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Nachricht vom 13.05.2021    

Hundertjähriger Dornröschenschlaf der „Grube Edelstein“ in Luckenbach

Von Helmi Tischler-Venter

Vor hundert Jahren, am 30. April 1921 wurde die „Grube Edelstein“ in Luckenbach geschlossen. Zwar wurden dort nie Edelsteine abgebaut, die Namensgebung ist sicherlich ein Ausdruck der Wertschätzung, weil der Eisenerzabbau in der Region vielen Menschen den Lebensunterhalt sicherte.

Vor dem Stollenmund der Grube Edelstein von links: Bürgermeister Dieter Bethke, Dr. Joachim Schneider und Hermann-Josef Wagner. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Luckenbach. Wie das bekanntere Bergwerk Bindweide in Steinebach ist auch der Luckenbacher Stollen Teil des Siegerländer-Wieder Eisenerzgebiets. In der gesamten Westerwald-Region finden sich Relikte aus mehr als 2000-jähriger Bergbaugeschichte. Der Verein für Siegerländer Bergbau e.V. kann den Beginn der Eisenindustrie im Siegerland und den Nachbargebieten auf circa 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung datieren. Relikte werden etwa seit der Jahrtausendwende konserviert. Von der Autobahn aus (A3) sieht man weithin den Förderturm der Grube Georg in Willroth. Der Stöffelpark in Enspel hat als Industriedenkmal Berühmtheit erlangt und zieht, wenn er nicht coranabedingt geschlossen ist, viele Besucher an. Auch in Luckenbach wurde vor fast 30 Jahren der kleine „Edelsteinstollen“ wieder geöffnet und Besuchern zugänglich gemacht.

In der Landschaft finden sich noch 23 Plätze, die Hinweise auf frühzeitlichen Erzabbau geben. Zunächst wurden die Erze nur dort abgebaut, wo man oberirdisch an sie herankam. Erst viel später ging es „Untertage“. Wie die Website der Ortsgemeinde Luckenbach erläutert, wurden von der Erdoberfläche aus die Grubenfelder mit Pingen und Schächten erschlossen. Für den Untertagebau trieben die Bergleute Stollen in die Berge. So kann man sich das auch für die „Grube Edelstein“ vorstellen. Sie ist der einzige noch verblieben Stollen, der nicht zugeschüttet wurde.

Bei Feldarbeiten finden Bauern immer wieder Holzkohlereste von Meilern, die man zur Verhüttung des Eisenerzes errichtete. Die Atzelgifter Mühle war ein Eisenwerk.

Bis 2023 sei der Stollen als Besucherbergwerk zugelassen, erklärt Stollenführer Hermann-Josef Wagner. Er weist auf Larven des Feuersalamanders hin, die im besonderen Biotop des Grubenwassers leben. Wagners Nachbar Dr. Joachim Schneider, überzeugter Westerwälder und zertifizierter Natur- und Landschaftsführer strebt die Zertifizierung des „Edelsteinstollens“ als Geopunkt durch den „Nationalen GEOPARK Westerwald-Lahn-Taunus“ an. Die Geschichte der Erde wird hier begreifbar und aktiv erlebbar.

Außer den beiden ehrenamtlich engagierten Luckenbachern, die sich jahrelang Wissen angehäuft haben, arbeiten auch Ortsbürgermeister Dieter Bethke und ortsansässige Vereine daran, das Schmuckstück bekannt zu machen. Angestrebt ist ein Rundweg zum Bergbau. Zur Gemeinde gehört ein Wander- und Radwanderwegenetz mit Anschluss zum neuen Westerwaldsteig.



Der Grubeneingang und der Wiesenplatz davor sollen gestaltet werden, der Platz liegt idyllisch am Rosbach und bietet sich für gesellige Aktivitäten an. Nicht weit entfernt liegt das Backhaus der Gemeinde, das vom Heimat- und Backverein betreut wird und in dem die Frauen des Gymnastikvereins gern für einen guten Zweck backen.

Mit Stolz berichtet Bürgermeister Bethke, das seine fast 700 Bürger zählende Gemeinde über 300 Arbeitsplätze verfüge. Da die ortsansässigen Unternehmer immer qualifiziertes Personal finden müssen, sei man bestrebt, das Dorf als Wohn- und Arbeitsort attraktiv zu machen.

Dazu tragen auch die sechs Vereine bei: Außer dem Heimat- und Backverein und dem Gymnastikverein bereichert der Musikverein Luckenbach das Dorfleben. Der Männergesangverein „Liederkranz“ gestaltet Konzerte. Die Sänger erbauten in Eigeninitiative die Grillhütte, die bis heute vom Verein erhalten und unterhalten wird. Dazu gibt es den Fanclub des 1. FCK „Wäller Teufel“ und den Förderverein der Feuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr Luckenbach zählt 26 Aktive und etwa zehn Jugendfeuerwehrleute. Die Gemeinden Atzelgift, Limbach, Luckenbach und Streithausen mit dem Kloster Marienstatt bilden mit etwa 2400 Einwohnern das Einsatzgebiet der 1951 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr. Die Löschgruppe Luckenbach freut sich, dass sie von der Feuerwehr Hachenburg nach deren Neuanschaffung ein LF 16/12 (Baujahr 2002) erbt und damit noch schneller und effektiver vor Ort helfen kann.

Sehenswert sind außer dem Grubenstollen und dem Backhaus die 1949 in Basalt erbaute "Gustav-Adolf-Kapelle". Zudem verfügt Luckenbach über einen sehr attraktiven öffentlichen Kinderspielplatz, der sogar von Familien aus dem Nachbarkreis Altenkirchen besucht wird. Er befindet sich neben dem Gebäude-Ensemble Grundschule, Kindergarten und Dorfgemeinschaftshaus am Fuß eines schmucken Neubaugebiets. Es lebt sich offenbar gut in Nachbarschaft der „Grube Edelstein“.
htv


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