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Nachricht vom 09.05.2021    

Dekanat: Synode tagt erstmals digital

Das Evangelische Dekanat Westerwald betritt Neuland – und das gleich in mehrerlei Hinsicht. Es ist das erste Mal, dass eine Dekanatssynode, also das „Parlament“ des evangelischen Kirchenkreises im Westerwald, in rein digitaler Form zusammenkommt.

Erste digitale Synode des Evangelischen Dekanats Westerwald. Foto: Sabine Hammann-Gonschorek

Westerburg. Außerdem folgt der aktuelle Haushalt neuerdings der sogenannten Doppik, der Doppelten Buchführung in Konten. Zwei Premieren, deren Vorbereitungen zwar viel Zeit und Energie gekostet haben, die aber beide geglückt sind.

69 Kacheln waren auf dem Computerbildschirm zu sehen. 69 Synodale und Gäste, die mehr als fünf Stunden über den künftigen Kurs des Dekanats diskutierten. Endlich mal wieder, möchte man sagen. Denn die letzte Synode ist anderthalb Jahre her: Ende 2019 wurde sie wegen mangelnder Beschlussfähigkeit verschoben, später in abgespeckter Form nachgeholt – und dann kam Corona. Der für 2020 fällige Haushalt war im vergangenen Jahr in einer sogenannten Ersatzvornahme vom Dekanatssynodalvorstand – das ist das leitende Gremium des Dekanats – auf den Weg gebracht worden und wurde nun von der gesamten Synode mit 47 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen im Nachhinein abgesegnet. Das bedeutet, dass das Dekanat seit etwas mehr als einem Jahr in einer Art Sparbetrieb fährt: Große Investitionen gibt es nicht; nötige Ausgaben sind dank des DSV-Beschlusses trotzdem möglich.

Haushalt 2021: Finanziell keine großen Sprünge möglich

Der aktuelle Haushalt 2021 ist nun wieder wie üblich von der gesamten Synode beschlossen worden. Mit 46 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen stimmten die Synodalen dem Zahlenwerk zu. Große Sprünge kann das Dekanat aber nach wie vor nicht machen. Denn der Rückgang der Mitgliederzahlen – und damit auch der Kirchensteuereinnahmen – machen nicht nur der Landeskirche zu schaffen, sondern treffen auch das Dekanat Westerwald. Bei dessen Bilanzierung bleibt unterm Strich ein Minus von rund 25.000 Euro. Zwar relativiert Präses Bernhard Nothdurft diesen Betrag etwas und erklärt, dass darin auch die sogenannten „Aufwendungen für Abschreibungen“ enthalten sind, also ein Posten, der den Wertverlust des Westerburger „Karl-Herbert-Hauses“ abbildet. Ohne ihn würde das Defizit auf rund 4100 Euro zusammenschrumpfen.

Um den Haushalt zu decken, entnimmt das Dekanat Mittel aus seinen Rücklagen. Wohlgemerkt: noch. „Die Frage bleibt, wie oft wir unseren Haushalt noch aus Rücklagen finanzieren können“, sagt Bernhard Nothdurft. Die Rücklagen sind endlich, und unsere Finanzsituation ist ein strukturelles Problem.“

Denn die „Haupteinnahmequelle“ des Dekanates sind die Zuweisungen der Landeskirche in Darmstadt, die dieses Jahr bei rund 1,4 Millionen Euro liegen – Geld, das zum Großteil aus Einnahmen der Kirchensteuer besteht. Doch die werden künftig wohl immer weiter zurückgehen. „Deshalb ist unsere einzige Stellschraube die der Ausgaben“, sagt Bernhard Nothdurft. „Unsere Einnahmen sind fix. Was die Ausgaben angeht, so müssen wir in den kommenden Jahren mit Augenmaß wirtschaften.“ Die Idee, vereinzelte Projekte durch Fundraising zu unterstützen, hält er für grundsätzlich gut. „Aber das Grundproblem löst auch das Fundraising nicht“, sagt der Präses.

