithausen, die im Wesentlichen aus einem vermutlich hölzernen Turm mit Palisaden auf künstlich aufgeschütteten Hügel mit einem ringförmigen Graben sowie einem dazugehörenden, befestigten Wirtschaftshof bestand, erregte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Interesse der Forschung und wurde in den 1970er Jahren erneut archäologisch untersucht.

Von der unweit entfernt zwischen Limbach und Heimborn gelegenen Wasserburg Lützelau, die im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde, blieb lediglich die zu dem Wirtschaftsbetrieb des Adelssitzes gehörende Lützelauer Mühle erhalten. Das Schicksal des Niedergangs und Abbruchs teilten mit Lützelau das saynische Jagdschloss Louisenlust bei Müschenbach, das ehemals im Besitz der Grafen beziehungsweise Fürsten von Wied befindliche Schloss Seeburg am Dreifelder Weiher sowie das Schloss der Grafen von Sayn in Altenkirchen.

Doch die touristisch gut erschlossene Region des Hachenburger Westerwaldes lockt auch jenseits der Grenzen der Verbandsgemeinde mit beeindruckenden Burg- und Schlossanlagen, wie dem mit der Geschichte der Grafen von Sayn eng verwobenen, aus einer mittelalterlichen Burg hervorgegangenen Renaissanceschloss Friedewald bei Daaden, dem seit mehr als 400 Jahren im Besitz der Grafen von Hatzfeldt befindlichen Schloss Schönstein bei Wissen an der Sieg, der weithin sichtbaren Burgruine Hartenfels unweit der Westerwälder Seenplatte oder der über den archäologisch untersuchten Resten einer hochmittelalterlichen Burg frei rekonstruierten Motte Rotenhain.

Knapp hinter der Kreisgrenze weist die Verbandsgemeinde Puderbach (Kreis Neuwied) gleich drei mittelalterliche Burgen auf: Die als Bodendenkmal erhaltene Motte bei Oberdreis, eine namenlose Burgstelle bei Reichenstein sowie die eindrucksvolle Burgruine Reichenstein über dem Holzbachtal.

Auf 122 reich illustrierten Seiten werden jedoch nicht nur die historischen Wehr- und Wohnbauten des Adels vorgestellt, sondern auch die in Hachenburg und Altenkirchen erhaltenen Reste der Stadtmauern, die ursprünglich die gesamten Innenstädte umschließend zu den größten kommunalen Bauaufgaben des Mittelalters zählten. Stadtmauern dienten im Mittelalter dem Schutz der privilegierten städtischen Bevölkerung und gleichzeitig der Repräsentation des selbstbewussten städtischen Bürgertums. Militärisch bereits im 16. Jahrhundert überholt, wurden die Stadtmauern im 19. Jahrhundert im Blick auf die Kosten für ihre bauliche Unterhaltung sowie das einsetzende Wachstum der Städte als störend empfunden und sukzessive abgebrochen. Zu den herausragenden, bislang wenig beachteten archäologischen Denkmälern im Umfeld der Stadt Hachenburg zählt die über weite Strecken noch als Wall-Graben-System erkennbare spätmittelalterliche Landwehr, deren Spuren sich insbesondere in der Nähe der Ziegelhütte (Horhauser Schlag) erhalten haben. Die Landwehr markierte den über die Stadtmauern hinausreichenden Rechtsbezirk der Stadt und erschwerte in den fehdereichen Zeiten des Mittelalters feindliche Übergriffe.



Das Erscheinen des Burgenführers war umso naheliegender, als das Thema „Burgen und Schlösser im Westerwald“ letztmalig vor zweiundzwanzig Jahren in einem vom Verfasser wissenschaftlich betreuten Ausstellungsprojekt aufgegriffen wurde. Der 1999 erschienene Begleitband ist längst vergriffen und spektakuläre Ergebnisse archäologischer und landesgeschichtlicher Forschung lassen das Thema „Burgen und Schlösser“ in einem neuen Licht erscheinen.

Insgesamt werden in dem vorliegenden Burgenführer zum Raum Hachenburg 25 Objekte aus dem Zeitraum von 1100 bis 1800 einer näheren Betrachtung unterzogen. Erstmals veröffentlichte historische Ansichten ermöglichen die Rekonstruktion längst verschwundener Bauten (unter anderen Schloss Altenkirchen, Beller Hof bei Steinebach an der Wied). An Ausführungen zur Burgenlandschaft des Raumes Altenkirchen-Hachenburg schließen sich einleitende Kapitel zur Geschichte der Region sowie zur baulichen Entwicklung der Burgen und Schlösser an. Eine Verbreitungskarte erleichtert das Auffinden der zum Teil abseits der großen Straßen gelegenen Anlagen.

Ermöglicht wurde die Umsetzung des Projekts, das sich als Beitrag zur touristischen Erschließung der Region versteht, durch das Co-Funding zur Finanzierung, an der sich sowohl die Stadt- als auch die Verbandsgemeinde beteiligt haben. Ein herzliches Dankeschön gilt dem Stadtbürgermeister Stefan Leukel, dem Verbandsgemeindebürgermeister Peter Klöckner sowie den zuständigen kommunalen Gremien. Die Aufzählung all jener Personen und Institutionen, die durch die Bereitstellung von Informationen, Archivalien und Bildmaterial zu dem Band beigetragen haben, umfasst Mitarbeiter der staatlichen Archive in Wiesbaden und Koblenz, des Kreisarchivs Altenkirchen, der Unteren Denkmalschutzbehörde des Westerwaldkreises in Montabaur, der Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland in NRW sowie verschiedene Ortsbürgermeister und diverse Privatpersonen.

Egal ob zu Fuß, per Rad oder mit dem PKW – viel Vergnügen bei der Entdeckung der in die reizvolle Landschaft des Hachenburger Westerwaldes und seiner Nachbarregionen eingebetteten Burgen und Schlösser wünscht Ihnen der Autor und Stadtarchivar Jens Friedhoff.

Die Publikation:
Jens Friedhoff: Burgen – Schlösser – Befestigungen im Raum Hachenburg (Schriften des Stadtarchivs Hachenburg Heft 8), Hachenburg 2021; 122 Seiten, zahlreiche Illustrationen. Zu beziehen bei der Touristinformation Hachenburger Westerwald, Perlengasse 2; 57627 Hachenburg (info@hachenburger-westerwald.de) und im örtlichen Buchhandel zum Preis von 8.90 Euro. (PM)


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