EKHN 2030: Mehr Kooperationen zwischen den Gemeinden

Mit dem Prozess „EKHN 2030“ hat sich die Landeskirche genau dieser Herausforderung angenommen. Das Projekt möchte Kirche angesichts sinkender Mitgliederzahlen neu gestalten und war auch auf der digitalen Frühjahrssynode ein Thema. Denn die Pläne bewegen und betreffen auch die Gemeinden – zum Beispiel, wenn es um den Gebäudebestand geht. „Die Gesellschaft macht einen demografischen Wandel durch – auch innerhalb unserer Landeskirche“, erklärt Dr. Annette Christina Pannenberg vom Referat Organisationsentwicklung und Qualitätsmanagement der Kirchenverwaltung der EKHN, die den Synodalen „EKHN 2030“ vorstellt. „Die Gemeindegliederzahlen gehen zurück; es gibt weniger Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren; unsere Gesellschaft wird religiös vielfältiger und insgesamt, weltlicher‘.“



In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Bis zum Jahr 2030 klafft bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau eine Finanzierungslücke von rund 140 Millionen Euro; die Mitgliederzahl schrumpft um 20 Prozent, die der Pfarrpersonen um 30 Prozent. Um diesen Entwicklungen zu begegnen, nimmt die Kirche unter anderem die Gebäudekosten in den Blick und setzt künftig eher auf Qualität statt auf Quantität.

Was das im Einzelnen für die Pfarrhäuser und kirchlichen Gebäude im Westerwald bedeutet, steht freilich noch nicht fest. Denn der Prozess EKHN 2030 steckt noch in einer sehr frühen Phase. Dass es künftig engere Kooperationen zwischen Kirchengemeinden in Form von Regionen und Nachbarschaftsräumen geben wird, ist aber so sicher wie das Amen in der Kirche. „Das Ziel ist, die Versammlungsflächen insgesamt zu reduzieren und sie an den Bedarf der Gemeinden anzupassen“, sagt Dr. Annette-Christina Pannenberg. Wie dieser Bedarf in den jeweiligen Regionen aussieht, wird im engen Dialog mit den Gemeinden erörtert.
Ein Thema, das bewegt. Das zeigte auch die zwar kurze, aber rege Diskussion im Anschluss an den Vortrag. Ein Mitglied der Kirchensynode warb leidenschaftlich dafür, die kirchlichen Kernthemen stärker in den Blick zu nehmen: „Wo ist Gott in der Welt und in meinem Leben? Das ist doch die zentrale Frage, um die es bei Kirche geht. Ein Krankenhaus kann auch jemand anders unterhalten. Aber wenn nicht das Kerngeschäft, das nur wir bieten können, hervorgehoben wird, hat der Prozess EKHN 2030 etwas von einem geordneten Rückzug.“ Andere Synodale forderten, den Prozess künftig verständlicher zu kommunizieren und sich bei allen Planungen an den Bedürfnissen der Basis zu orientieren.

Neue Pröpstin stellt sich vor

Das Thema ist und bleibt eben ein emotionales, das nicht nur das Evangelische Dekanat Westerwald noch lange beschäftigen wird. Deshalb kündigt Präses Bernhard Nothdurft an, dass es noch vor den Sommerferien eine längere Veranstaltung zu „EKHN 2030“ geben wird.

Eine, die diesen Prozess mit den Dekanaten in den kommenden Jahren begleitet, ist die neue Pröpstin der Propstei Nord-Nassau, Sabine Bertram-Schäfer. Sie ist die Nachfolgerin von Annegret Puttkammer und stellte den Westerwälder Synodalen sich selbst und ihre Schwerpunkte vor. Der in Wallmerod aufgewachsenen Pröpstin liegen besonders die Herausforderung und Chancen der Kirche im ländlichen Raum, die Ökumene und die Diakonie am Herzen. „Ich möchte Pfarrerinnen und Pfarrer gewinnen, in dieser schönen Region ihren Dienst anzutreten. Außerdem freue ich mich auf vielfältige ökumenische Kontakte. Und schließlich glaube ich, dass Wort und Tat zusammen gehören. Darum ist die Einheit von Kirche und Diakonie für mich selbstverständlich.“

Neue Aufgaben für Pfarrerinnen

Einen Neuzugang gibt’s auch im Dekanatssynodalvorstand: Die Synodalen wählten die Pfarrerin der Evangelischen Erlöser-Kirchengemeinde Neuhäusel, Lisa Tumma, in das Leitungsgremium des Dekanats. Die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Höchstenbach, Elisabeth Huhn, bekommt ebenfalls eine weitere Aufgabe: Sie ist die Stellvertreterin von Pfarrerin Swenja Müller in der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. (bon)


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